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Ein Krankenwagen fährt eine Straße entlang (Foto: pixabay.com/Golda)
Gewalt gegen Rettungskräfte: "Anzeige lohnt immer"

Immer wieder hört oder liest man Geschichten darüber, dass Rettungskräfte angegriffen werden. Egal ob Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter – die Helfer werden beleidigt, angepöbelt und teilweise sogar angegriffen. UNSERDING hat mit Rettungssanitäterin Susanne über das Thema gesprochen. Sie sagt: "Verbale Gewalt kommt häufig vor." Und Rechtsanwalt Christoph Clanget meint: „Eine Anzeige lohnt sich immer.“

„Das sind Menschen, die anderen helfen. Warum dann ausgerechnet sie angegriffen werden, das ist doch komplett unverständlich."

Christoph ist Anwalt und beschäftigt sich mit genau solchen Fällen, in denen Rettungssanitäter, Feuerwehrleute oder Polizistinnen angegriffen und so bei ihrer Arbeit behindert werden. Es sei klar zu sehen, dass diese Fälle zunehmen, auf jeden Fall werden sie vermehrt angezeigt. Das liegt auch an einer Gesetzesänderung von 2017. Die macht einerseits das Vorgehen in solchen Fällen leichter, andererseits können seitdem auch härtere Strafen verhängt werden. Bestraft werden schon niederschwellige Delikte:

„Das geht zum Beispiel los, wenn jemand eine Rettungsgasse nicht bildet. Denn das behindert ja schon die Arbeit von Rettungskräften. Und das geht weiter mit dem Fotografieren von Unfallopfern, Beleidigungen, Angriffen auf Menschen oder auch auf die Rettungsfahrzeuge. Wir hatten auch schon Fälle, bei denen die Autos in Brand gesteckt wurden.“
Eine Auto, das in einen Unfall verwickelt war, liegt auf dem Dach (Foto: pixabay.com/Alexas_Fotos)
Bei Unfällen müssen die Rettungskräfte schnell an den Unfallort kommen

Die Strafen für solche Delikte beginnen bei Bußgeldern, gehen dann über Fahrverbote bis hin zu Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.

"Bei Schimpfwörtern werden die Leute kreativ"

Rettungssanitäterin Susanne aus Hülzweiler hat zwar in neun Jahren im Job noch keine körperliche Gewalt erlebt. Aber Beleidigungen begegnen ihr im Alltag oft. "Das ist breit gefächert, was die Leute zu uns sagen. Der Kreativität wird freier Lauf gelassen."

Susanne beobachtet auch, dass die Beleidigungen mehr werden und glaubt, dass die Hemmschwelle sinkt. In der Ausbildung hat sie einige Grundlagen der Selbstverteidiung kennengelernt, sie fühlt sich damit sicher im Job. "Ich fahre ganz gut damit, die Situationen vorsichtig zu beurteilen und zu versuchen, richtig auf die Menschen zu reagieren. Außerdem sind wir nie allein unterwegs, immer zu zweit."

Anzeigen lohnen sich immer

Anwalt Christoph sagt, dass viele Menschen, die im Bereich der Rettungshelfer arbeiten, sich „ein dickes Fell zulegen. Das ist dort die Mentalität.“ Er kann das verstehen, wünscht sich aber, dass sich die Helfer eher wehren. „Eine Anzeige lohnt sich immer, wenn man sich angegriffen fühlt. Die Chancen, Recht zu bekommen, sind nicht schlecht.“

Das käme natürlich auf den Einzelfall an. Aber solche Fälle werden sehr ernst genommen, sagt Christoph. „Besonders Übergriffe auf Polizeibeamte. Da gibt es eine Nulltoleranzgrenze. Die Fälle werden also auch konsequent verfolgt.“

Eine Strafanzeige kann man im Saarland sogar online stellen, also ist das recht einfach. Das ist ein wichtiger Schritt, in den meisten Fällen muss das Opfer der Beleidigung oder des Angriffs ihn übernehmen.

Eine Frau arbeitet am Laptop (Foto: pixabay.com/janeb13)
Im Saarland können Strafanzeigen online gestellt werden

Sanitäterin Susanne weiß, dass es nicht so schwierig ist, eine Anzeige zu stellen. Aber es kommt auch oft vor, dass die Polizei schon mit am Einsatzort ist - wenn dann etwas passiert, nehmen sie die Anzeige noch vor Ort auf. Aber auch wenn nicht hat sie das Gefühl, das solche Dinge mittlerweile schneller zu Papier gebracht werden: "Man wurde schon dafür sensibilisiert."

Zeugen sind eine große Hilfe

Gut ist es dann, Zeugen in der Hinterhand zu haben. Denn auch der Angeklagte darf natürlich aussagen und wird in den meisten Fällen „bestreiten, dass er etwas getan hat“, so Christoph. „Vielleicht haben Umstehende ja Videos gemacht, die sind natürlich gute Beweise, aber auch Aussagen.“ Deswegen rät er Opfern dazu, bei Umstehenden nachzufragen und sie um Aussagen zu bitten.

Außerdem ruft er noch dazu auf, sich selbst in die Situation zu versetzen:

„Jeder von uns kann mal Hilfe brauchen. Und dann brauchen wir die Helfer. Das sollten wir uns mal genauer überlegen.“

Und Susanne würde ihren Job nicht wechseln, selbst wenn es schlimmer werden sollte:

"Es gibt sehr viele Menschen, die uns wirklich brauchen. Die einfach stehen zu lassen - das wäre nicht meine Art."

Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie am 25. Februar 2020 berichtet.