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In einem Kalender steht "Frei" am Freitag (Foto: UNSERDING)
4-Tage-Woche: Vor- und Nachteile

4 Tage arbeiten, 3 Tage Wochenende! Klingt ja traumhaft. Und ist in manchen Unternehmen auch schon Realität. Manches daran funktioniert sehr gut – anderes wird komplizierter.

In einem Software-Unternehmen in Jena wird zwei Mal im Monat die 4-Tage-Woche getestet. Statt an 5 Tagen die Woche je 8 Stunden wird an nur 4 Tagen je 8 Stunden gearbeitet. Jeden zweiten Freitag im Monat bleibt die Firma zu. Dr. Christine Johannes von der Universität Erfurt hat mit einem Team das Unternehmen begleitet und zur 4-Tage-Woche geforscht. Sie sagt: Insgesamt ist das Modell eine gute Idee.

Menschen arbeiten zusammen im Büro (Foto: pixabay.com)

„Für die Mitarbeiter ist es toll, einfach einen Tag mehr für sich zu haben. Das Unternehmen zahlt aber natürlich einen Preis dafür.“

Das sagt Christine über die Ergebnisse ihrer Forschung zur 4-Tage-Woche. Denn die birgt viele Vorteile, allerdings auch einige Schwierigkeiten.

Das läuft gut

Die Mitarbeiter der Firma hätten durch die beiden freien Freitage im Monat Zeit für sich. „Behördengänge, zum Arzt gehen, Sport machen – sie hatten alle viele Pläne, was sie mit der freien Zeit anstellen wollen“, erzählt Christine. Außerdem seien die durch den zusätzlichen freien Tag an den anderen Tagen motivierter bei der Arbeit. Dadurch, dass sie den freien Tag verplanen konnten und wussten, dass sie dann nicht arbeiten müssen, konnten sie an den anderen Tagen „etwas mehr ranklotzen“.

„Das liegt vor allem daran, dass sie sich gut erholen können!“ Christine erklärt, dass sie das in der Forschung erfasst hat. Dafür gab es auch eine große Stichprobe aus ähnlichen Unternehmen, die kein 4-Tage-Modell haben. Und heraus kam: Die Mitarbeiter mit 4-Tage-Woche können nach Feierabend besonders gut abschalten. Insgesamt ist das auch gut für die Gesundheit. Sie profitieren also deutlich davon.

Jemand liegt in einer Hängematte (Foto: pixabay.com/haengematteORG)

Überstunden fielen in dem Unternehmen in Jena übrigens auch keine an.

„Niemand musste plötzlich 10 statt 8 Stunden am Tag arbeiten, um den freien Tag auszugleichen.“

Was wird schwieriger?

Die Arbeitszeit wird zwar pro Tag nicht länger, dafür sind die Mitarbeiter aber weniger flexibel darin, wie sie sie einteilen. In der Studie der Uni Erfurt sollten die Mitarbeiter ein „Arbeitstagebuch“ führen, in dem sie nach einer Vier- und einer Fünf-Tage-Woche Bilanz zogen: Wie lief der Arbeitstag, war er besonders stressig?

„In der Vier-Tage-Woche kam raus, dass sich der zeitliche Spielraum verdichtet hat.  So haben wir gemerkt: Wenn man mehr Freizeit geschenkt bekommt, wird die Arbeit ja nicht weniger. Von daher wurde das alles ein bisschen dichter“,

fasst Christine zusammen. „Das fand aber niemand schlimm. Viele Forschungen gehen eh davon aus, dass wir nicht 8 Stunden am Tag produktiv sein können. Es wird sogar oft empfohlen, jede Stunde etwas Pause zu machen. Dafür ist bei vier Tagen Arbeit die Woche weniger Zeit da. Aber es schien sich niemand davon belastet zu fühlen.“

Es könnte dadurch aber zu mehr Stress kommen – und auch zu weniger sozialen Interaktionen, wie einem Gespräch unter Kollegen in der Kaffeeküche.

Jemand arbeitet an einem Tablet (Foto: pixabay.com)

Problematisch kann es auch sein, wenn man mit Kunden zusammenarbeitet. Besonders, wenn die an 5 Tagen der Woche arbeiten gehen. Dann werden Terminfindung und Erreichbarkeit zum Thema.

Außerdem fand Christine heraus, dass es Menschen in Führungspositionen oder Selbstständigen besonders schwer fällt, wirklich Feierabend zu machen und abzuschalten. Selbst wenn sie offiziell nur an 4 Tagen der Wochen arbeiten, kann es passieren, dass sie praktisch trotzdem 5 volle Tage machen. „Es kommt also auch viel auf einen selbst an.“


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 14. Oktober 2020 berichtet.