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Wege aus der Spielsucht

Vor 20 Jahren war gerade mal ein Patient in der Median Klinik Münchwies wegen Computerspielsucht in Behandlung. Mittlerweile sind es laut Oberarzt Holger Feindel 150 Patienten pro Jahr und die Tendenz ist steigend. Betroffen sind meistens Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Aber es gibt auch positive Nachrichten: Rund zwei Drittel schaffen nach einer Therapie den Weg aus der Sucht.

Ausgelöst werde die Computerspielsucht meist von Massively Multiplayer Online Roleplaying Games, sagt Holger Feindel. Dazu gehöre unter anderem auch World of Warcraft, das in der Vergangenheit viele Patienten in der Klinik in Münchwies gespielt haben. Aber auch sogenannte MOBA, wie zum Beispiel "League of Legends" oder auch Shooter, beschäftigten in den vergangenen Jahren die Patienten.

Hat man das Gefühl, dass ein Freund oder eine Freundin betroffen ist, helfe am besten das Ansprechen, so Feindel. Erkennen kann man es daran, "wenn wichtige andere Lebensbereiche zu Gunsten des Computerspielens vernachlässigt werden." So träfen die Betroffenen sich nicht mehr mit Freunden oder gingen nicht mehr in den Verein. Außerdem würden oft Arbeit, Schule und auch der Beruf so stark vernachlässigt, dass die Süchtigen ihre Stelle verlieren oder Abschlüsse verpatzten.

Achtsamkeit und Grenzen setzen

Stellt man bei sich selbst fest, dass man immer mehr Zeit am Computer verbringt, rät der Oberarzt zu Achtsamkeit: "Alleine die Beobachtung ändert das Verhalten schon." Außerdem empfiehlt er, sich selbst eine Grenze zu setzen und zu kontrollieren, ob man diese einhalten kann. Es sei auch wichtig, alternative Aktivitäten zu planen, um nicht aus dem Auge zu verlieren, dass es noch mehr im Leben gibt als Gaming.

Ist die Computerspielsucht schon krankhaft, hilft meist nur noch eine Therapie. Dort bekommen die Patienten Hilfe dabei, nochmal einen strukturierten Tagesablauf zu etablieren und neue Hobbys zu kreieren. Im Grunde genommen gehe es darum "wieder Freude am 'Real Life' zu generieren", erklärt Feindel.

Zwei Drittel schaffen den Absprung

Ist die Therapie abgeschlossen, schaffen in der Münchwies Klinik rund zwei Drittel der Patienten innerhalb eines Jahres den Absprung. Feindel spricht von einer Drittel-Regel – ein Drittel schafft es direkt , ein Drittel gelangt auf Umwegen mit Rückfällen zum Ziel und ein Drittel wird wieder rückfällig.

Laut Feindel sei die Sucht im Vergleich zu anderen Süchten eine gute behandelbare Krankheit. Auch müssten die Computerspielsüchtigen nicht ihr Leben lang komplett auf Computer/Konsolenspiele verzichten. Wichtig sei, so der Oberarzt, dass die Patienten die Finger von den Spielen lassen, die das Hauptproblem waren.

Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING Morning-Show mit Thurie und Jonas am 23.01.2019 berichtet.