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Imker Micha mit einem Bienenkasten und einer leeren Honigwaabe. (Foto: UNSERDING)
Rettet die Bienen!

Wenn wir so weitermachen, wie bisher, dann hätten wir in 15 bis 20 Jahren keine bestäubenden Insekten mehr. Das hat uns Micha im Interview erzählt. Er ist seit kurzem hauptberuflich Imker und hat mit uns darüber geredet, wie eine Welt ohne Bienen aussehen würde und was wir für Biene und Co. tun können.

UNSERDING: Warum sind Bienen wichtig für uns?

Micha: Bienen sind vor allem wegen der Bestäubung wichtig für uns. Sie sind die Art von Insekten, die für die Früchte sorgen. Nicht nur Früchte im Sinne von Äpfeln, sondern auch Gemüsesorten. Fast all unsere Lebensmittel sind auf bestäubende Insekten angewiesen und da ist die Honigbiene mit dabei.  

UNSERDING: Wie würde eine Welt ohne Bienen aussehen?

Micha: Das ist eine Welt, die ich mir eigentlich gar nicht vorstellen möchte. Es gibt da ja die ein oder andere Dystopie, aber im Endeffekt kann man sagen, es gibt nur noch wenige Lebensmittel, also nur noch einen Bruchteil dessen, was es im Moment gibt. Und das betrifft die Art, die Menge und auch die Qualität. Ohne bestäubende Insekten wird es ganz dramatisch. Es ist keine schöne Welt, eine in der es keine Blumen gibt.

Übrigens gibt es eine Region in China, in der es genau so ist. Da krabbeln dann Menschen mit Puscheln auf Bäume und bestäuben sie. Das ist natürlich überhaupt nicht effektiv und am Ende schaffen sie es nur, sich mit dem Ertrag mehr oder weniger selbst zu versorgen.

UNSERDING: Droht uns auch eine Zukunft, in der wir unsere Pflanzen und Bäume selbst bestäuben müssen?

Micha: Das wird nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren passieren, aber die Tendenz ist tatsächlich so, dass wir immer mehr bestäubende Insekten verlieren. Von der Biomasse her, haben wir in den letzten 30 Jahren dreiviertel verloren. Das ist schon exorbitant. Wenn man sich überlegt, dass es so weitergehen würde, dann hätten wir tatsächlich in 15 bis 20 Jahren keine mehr. Aber es wird ja Gott sei Dank ein bisschen dagegen gesteuert.

UNSERDING: Was ist der Grund für das Bienensterben?

Micha: Es gibt viele Gründe. Aber: Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz, Landschaftsgestaltung (weniger Blühstreifen, mehr Asphalt), Pestizidrückstände und Lichtverschmutzung. Kommt dann noch ein ungünstiges Klima dazu, dann gibt es auch weniger Insekten.

UNSERDING: Stimmt es, dass das Bienensterben nur die Wildbienen betrifft?

Micha: Das kann man so sagen. Das ist richtig. Das liegt aber daran, dass die Honigbienen einen Imker haben, der sich um sie kümmert. Das ist Fluch und Segen zugleich, da die Biene durch die Varoa-Milbe nicht mehr überlebensfähig wäre.

UNSERDING: Ist die Honigbiene auch bedroht?

Micha: Absolut. Die Honigbiene hat auch mit den ganzen Faktoren zu kämpfen. Der Imker kann halt einige Dinge ausgleichen. Aber es gibt dann klimamäßig auch Jahre, in denen der Imker nicht mehr helfen kann.

UNSERDING: Wie wird denn gegengesteuert, gegen das Insektensterben?

Micha: Das sind ganz viele Sachen, es wäre schwer, da jetzt alles aufzuzählen. Für mich ist aber das schönste, dass Dinge im Kleinen passieren. Dass Menschen zum Beispiel einfach mal den Rasen stehen lassen oder sogar eine Blühwiese anlegen. Das erhöht das Nahrungsangebot und hilft Bienen und anderen Insekten. Oder auch dass Leute sich beim Einkaufen auch vermehrt für Bio-Produkte oder Demeter-Produkte entscheiden, bei denen auf Pestizideinsatz verzichtet wird. Oder auch, dass jetzt oft regionaler eingekauft wird. Das alles hilft.

UNSERDING: Und was können wir selbst tun?

Micha: Na den Balkon oder den Garten mit Blumen bepflanzen, die Insekten nützen. Das kann man machen. Oder auch beim Einkaufen eine insektenfreundliche Wahl treffen. Auch wichtig: keinen Steingarten anlegen, das ist sehr schlecht für die Insekten. Stattdessen am besten eine Blühwiese, die macht übrigens auch keine Arbeit, denn gemäht werden muss da nichts.

UNSERDING: Bienen zu töten ist keine Lösung, aber wie sollte ich mich verhalten, wenn eine Biene in der Nähe ist?

Micha: Grundsätzlich ist das äußerst ungewöhnlich, wenn eine Biene um dich herumfliegt. Denn eigentlich interessieren sich Bienen nur für Nektar und Blüten. Meistens sind es Wespen, die um uns rumschwirren, weil die es auf Süßes oder auch Fleisch abgesehen haben. Viele Menschen verwechseln die zwei Arten.

UNSERDING: Und was ist der Unterschied?

Micha: Wespen sind hellgelb, ein bisschen schlanker und haben keine kleinen Härchen auf dem Körper. Bienen sind ein bisschen kleiner und dicklicher und das Gelb ist auch nicht so stark leuchtend, wie das der Wespen.

UNSERDING: Der seltene Fall tritt ein und eine Biene ist in meiner direkten Umgebung, wie reagiere ich?

Micha: Am besten gar nichts tun, still stehenbleiben. Im schlimmsten Fall – wenn sie in der Nähe des Gesichts ist – die Augen zu machen und das ganze vorübergehen lassen. Ist nach ein paar Sekunden vorbei. Was man nicht machen sollte, ist sie anzupusten. Bienen reagieren auf CO2 und das haben wir in der Atemluft in höherer Konzentration.

Über dieses Thema wird auch in der UNSERDING-Sendung "UNSERDING mit Stepahnie" berichtet.