Eine Frau von hinten fotografiert (Foto: pixabay.com)
Angst auf dem Heimweg: Tipps für Frauen und Männer

Viele Frauen dürften das Szenario kennen: Nachts allein in der Stadt unterwegs – begleitet von einem ständigen Gefühl der Unruhe. Oft fühlt man sich draußen allein nicht sicher, auch im eigenen Heimatort. Hier findet ihr Infos zum Thema und Tipps für Männer und Frauen.

Das Heimwegtelefon hilft

Eine Frau tippt eine Nummer in ihr Handy ein (Foto: unsplash.com)
Das Heimwegtelefon erreicht ihr täglich ab 18 Uhr

Alle, die nachts unterwegs sind und sich unsicher fühlen, können beim Heimwegtelefon (erreichbar unter 030 120 74 182) anrufen. Conny arbeitet dort und sagt: "Ruft lieber einmal zu viel als einmal zu wenig an!" Sie erklärt auch, wie ein Telefonat dort abläuft:

  1. Der Mitarbeiter, der rangeht, stellt sich vor.
  2. Ihr beschreibt kurz, dass ihr euch gerade nicht wohl fühlt.
  3. Dann werden datenschutzrechtliche Fragen geklärt: Seid ihr über 16 Jahre alt und ist es okay, dass eure Nummer für die Dauer des Telefonats gespeichert wird? Unter Umständen kann die so an Notdienste weitergegeben werden.
  4. Ihr erklärt, wo ihr euch befindet und wo ihr hinwollt.
  5. Die Mitarbeiter geben das in ein Navi ein und bekommen die Route vorgeschlagen, die ihr vermutlich entlanglauft.
  6. Immer, wenn ihr die Straße wechselt, gebt ihr das kurz durch.
  7. Ansonsten quatscht ihr über Gott und die Welt

In akuten Notsituationen können die Mitarbeiter vom Heimwegtelefon auch die Polizei oder den Notdienst informieren. Außderm können sie euch an Stellen lotsen, die beispielsweise videoüberwacht sind. Dort seid ihr im Zweifel sicherer.

Videoüberwachung (Foto: SR)
Videoüberwachung in Saarbrücken
Seit August 2020 gibt es in Saarbrücken zwei Orte mit Videoüberwachung: Am Eurobahnhof und an der Johanneskirchen sind jetzt Kameras in Betrieb. Denn sie gelten als Brennpunkte.

Apps können euch ebenfalls begleiten

Es gibt zum Beispiel Apps, die nachverfolgen, wo man sich gerade befindet. So soll schneller Hilfe kommen können, wenn es nötig ist. Die Apps WayGuard und KommGutHeim sind solche Apps, die euch begleiten können auf dem Heimweg.

Mittlerweile haben aber auch viele Smartphones selbst Ortungsdienste, die ihr ganz einfach unter euren Einstellungen anschalten könnt. Auf der Internetseite des Herstellers kann euer Handy dann getrackt werden. So können Familie und Freunde sehen wo ihr seid.

Tipps vom Profi: Nachhauseweg sicherer machen

Ingo coacht Selbstverteidigung und hat auch ein paar einfache Regeln, wie ihr euch auf dem Heimweg sicherer fühlt:

Der kürzeste Heimweg ist nicht immer der sicherste Weg . Es gibt die 3-L-Regel: Der beste Weg ist mit viel Lärm, vielen Leuten und viel Licht

Außerdem ist es immer sinnvoll vorausschauend zu sein, sich also vorher schon Gedanken zu machen wie man nach Hause kommt. Beispielsweise auch den Schlüssel schon in der Hand zu haben, wenn man zum Auto geht, um nicht lange danach in der Tasche suchen zu müssen.

Ihr solltet allgemein eurem Gefühl vertrauen und für euch einstehen, rät Ingo. Also auch dazu bereit sein, laut zu werden, wenn euch jemand zu nah kommt und euch zu wehren. Oder auch lieber einmal zu viel die 110 anzurufen, als einmal zu wenig.

Weitere Tipps für Frauen

Auch Antonia vom Frauennotruf Saar hat Tipps für Frauen, um sich langfristig mit mehr Sicherheitsgefühl durch die Straßen zu bewegen:

  • Selbstverteidigung lernen. Es gibt spezielle Trainings, in denen es darum geht, Selbstbewusstsein auszustrahlen. „Zum Beispiel nicht auszuweichen, wenn ein Mann auf sie zukommt, sondern auch mal in der Position zu bleiben!“ „WenDo“ heißen diese Trainings.
  • Umschauen. Ist jemand in der Nähe, der im Zweifel helfen kann? Vielleicht auch schon Kontakt zu der Person aufbauen, das Gespräch suchen.
  • Zusammen bleiben. Wenn man beispielsweise mit der Bahn fährt kann man darauf achten, nicht allein auszusteigen. „Im Zweifel eine Station weiterfahren und an der nächsten in Gesellschaft aussteigen.“

Sicher fühlen beim Feiern

„Luisa ist hier!“ ist ein Projekt, bei dem Club- und Kneipenpersonal besonders geschult wird. Frauen sollen sich in Notsituationen mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an sie wenden können und so signalisieren, dass sie Hilfe brauchen. Der Frauennotruf ist an der Schulung der Mitarbeiter beteiligt.

Ist Luisa da? (Foto: Frauen-Notruf Münster e.V.)
Codewort: Ist Luisa da?
Hier gibts mehr Infos zum Codewort "Ist Luisa da?"

Tipps für Männer

Können auch Männer etwas dafür tun, dass Frauen sich sicherer fühlen? Ja, sagt Antonia. Zum Beispiel:

  • Sensibilität aufbauen. Auf dem Schirm haben, dass Frauen sich im Dunkeln vielleicht unwohl fühlen, wenn sie draußen unterwegs sind. Und selbst darauf achten, Abstand zu halten, Grenzen zu wahren und keine sexistischen Sprüche zu machen.
  • Auseinandersetzung. Männer könnten sich über das Thema der sexuellen Gewalt gegen Frauen informieren. „Ich verstehe, dass das schwer sein kann und glaube, es ist schon viel passiert.“ Trotzdem sei es immer möglich, sich Erfahrungen in Internetforen durchzulesen oder mit den Frauen im eigenen Umfeld darüber zu sprechen.

Eine Frau und ein Mann unterhalten sich in einem Café (Foto: unsplash.com)
Männer können nach Erfahrungen fragen

Viele Frauen könnten sicher selbst sagen, was ihnen in einer als unangenehm empfundenen Situation helfen würde. Deswegen würde vor allem nachfragen und Erfahrungen anhören helfen. Denn weil das Thema für Männer nicht so präsent ist, sei es ihnen nicht immer bewusst, so Antonia.


Wie gefährlich ist es nachts allein auf der Straße?

Antonia vom Frauennotruf Saar erklärt, dass die meisten Übergriffe im sozialen Nahbereich geschehen, also von Menschen, die den angegriffenen Frauen bekannt sind, „in welcher Form auch immer“, so Antonia.

Viele Frauen haben diese Vorstellung, dass schlimme Dinge nacht oder abends auf der Straße passieren.

Betrachtet man es aber realistisch, sagt sie, gäbe es dazu keinen so großen Grund. „Es ist uns aber sicherlich auch antrainiert worden.“ Durch Filme, Bücher und Geschichten in den Medien, in denen eben genau das passiert, denn diese Taten sorgen oft für mehr Aufmerksamkeit als häusliche Gewalt. Der Frauennotruf setzt sich deswegen auch dafür ein, Frauen zu zeigen, wie sie mit mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein unterwegs sein können.

Eine Straße in einer Stadt bei Nacht (Foto: pixabay.com)

Frauennotruf Saar

„Häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung bis hin zur Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in der Kindheit – wegen dieser drei großen Themen melden sich Frauen bei uns. Dazu kommen Themen wie Stalking oder Sorgerechtsprobleme.“

Antonia arbeitet beim Frauennotruf Saar (erreichbar unter 0681/36767). Sie erklärt, dass Frauen mit solchen oder auch anderen Problemen sich an die Organisation wenden können. Sie werden telefonisch, persönlich oder per Mail beraten und darin unterstützt, mit der erlebten sexualisierten Gewalt umzugehen.

Meisten werden die Frauen dabei zu Möglichkeiten nach einer Straftat beraten. Der Frauennotruf hilft bei der Entscheidung, ob Anzeige erstattet werden soll. Hilfe gibt es auch bei der Prozessvorbereitung und auch zum Prozess selbst können die Frauen sich begleiten lassen. Und auch die Frage, ob eine Therapie sinnvoll sein könnte, kann besprochen werden.


Artikel aktualisiert am 22.03.2021