Ford Mitarbeiter auf einer Kundgebung. Bei einem zukunftsweisenden Investitionspaket in die Elektromobilität hat sich der US-Autobauer Ford gegen sein Werk in Saarlouis entschieden. (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)
Mitarbeiter zur Ford-Entscheidung

Die Mitarbeiter von Ford Saarlouis sind nach der Entscheidung des Ford-Management gegen ihr Werk enttäuscht und traurig – aber auch wütend und frustriert. Sie haben viele Zugeständnisse für den Erhalt gemacht und stehen, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, vor dem Nichts. UNSERDING hat mit zwei Mitarbeitern über die Situation gesprochen.

„Wir wurden halt auf Deutsch gesagt verarscht und hingehalten. Ich finde es nicht okay, für das, was wir hier leisten.“

Das sagte einer der Ford-Mitarbeiter bei einer Umfrage vor Ort, nachdem die Entscheidung verkündet wurde, dass Ford künftig in Valencia E-Autos bauen wird.

"Ford ist eine große Familie"

Und er ist nicht alleine – die Mitarbeiter sind schockiert, frustriert aber auch traurig. Kai aus Püttlingen ist einer davon: „Die Entscheidung trifft einen schon bis ins Mark. Man muss sich vorstellen, ich arbeite seit 15 Jahren in dem Betrieb und ich habe nie einen anderen Betrieb von innen gesehen. Das ist hier alles wie eine große Familie.“ Daher hat er die Mittwochnacht auch kaum geschlafen. „Es ist schwierig abzuschalten, wenn man tausend Gedanken im Kopf hat.“

Der erste Schock wäre nun am Morgen danach verdaut, sagt Kai. Und zumindest bei ihm steht fest: Er will kämpfen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Auch Marco arbeitet bei Ford, wohnt nur drei Minuten Fahrzeit vom Werk entfernt. Er fühlt sich eigentlich noch so wie am Mittwoch. „Es war ein Schlag ins Gesicht für uns alle. Man hat zwar drüber geschlafen, aber die Gefühlslage ist immer noch dieselbe. Weil man halt einfach noch nicht weiß, wie es weitergeht.“

Die Ford-Mitarbeiter Kai (links) und Marco (rechts) (Foto: privat)
Die Ford-Mitarbeiter Kai aus Püttlingen (links) und Marco aus Saarlouis

Beschäftigte stehen vor dem Nichts

Und genau damit haben gerade alle Ford-Beschäftigten zu kämpfen: Sie wissen nichts – haben keine spruchreifen Alternativpläne. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) kündigte Gespräche an und betonte „der Standort hat eine Zukunft – mit oder ohne Ford“. Konkrete Umsetzungsideen gibt es jedoch nicht.

Auch das Ford-Management hat keinen Plan B für das Werk präsentiert. Es gab zwar einen Brief an die Angestellten, in denen ein paar mögliche Zukunftsideen angesprochen wurden – wie zum Beispiel die Fertigung von Teilen für andere Ford-Werke oder auch unternehmerische Tätigkeiten zusammen mit anderen Autobauern – aber auch hier ist nichts konkret. „Wir stehen im Moment quasi mit gar nix da und müssen abwarten, wie es weitergeht“, sagt Marco.

Optimismus und Kampfbereitschaft

Trotzdem zeigen sich viele Ford-Beschäftige optimistisch – auch Kai aus Püttlingen. „Ich denke es geht weiter und ich denke, dass Politik, Gewerkschaft und Betriebsrat eine Lösung finden werden.“ Wie auch immer die aussehen werde, in irgendeiner Form werde es weitergehen.

Marco sieht das ähnlich: „Ich glaube nicht, dass es eine komplette Schließung geben wird. Es gab ja viel Sachen, die angesprochen wurden. Ich denke, dass auf jeden Fall was passieren wird.“ Was genau das sein werde, das könne er sich aber beim besten Willen nicht ausmalen.

Alternativen suchen

Was Kai allerdings sicher weiß – er bleibt bei Ford in Saarlouis: „Ich werde jede Minute und jeden Cent mitnehmen. Ich werde das Ford so nicht durchgehen lassen und bis zur letzten Minute bleiben.“ Und außerdem werden sie weiter kämpfen für ihre Werk im Saarland. „Wenn Demos folgen, werden wir versuchen, uns mit vielen Leuten daran zu beteiligen.“

Die Zeichen stehen für viele Mitarbeiter also für Weitermachen, den Standort irgendwie erhalten und eine Alternative suchen.

Landtag des Saarlandes (Foto: dpa)
Ford-Sondersitzung im Landtag
Der Landtag ist Nachmittag zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über die Folgen der Ford-Entscheidung zu debattieren. Im Rahmen der Sitzung kündigte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in einer Regierungserklärung einen Zukunftspakt für den Standort Saarlouis an.


Thema in allen UNSERDING-Sendungen am 23.06.2022.