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Berliner Promenade in Saarbrücken bei Nacht (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Angst in der City?

Ist Saarbrücken unsicherer geworden? Unsere Reporterin Yvonne Schleinhege hat zusammen mit einem Reporterteam den Test gemacht - sie war eine Nacht lang in Saarbrücken unterwegs. Dort war sie unter anderem mit der Polizei auf Streife, aber auch alleine an dunklen Ecken. Bei ihrem Einsatz hat sie gecheckt, wie sicher sie sich selbst fühlt und wie das Sicherheitsgefühl der Leute auf der Straße ist.

UNSERDING: "Du warst am Wochenende zwölf Stunden in der Stadt unterwegs - von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens – vor allem an Orten wo viele Frauen nachts nicht so gerne entlang gehen. Wie war das?"

Yvonne: "Ja, wir waren unterwegs mit ein paar Leuten - einer Gruppe von drei Mädels - und haben uns angeguck, was eigentlich los ist. Zum Beispiel an der Berliner Promenade, wo vor rund zwei Wochen auch ein 16-jähriger Junge umgekommen ist. Da muss ich sagen, haben wir aber eigentlich nicht so krasse Szenen erlebt.

Da waren zwar ein paar Leute, die einen Joint geraucht haben - und wenn man ein bisschen hingeguckt hat, hätte man vielleicht vermuten können, dass der ein- oder andere auch gedealt hat - aber es war jetzt nicht so, dass wir da eine krasse Szene erlebt haben. Ich stand da auch mal so rund 20 Minuten alleine rum und habe so getan, als würde ich auf irgendjemanden warten. Aber ich habe jetzt nichts erlebt, außer, dass einer mal versucht hat, mich anzumachen.

Das gleiche gilt für die Johanneskirche. Da war - als wir kamen, so um 20.00 Uhr - ein Krankenwagen, der sich um Leute gekümmert hat, die da eben auch sitzen. Aber auch nachts muss man sagen, so um 1.00 oder 2.00 Uhr war nichts los. Ich hatte nie so das Gefühl, dass jetzt was passiert, das mir Angst machen sollte."

Das SR-Reporterteam bei Nacht in Saarbrücken (Foto: Katrin Aue)
Multimediale Webdoku
Eine Nacht in Saarbrücken - Wie sicher ist die Stadt?
4. Mai 2018, 18 Uhr bis zum nächsten Morgen um 6.00 Uhr: Ein Reporterteam des Saarländischen Rundfunks sucht in der Saarbrücker Innenstadt Antworten auf die Frage, wie sicher sich Passanten, Geschäftsleute, Angestellte und Nachtschwärmer in der Stadt fühlen. Hauptbahnhof, Berliner Promenade, Johanneskirche, Kaiserviertel - ein Streifzug durch die Nacht.

UNSERDING: "Würdest du denn sagen, alles cool in der Stadt? Machen wir uns umsonst Sorgen, dass es in der Stadt nicht mehr so sicher ist? Oder ist in der Nacht irgendwas passiert?"

Yvonne: "Also es gab tatsächlich einen Vorfall, der mich persönlich ein bisschen überrascht hat – und zwar eine relativ große Massenschlägerei, vor dem Club Seven beziehungsweise dem Havanna im Kaiserviertel in der Futterstraße. Das waren schon krasse Szenen, die sich da abgespielt haben. Wir haben es auch nachher auf dem Handyvideo sehen können, wie der eine dem anderen eine Bierflasche über den Kopf schlägt. Da war auch relativ viel Blut dabei. Aber das war nicht so, als hätte mich das als Partygänger jetzt wahnsinnig beschäftigt, denn ich muss da ja nicht dabei sein.

Und es war auch nicht so, als hätte es die Leute, die es betroffen hat, also die Türsteher oder die Polizei, besonders überrascht. Das kommt eben vor. Und es kommt vor allem dann vor, wenn die Party zu Ende ist, man den Club verlässt und die Leute betrunken sind. Dann entsteht Aggressivität, das gab es aber irgendwie auch schon immer."

UNSERDING: Ihr wart auch mit der Polizei unterwegs – was habt ihr da erlebt?

Yvonne: Wir waren relativ lange – zwei bis drei Stunden – mit der Polizei unterwegs, sind mit denen Streife durch die Stadt gefahren und haben uns erklären lassen: Was ist wo los? Da war aber tatsächlich erstmal tote Hose, bis zur Schlägerei um kurz nach fünf. Es gab einen Handtaschendiebstahl und es wurde jemand festgenommen, der zu betrunken war und ein bisschen am Polizeiauto randaliert hat.

Man hatte so das Gefühl, die Polizei ist auf viel vorbereitet und es sind immer super viele Einsatzwagen vor Ort, wenn irgendwas passiert, also dass man da echt guckt, dass viele Leute da sind. Aber es war jetzt nicht so, dass ich da krasse Szenen erlebt habe. Natürlich war es für mich irgendwie ungewöhnlich, mit dem Polizeiauto durch die Stadt über die Saarbahn-Schienen zu rasen, aber man hatte das Gefühl, die Jungs wissen echt genau, was sie da tun.

Talk mit Reporterin Yvonne Schleinhege
Talk mit Reporterin Yvonne Schleinhege

UNSERDING: Und was ist dein Fazit nach einer kompletten Nacht unterwegs in Saarbrücken? Wie sicher ist die Stadt?

Yvonne: Ich würde weiterhin in Saarbrücken ausgehen, es gibt aber auch Ecken, von denen ich sage: alleine muss ich das nicht haben. So wie zum Beispiel abends alleine an der Johanneskirche. Aber ich hatte das Gefühl, man kann echt mal ein bisschen durchatmen und die Diskussion um die Sicherheit mal ein bisschen ruhen lassen.

Das haben wir auch von vielen gehört, die gesagt haben: "Es kann einfach auch sein, dass man viel in den Medien hört und sich irgendwie mehr Angst macht, als man haben sollte."


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morning-Show mit Thurie und Jonas berichtet.