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Viele leere Pakete (Foto: pixabay.com/jackmac)
Retouren: Weniger Waren sollen vernichtet werden

Es ist so einfach und bequem: Wir bestellen die neue Jeans, den neuen Fernseher, das neue Regal online – und schicken es einfach wieder zurück, wenn uns daran irgendwas nicht passt. Millionen solcher Artikel landen deswegen jedes Jahr auf dem Müll. Ein Gesetz soll das nun ändern.

Am Mittwochvormittag wurde ein Gesetzesentwurf beschlossen, der sagt: Onlineshops sollen genau angeben, was mit dem ganzen Kram passiert, den wir zurück schicken! Und die Shops sollen die Produkte auch nur noch wegschmeißen dürfen, wenn es unbedingt nötig ist. Aber wieso landen die Sachen überhaupt auf dem Müll?

Kurz gesagt: Weil es die billigste Lösung ist. Natürlich werden die Sachen nach der Retoure erstmal darauf geprüft, ob sie noch als Neuware verkauft werden können - wenn da nur ein Etikett fehlt, wird einfach ein neues dran gemacht. Aber wenn etwas stark beschädigt ist, ist das Vernichten des Produkts billiger, als es zu reparieren. Im Schnitt kostet das nämlich maximal 85 Cent. Dazu kommen je nach Produkt Hygienegründe, beispielsweise bei Matratzen.

Manchmal können die Shops allerdings auch gar nichts dafür, dass sie die zurückgeschickten Produkte nicht wieder anbieten dürfen. Theoretisch könnten sie bei Mängeln als günstigere B-Ware angeboten werde. Aber: Manche Hersteller verbieten das! Gerade bei teuren Klamottenmarken ist das oft der Fall. Und weil Asos, Zalando und Co. ja nur Zwischenhändler sind, müssen die sich daran halten.

Onlineshop (Foto: picture alliance/Arno Burgi/zb/dpa)
Onlineshopping: Geht bequem von zuhause aus

Wie viel landet tatsächlich im Müll?

Ganz genaue Zahlen dazu gibt es nicht - viele Unternehmen rücken auch auf Nachfrage keine Zahlen raus.

UNSERDING hat bei Amazon, Asos, Zalando und Otto nachgefragt, nur Zalando hat die Anfrage konkret beantwortet: 0,05 Prozent der Produkte werden vernichtet. Klingt wenig, sind aber 150 Produkte – pro TAG!

Und dabei gibt Zalando schon an, dass sie wenig vernichten, weil sie einen extra Shop zum Anbieten von leicht beschädigter Ware haben, so dass diese nicht vernichtet werden muss. Laut einer Händlerbefragung der Uni Bamberg 2018 und 2019 wurden knapp vier Prozent der zurückgesandten Waren vernichtet. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum in Deutschland etwa 280 Millionen Pakete versandt – vier Prozent entsprechen also 11 Millionen Retouren, die im Müll gelandet sind.

Was soll das neue Gesetz verändern?

Umweltministerin Svenja Schulze will mit dem Gesetz verhindern, dass Ware, die eigentlich noch wie neu aussieht, vernichtet wird (vor allem im Onlinehandel). Sie möchte Händler dazu verpflichten, offen anzugeben, ob und wie viele Produkte sie vernichten.

Produkte sollen nur noch entsorgt werden, wenn sie wirklich kaputt, verdorben oder gefährlich sind, oder wenn es wirtschaftlich gar nicht anders machbar ist. Aber genaue Angaben, auf welche Waren sich das bezieht oder welche Händler es betrifft, stehen noch aus.

Außerdem wird in dem Gesetzesentwurf diskutiert, ob sich zum Beispiel Kaffee-Ketten oder Zigarettenfirmen an den Kosten für die Entsorgung von Bechern oder Kippen in der Öffentlichkeit beteiligen sollen. Die Abfallentsorger der Kommunen in Deutschland zählen aktuell über ein Jahr verteilt, wie viel Müll da zusammenkommt. Das Ziel dieser Aktion und einer möglichen finanziellen Beteiligung soll sein, die Hersteller zum Verwenden von Mehrwegverpackungen zu bringen.

Der Handelsverband kritisiert das geplante Gesetz als überflüssig. Sie wünschen sich, dass es Händlern erleichtert wird, Retouren zum Beispiel zu spenden. Außerdem sollte Verbrauchern bewusst gemacht werden, welche Folgen es für die Umwelt haben kann, wenn sie viele Produkte zurückschicken.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Show mit Fritzi am 12. Februar 2020 berichtet.