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Die Corona-Warn-App in der Entwickler Version ist im Display eines Smartphone zu sehen (Foto: dpa)
Alles wichtige zur Corona-Warn-App

Die Corona-App ist auf dem Markt. Bevor ihr euch die App runterladet, möchtet ihr ja vielleicht ganz gerne wissen, was die so kann und wie sie funktioniert. Das haben die UNSERDING-Moderatoren Thurie und Jonas mit Reporterin Birthe aus Berlin geklärt. 

Update: 23. Juni

Seit einer Woche gibt es die Corona-Warn-App und mittlerweile haben fast 12 Millionen Menschen sie auf ihren Smartphones installiert. Forscher von den Universität Oxford sehen das als eine wichtige Zahl an, denn damit sein eine Marke erreicht, ab der die App auch wirklich etwas bringen kann. Auch die Bewertungen in den App Stores sind gut, Sicherheitslücken sind bisher keine bekannt geworden. Allerdings lässt sich nicht sagen, ob und wie viele positive Coronatests schon eingetragen und wie viele Menschen gewarnt wurde. Weil die Daten nicht gespeichert werden, gibt es darüber keine Statistiken.

Die App führte aber auch zu Frust: Bei älteren Smartphones kann sie nicht genutzt werden, denn sie setzt mindestens Android 6 oder ein iPhone 6s als Betriebssystem voraus. Laut SAP und Telekom, den Entwicklern der App, werde daran aber gearbeitet, die App soll dann auch für ältere Modelle zugänglich sein.

Wer von der App den Warn-Hinweis bekommt, dass er oder sie einen kritischen Kontakt zu einem Infizierten hatte, der kann sich künftig bei seinem Hausarzt auf den Virus testen lassen. Das gab die Kassenärztliche Vereinigung Saarland bekannt. Bislang war ein Test nur dann möglich, wenn Betroffene über Symptome klagten. Durch die Einführung der App wurde diese Vorgabe geändert.

Dennoch gilt weiterhin: Bei dem Verdacht einer Coronainfektionen nicht in die Sprechstunde zu gehen, sondern den Arzt vorher telefonisch zu informieren.


Wie funktioniert die App überhaupt?

Die App funktioniert mit Bluetooth. Das haben ja die allermeisten Handys und viele nutzen das auch, um beispielsweis ihre kabellosen Kopfhörer mit dem Handy zu verbinden. Darüber kann man aber auch anonymisiert Daten austauschen. Die werden dann auf dem Handy gespeichert verschlüsselt. Zum Beispiel: Wie nah ich wie lange mit welchem anderen Handy zusammengesessen habe, in der Supermarktschlange oder im Bus. Und wenn ich dann mit jemandem mindestens eine Viertelstunde lang näher als zwei Meter gekommen bin, dann merkt sich die Corona-App das. Mit einem verschlüsselten Code, ohne zu wissen, wer neben mir stand oder an welchem Ort. Das wird alles nicht gespeichert. Sondern nur, dass es diesen Kontakt gab. Und wenn dann jemand positiv auf das Virus getestet wird, dann kann er das freiwillig melden und die App verteilt Warnungen an alle, die eben in den Tagen vorher so nah dran waren. Und natürlich nur an die Leute, die diese App auch nutzen. 

Gibt es eine bestimmte Anzahl von Menschen, die sie runterladen und nutzen müssen, damit es überhaupt was bringt?

Das lässt sich schwer sagen. Klar ist: Je mehr Leute sie nutzen, desto besser. Desto mehr kann sie bringen, desto mehr Menschen kann sie warnen. Vor allem kann sie dann aber auch Menschen warnen, die ich gar nicht kenne. Denn wenn ich positiv getestet bin, dann ist das viel Handarbeit. Ich muss mich erinnern, mit wem war ich zusammen? Und muss das den Gesundheitsämtern sagen. Die Leute müssen dann angeschrieben werden und in Quarantäne oder einen Test machen. Aber die Person, die neben mir in der Bahn saß und die ich nicht kenne, die kann ich natürlich auch nicht warnen. Deswegen hilft's natürlich, wenn viele bei der App mitmachen, denn dann kann die das übernehmen. 

Zwei Leute tippen auf ihren Smartphones (Foto: pixabay.com/terimakasih0)
Je mehr Leute die App nutzen, desto mehr bringt sie

Man muss bei der App jetzt manuell eingeben, dass man positiv getestet wurde. Wie wird sichergestellt, dass da keiner lügt und einen Witz draus macht?

Das soll natürlich ausgeschlossen werden. Deswegen kann man die anderen nur warnen, wenn man einen QR-Code bekommt oder einen Schlüssel, den ich dann in die App eingeben kann. Da gibt es zwei Varianten: Entweder ist das Labor, in dem ich den Corona-Test gemacht habe, schon an einen Server angeschlossen. Da kann ich per App einen QR-Code zugeschickt bekommen. Das wird aber zum Start jetzt noch nicht bei allen Laboren der Fall sein. Vielleicht will das ja auch nicht jeder. Stattdessen kann man eine Hotline anrufen. Da gibt es extra eine. Da werden dann einige Fragen gestellt, ob das wirklich ich war, die den Test gemacht hat. Und dann wird ein Code durchgegeben, der in die App eingegeben werden kann. 

Wieso hat sich das mit der Entwicklung der App so lange hingezogen?

Bei der Entwicklung wurden erst ganz andere Ansätze verfolgt, ganz zu Anfang wollte der Gesundheitsminister eine Tracking-App haben. Das hätte mit GPS-Daten funktioniert. Da gab es aber große Diskussionen, denn vielen war das viel zu viel staatliche Überwachung. Dann nächster Ansatz: Da sollten die Daten zentral gespeichert werden. Auch da wieder: Datenschutzbedenken. In die Richtung wurde aber schon entwickelt und so war viel Zeit verloren. Dann ist die Regierung nochmal umgeschwenkt, weil sie gesagt haben: Es sollen ja freiwillig möglichst viele diese App nutzen, also sollen alle Bedenken ausgeräumt werden. Die Daten werden jetzt nicht mehr zentral gespeichert. Das ist aber erst vor knapp sieben Wochen entschieden wurden. Und jetzt haben SAP und Telekom diese App an den Start gebracht, was dann sehr schnell war. 

Corona-Apps in anderen Ländern

Eine Frau tippt auf einem Smartphone (Foto: pixabay.com)
In anderen Ländern gibt es schon länger Apps

In Südkorea

Wer in Südkorea im Verdacht steht, sich infiziert zu haben, der muss sich eine App runterladen und dort bestimmte Daten eintragen. Außerdem darf der Staat Kreditkarten und GPS-Daten für Bewegungsprofile heranziehen. Jeder, der sich die App heruntergeladen hat, sieht außerdem, wenn sich eine infizierte Person in der Nähe aufhält. Allerdings: Theoretisch nur an einer Nummer, praktisch hat es schon vereinzelte Sicherheitslücken gegeben. 

In Österreich

Die App ist hier mittlerweile mehr als 650.000 Mal heruntergeladen worden. Für Österreich ein ganz guter Schnitt, sagt UNSERDING-Reporter Srdjan. Das Rote Kreuz dort sagt aber, dass mehr Downloads natürlich besser wären. Siebenstellig sollte es schon werden. Es sei vor allem wichtig, dass Menschen, die viele soziale Kontakte haben, die App nutzen. Anfangs gab es wegen der App viel Skepsis, eine politische Diskussion, ob die App verpflichtend sein soll zum Beispiel. Das ist aber lange vom Tisch, die App ist freiwillig. Und auch Experten sagen, dass sie ordentlich gemacht ist, was den Datenschutz angeht. 

In Frankreich

Nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung haben sich hier die App heruntergeladen. Das kann damit zusammenhängen, dass die Coronazahlen beim Start der App schon stark gefallen waren, andererseits wollte Frankreich unbedingt eigene Wege gehen und auf keine Fall mit Apple zusammenarbeiten. Der Zugang zur Apple-Bluetooth-Schnittstelle fehlt deswegen, auf dem iPhone funktioniert die App nur, wenn es eingeschaltet und die App aktiv ist, sonst nicht.

In Italien

Das Interesse an der App ist bisher nicht so groß. Nur etwa 2,5 Millionen Menschen (von über 60 Millionen Einwohnern in Italien) haben die kostenlose App. Damit sie wirklich sinnvoll ist, bräuchten mindestens 60 Prozent der Italienerinnen und Italiener sie. Die Italiener sind wohl skeptisch, ob die App wirklich sicher ist.

Deutsche App im Ausland - geht das?

Wenn wir jetzt von Deutschland ins Ausland fahren, auch nur nach Frankreich oder Luxemburg rüber, bringt unsere App uns leider nicht mehr so viel. Denn weil jedes Land (wenn überhaupt) eine eigen App hat, und diese bisher nicht miteinander kompatibel sind, kann meine App mich nicht warnen, wenn jemand mit der französischen App einträgt, dass er Corona hat. Dass das gerade in Grenzregionen wie dem Saarland nicht besonders praktisch ist, wissen auch die Politiker und versuchen, die Apps zu verknüpfen. Aber das kann dauern. In Luxemburg gibt es sowieso noch keine App.


Gute Noten aus der IT

Die Corona-Warn-App bekommt von Datenschützern und IT-Sicherheitsexperten gute Noten. Denn sie ist datensparsam und vor allem datenschutzfreundlich. Die Kontaktdaten der Nutzer werden nicht auf einen zentralen Server geladen, sondern durch die Funkverbindung Bluetooth wird lediglich eine Identifikationsnummer ausgetauscht. Dadurch, dass keine GPS-Nutzung angewendet wird, sondern Bluetooth, kann auch kein Bewegungsprofil erstellt werden.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 16. Juni 2020 berichtet.