Cannabisplanzen stehen im Blühraum einer Produktionsanlage von Aphira für medizinisches Cannabis.  (Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius)
Pros und Cons zur Legalisierung

Am Mittwoch hat sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach überraschend für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Seitdem diskutiert ganz Deutschland – und auch das Saarland – über dieses Thema. Aber was sind die Pros und Contras? Und was sagen saarländische Politiker und Verbände dazu?

Jahrelang hat Lauterbach die Cannabis-Legalisierung abgelehnt, jetzt käme er als Arzt zu einem anderen Schluss, weil illegal verkauftem Cannabis immer häufiger neuartiges Heroin beigemischt werde. "Damit werden die Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben." Dieses Phänomen sei neu und verändere die Lage – mit einer Legalisierung könne man dem einen Riegel vorschieben.

Zudem sprach sich Lauterbach dafür aus, einen entsprechenden Passus mit in den möglichen Koalitionsvertrag aufzunehmen – sollte es zu einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP kommen.  Das Bundesgesundheitsministerium hält es für richtig, dass es nun eine "gesamtheitliche Debatte" gibt, hält Cannabis aber weiterhin für eine gefährliche Substanz.

Modellversuche als Grundlage?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, äußerte Bedenken gegen eine Legalisierung. "Am Beispiel der Niederlande sieht man, dass die Legalisierung von weichen Drogen auch zu einer drastischen Ausweitung der harten Drogenszene geführt hat.“ Er plädierte allenfalls für Modellversuche. Diese könnten dazu beitragen, "eine bessere Entscheidungsgrundlage zu bekommen", sagte er.

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte sogar vor einer Legalisierung. "Aus medizinischer Sicht ist die Freigabe von Cannabis deutlich abzulehnen." Er sah Überlegungen zur Legalisierung politisch motiviert.

LPH will Bevölkerung beteiligen

Auch Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf, hat Bedenken: "Die Schwelle wird natürlich niedriger, wenn man das legalisiert." Ihrer Erfahrung nach gebe es durchaus Jugendliche, die Cannabis ohne Schaden konsumierten, manche aber könnten schon nach kurzer Zeit des Konsums "psychotische Reaktionen" entwickeln. "Es gibt keine Möglichkeiten, vorherzusagen, welche jungen Menschen von dem Cannabiskonsum dann in eine Psychose abgleiten und welche das eben gut vertragen", stellte Möhler klar.

Harald Frey vom Landesinstitut für präventives Handeln (LPH) im Saarland will die Bevölkerung beteiligen: "Die Gesellschaft muss entscheiden, ob sie noch eine weitere legalisierte Droge braucht." Aber der Jugendschutz müsse in den Vordergrund gestellt werden. Legalisierung bedeute nur, dass der Handel nicht mehr strafbar sei. Weniger Gefahren für das Denkvermögen und die kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen gebe es dadurch nicht, sagt Frey. Die Folgen könnten weiterhin sehr gravierend sein.

Stimmen aus der Politik

Und was sagen die Parteispitzen von SPD, Grünen und FDP? Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Christian Lindner haben jeweils diesen Satz: "Cannabis zu legalsieren, würde dazu führen, dass…" vervollständigt.

...viele etwas besser mit der heutigen Lage zurechtkommen. Jetzt geht es darum, Versuche zu unternehmen für kontrollierte Möglichkeiten, das zu nutzen. Und ich glaube, dass da mehr Bewegung möglich ist. (Olaf Scholz)
...wir Polizistinnen und Justiz entlasten mit Verfahren, die am Ende alle wieder eingestellt werden und ist deswegen sehr, sehr sinnvoll. (Annalena Baerbock)
...viel Beschaffungskriminalität und Schwarzmarkthandel unterbunden würden. (Christian Lindner)

Studie: Cannabiskonsum steigt

Der Cannabiskonsum bei jungen Erwachsenen ist zuletzt weiter gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des in der vergangenen Woche vorgelegten Jahresberichts der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig.

Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg demnach der Anteil derjenigen, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 Prozent auf 24,1 Prozent.

Ein Artikel vom 14. Oktober 2021