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Arzt (Foto: dpa/Rolf Vennenbernd)
Arzt in Coronazeiten: Erfahrungsbericht

Wie geht es Ärzten in der aktuellen Situation? Dr. Florian Schumacher arbeitet in einer Hausarztpraxis, wird aber auch in unterschiedlichen Kliniken eingesetzt, unter anderem im Caritas Klinikum in Saarbrücken. Er hat für uns beschrieben, wie sich sein Berufsleben aktuell verändert hat und was er sich wünscht - von uns allen.

"Aktuell ist es so: Die Ärzte, die normalerweise in der Praxis arbeiten, machen nebenher Dienste in den Kliniken. Wir sind da quasi die Vorkontrolle. Heißt: Jeder, der in die Klinik reinkommt und ein Problem hat, kommt erstmal zu uns. Wir gucken dann: Gehört dieser Patient wirklich in eine Notaufnahme oder können wir das in unserer Notfallpraxis in der Klinik behandeln? Also auch wenn ihr eine Blasenentzündung habt, kommt ihr erstmal in diese Bereitschaftsklinik, da kümmert sich dann ein Arzt. Damit ihr nicht die Notaufnahme blockiert. Und ich betreue regelmäßig diese Notfallpraxis.

Dr. Florian Schuhmacher im UnserDing-Studio (Foto: UnserDing)
Dr. Florian Schuhmacher im UnserDing-Studio

Was hat sich verändert?

Veränderungen sieht man direkt, wenn man in die Klinik kommt. Es gibt eine Einlasskontrolle, da stehen Fachkräfte von der Hygiene. Die achten darauf, dass die Leute die Standards einhalten: jeder muss sich die Hände desinfizieren. Gefährliche Patienten werden direkt rausgefiltert. Es gibt Vorkehrungen für den Fall, dass gleichzeitig viele Menschen in die Klinik kommen. Draußen stehen Zelte, in denen entschieden wird, ob Personen in die Notaufnahme oder auf die Intensivstation müssen oder nicht.

Die Kliniken bereiten sich auch vor, sollten größere Ausfälle entstehen. Es gab schon Anfragen bezüglich der Ärzte, die sonst wie ich in Praxen arbeiten. Wir sollen in diesen Zelten vor der Klinik mithelfen – nach unserem regulären Dienst. Und da müssen wir aktuell einfach zusammenhalten und gucken, dass jeder der irgendwie helfen kann, hilft.

Und was man wirklich sieht: Die Flure sind komplett leer. Man sieht auch die Vorbereitungen, zum Beispiel sind überall schon Reservebetten aufgestellt, falls da plötzlich ganz viele Leute kommen.

Wie ist die Stimmung im Team, bei deinen Kollegen?

Ich bin nur gelegentlich in Kliniken, aber bei meinem Dienst diese Woche hat man beim Blick in die Gesichter der Mitarbeiter wirklich angestrengte Augen gesehen und große Sorge. Jeder macht sich Sorgen, weil man einfach nicht genau weiß, was auf die Leute zukommt.

Fast alle Patienten im Haus tragen Mundschutz, genauso die Ärzte und Mitarbeiter – das ist man so nicht gewohnt. Im Krankenhaus bringt das auch was. Denn der Mundschutz hilft beispielsweise dann, wenn jemand dich anniest. Da kann ein Mundschutz eine Infektion vielleicht verhindern. Oder auch in einem Bereich, in dem der nötige Sicherheitsabstand zu anderen – zur Erinnerung: zwei Meter – nicht eingehalten werden kann. Und das können wir Ärzte ja nicht einhalten. Wenn ich jemandem den Rücken abklopfen muss und das erstmal nichts mit Corona zu tun hat, stehe ich auch direkt neben ihm. Dann kann diese Maske mich schützen.

Wie geht es dir?

Man schläft im Moment wenig, das Thema ist überall präsent, es geht auch darum, den Leuten immer wieder zu erklären, was sie tun sollen und was sie nicht tun sollen. Den Praxisbetrieb haben wir umgestellt, wir versuchen viel am Telefon zu machen und Dinge zu verschicken, damit die Leute nicht hierherkommen und so die Schutzmaßnahmen einhalten können. Das ist fremd, das ist stressig. Wir haben viel zu tun und sind froh für jeden, der uns nur im Notfall kontaktiert!

Wie können wir das Gesundheitssystem unterstützen?

Mein Wunsch für die nächste Zeit ist der: Es gibt eine wirksame Methode um den Crash unserer Intensivmedizin zu verhindern, wie das in anderen Ländern passiert ist. Nämlich: Social Distancing. Haltet Abstand. Versucht nirgendwo hinzugehen, wo ihr im Moment nicht hingehen müsst. Bleibt bitte zuhause! Das Gesundheitssystem ist gut gerüstet, aber es kann nur funktionieren, wenn nicht alle Leute gleichzeitig kommen. Ich habe die Hoffnung, dass das bei uns funktionieren kann."


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Show mit Stephanie am 20. März berichtet.