Eine Ärztin hält einen Corona-Schnelltest in der Hand. (Foto: picture alliance/dpa | Tom Weller)
Wie funktionieren Schnelltests?

Ab März soll jeder Bürger und jede Bürgerin kostenlos per Schnelltest auf das Coronavirus getestet werden können. Das teilte Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag mit. Die Schnelltests sollen die Entwicklung der Pandemie positiv beeinflussen. Wir klären wie die Tests funktionieren und welche Unterschiede es gibt.

Neben dem zuverlässigen und im Labor überprüften PCR-Test gibt es noch die Schnelltests. Hier gibt es zwei verschiedene Arten. Zum einen die Schnelltests die von Fachpersonal durchgeführt werden müssen und die Tests, die jeder zuhause selbst durchführen kann.

Schnelltests die von Fachpersonal durchgeführt werden, stehen bereits zur Verfügung. Für Laien durchführbare Tests sind noch nicht flächendeckend einsetzbar, deshalb laufen gerade Schnellzulassungen beim Bundesamt für Arzneimittel. Diese betreffen aber beide Testverfahren - für Fachpersonal und für Laien.

Wie sollen die Schnelltests für zuhause aussehen?

Die Schnelltests - egal ob durch Fachpersonal oder Laien durchgeführt - sind deutlich einfacher zu handhaben. Außerdem sind sie weniger unangenehm. Per Anleitung soll jeder die Tests selbst durchführen können ohne in ein Testzentrum zu müssen.

Anwendung von Gurgel- und Spucktests

Aktuell stehen zwei Testverfahren für Selbsttests zur Diskussion. Gurgel- und Spucktests und Tests bei denen der Abstrich weiter vorne in der Nase entnommen werden kann. Beim Gurgel- und Spucktest wird mit einer speziellen Flüssigkeit eine halbe bis eine Minute gegurgelt. Dadurch sollen sich Partikel im Rachen lösen. Der Rachenraum ist deshalb so wichtig, da sich dort die Viren u.a. ansetzen. Danach kommt die Lösung inklusive Spucke in ein Proberöhrchen und die Probe wird untersucht. Dieser Schritt muss bisher weiterhin im Labor gemacht werden. Im Bild seht ihr ein Spucktest-Kit zur Selbstanwendung.

Ein Corona-Schnelltest (Spucktest) liegt auf einem Tisch (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/POOL | Soeren Stache)
Ein Corona-Schnelltest (Spucktest) liegt auf einem Tisch

Für die Zukunft ist es geplant, dass Schnelltests auf den Markt kommen, für die kein Labor mehr benötigt wird. Bei dem Gurgel- und Spucktest wird die Flüssigkeit auf ein Teststäbchen aufgetragen, wie man es bereits von Schwangerschaftstests kennt. Je nachdem wie viele Striche erscheinen ist das Ergebnis positiv oder negativ. Im unteren Bild seht ihr ein negatives Testergebnis.

Ein negatives Corona-Testergebnis bei einem Schnelltest (Foto: picture alliance/dpa/APA | Georg Hochmuth)
Ein negatives Corona-Testergebnis bei einem Schnelltest

Anwendung von Tests mit Nasenabstrich

Das andere Testverfahren ist weiterhin mit einem Nasenabstrich. Das Wattestäbchen muss aber dabei nur zwei bis drei Zentimeter in die Nase eingeführt werden. Bei bisherigen Studien noch nicht zugelassener Selbsttests mussten die Teilnehmenden das Wattestäbchen 15 Sekunden entlang der Nasenwände kreisen lassen. Bei der Untersuchung wurden nur minimale Unterschiede zwischen Selbsttest und Test mit tiefem Nasenabstrich durch einen Profi festgestellt. Beim Selbsttest wurden 33 von 40 Infizierten erkannt und beim Einsatz von Fachpersonal waren es 34.

Wie zuverlässig sind die Tests?

Das Problem der Schnelltests ist, dass sie nur eine Momentaufnahme abbilden. Auf der einen Seiten schlagen die Test bei einer hohen "Viruslast" gut an. Auf der anderen Seite heißt ein negativer Test nicht, dass man das Virus nicht schon in sich trägt. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rät deshalb bezogen auf die Selbsttests, dass man bei einem positiven Test zuhause direkt den Hausarzt oder das Gesundheitsamt anrufen soll. Denn "nur ein PCR-Test vom Labor kann das Ergebnis des Schnelltests sicher bestätigen und damit das Infektionsgeschehen präzise abbilden."

Was sollen die Schnelltests kosten?

Die geplanten Schnelltests ab dem 1. März will Gesundheitsminister Jens Spahn kostenlose für alle anbieten. Diese müssen aber weiterhin von geschultem Personal in Testzentren oder Apotheken durchgeführt werden. Die geplanten Selbsttests für zuhause werden sehr wahrscheinlich nicht kostenfrei zu bekommen sein. Aktuell ist die Rede von einem geringen Eigenanteil von einem Euro.

Wann wird es die Tests geben?

Damit die Tests zugelassen werden, müssen sie zuerst geprüft werden. Das passiert zum Beispiel durch den TÜV oder die Dekra. Neben der Qualität des Tests wird auch kontrolliert und geprüft, ob die Anleitung oder Verpackungsbeilage klar verständlich ist, damit keine Fehler bei der Anwendung gemacht werden. Ist alles geprüft und abgenommen erhält das Produkt das CE-Zeichen. Auch Sonderzulassungen müssen diesen Prozess durchlaufen.

Anfang März rechnet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit ersten Sonderzulassungen für Laien-Schnelltests. Bisher sind 30 Anträge auf eine Zulassung eingereicht worden. Die ersten Produkte haben bereits das Prüfverfahren durchlaufen und sollen bald lieferfähig sein.

Kritik an den geplanten Schnelltests

Der Chef des Städte- und Gemeindebundes Landsberg warnt vor zu hohen Erwartungen an die Schnelltests. Er hat der Rheinischen Post gesagt, es werde dauern bis sich wirklich alle testen lassen können. Aus dem Start der Corona-Impfungen habe man gelernt, dass es eine schwierige Aufgabe sei medizinische Mittel an viele Millionen Menschen zu verteilen. Solange die Tests knapp seien, sollte zuerst in Kitas und Schulen getestet werden, so Landsberg.


Artikel vom 17. Februar 2021