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Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brennt (Foto: picture alliance/Panagiotis Balaskas/AP/dpa)
Moria brennt - Forderungen nach Hilfe

Moria  - das Geflüchtetenlager auf der griechischen Insel Lesbos – brennt. Über 12.000 Menschen leben dort, gedacht ist das Lager für maximal 2800 Menschen. Was genau ist dort passiert und wie geht es weiter?

Update vom 17. September: Vielleicht habt auch ihr das Video in eurem Instagram gesehen, das gerade fleißig geteilt wird: Joko und Klaas haben 15 Minuten gewonnene Sendezeit bei ProSieben dazu genutzt, auf die Situation in Moria aufmerksam zu machen. Darin zu sehen sind Szene aus dem Camp vor und während der Brände, ein junger Geflüchteter schildert die Situation. Auch zu sehen ist, wie Menschen, teils Familien mit kleinen Kindern, von der Polizei mit Tränengas angegriffen werden und wie sie auf der Straße schlafen, nachdem das Camp ausgebrannt ist.

UNSERDING hat noch einmal mit Niklas gesprochen, der mit der Organisation Mission Lifeline in Moria hilft. Er erzählt, dass es ein neues Camp gibt, in das die Menschen nun gehen sollen. Heute morgen habe es dazu die ersten Aufforderungen durch die Polizei gegeben. Das Ganze soll bisher friedlich abgelaufen sein.

"Die Leute gehen jetzt auch in das neue Camp, weil sie seit über einer Woche mit wenig Verpflegung auskommen mussten und müde und kaputt sind."

Und dort im Camp soll es zumindest Essen und Trinken geben. Bisher seien viele der Menschen immer noch auf der Straße vor dem alten Camp, die gleichzeitig die Hauptstraße der Insel Kreta ist.

Nach den Feuern im Lager Moria schlafen viele Geflüchtete auf der Straße (Foto: picture alliance/Petros Giannakouris/AP/dpa)

"Einige - und das ist absurd - sind auch zurückgegangen in die abgebrannten Zelte des alten Camps. Weil sie sich da noch halbwegs sicher fühlen. Aber der Großteil ist auf der Straße."

Niklas erzählt weiter, dass die Regierung aber auch versucht, die Menschen von der Straße wegzukriegen. Denn in Griechenland wüssten sie, dass aktuell die ganze Welt auf sie schaut. Er fürchtet, dass die Menschen ins neue Camp getrieben werden, auch wenn sie da gar nicht hin möchten.

Eine gesundheitliche Versogung sei kaum gewährleistet. "Zwei große medizinische Organisationen wurden heute Morgen abgeblockt, konnten nicht ins Camp", erzählt Niklas. Die Ärzte versuchen jetzt, anders ins Camp zu kommen,

"denn egal, mit wem man spricht, alle sind hier krank. Die Kinder haben die Krätze, aber auch alle anderen Menschen, jeder hier ist krank."

Update vom 15. September: Die Bundesregierung will nun weitere 1500 Geflüchtete aus Moria in Duetschland aufnehmen. Dabei geht es um Familien mit Kindern, die schon vorher als schutzbedürftig anerkannt wurden. Das sollen nicht nur Familien aus Moria sein, sondern auch aus anderen Lagern auf anderen Inseln und auch vom Festland. Jetzt soll mit der griechischen Regierung über den Vorschlag verhandelt werden. Bislang hat die nicht vor, Menschen aus Moria gehen zu lassen. Denn dann - so fürchten sie - mache das Schule und auch auf den anderen Inseln könnten dann Geflüchtetenlager brennen. Weil die Geflüchteten davon ausgehen könnten, dann nach Deutschland geholt zu werden. Weil diese Botschaft nicht vermittelt werden soll, sollen eben schutzbedürftige Familien aus allen Lagern nach Deutschland gebracht werden.

Deutschland könnte theoretisch auch noch wesentlich mehr Menschen aufnehmen. Laut Horst Seehofer wurden seit 2015 1,73 Millionen Geflüchtete aufgenommen. Die Opposition fordert, mindestens 5000 Menschen aufzunehmen, die SPD fordert eine hohe vierstellige Zahl.Und auch Kommunen und Länder sagen, sie hätten Platz und können mehr Menschen aufnehmen. Aber der politische Wille der Bundesregierung und der CDU/CSU stehen dagegen.


Update vom 11. September: Am Donnerstagabend (10. September) demonstrierten in Saarbrücken rund 350 Menschen für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria. Zu der Kundgebung hatten die Jusos aufgerufen. Dem Aufruf hatten sich weitere Gruppen wie die Linksjugend, Seebrücke Saar oder die Jungen Europäischen Föderalisten angeschlossen.

Außerdem wird Deutschland 100 bis 150 minderjährige Geflüchtete aus Moria aufnehmen. Das hat Innenminister Horst Seehofer angekündigt. Sie sind Teil der 400 unbegleiteten Minderjährigen, die Kanzlerin Merkel und Macron auf die EU verteilen wollen. Der Bundestag diskutiert noch über die Situation der Geflüchteten. Viele Abgeordnete verschiedener Parteien fordern, deutlich mehr von ihnen aufzunehmen, gerade einmal 150 von 12.000 seien zu wenig.

Insgesamt nehmen zehn Staaten die 400 unbegleiteten Minderjährigen auf. Frankreich und Deutschland haben das angeschoben, Staaten wie Finnland, Portugal, Belgien und die Niederlande sind ebenfalls dabei. Horst Seehofer hofft, dass noch andere Staaten bereit sein werden, Geflüchtete aufzunehmen, konkret Familien mit Kindern.

Es ist auch ein Transport des THW unterwegs nach Lesbos, der Zelte, Schlafsäcke und andere Hilfsgüter bringt. Weitere sollen folgen, das wurde mit den großen Hilfsorganisationen in Deutschland besprochen.


Update vom 10. September: Erneut ist ein Feuer im Geflüchtetenlager Moria ausgebrochen. Die Nachrichtenagenturen AFP und AP teilten mit, dass es am Mittwochabend in einem Teil des Lagers brannte, in dem es vorher wenige Auswirkungen des ersten Feuers gab.

165 unbegleitet Minderjährige aus Moria wurden jetzt mit einem Flugzeug in die Stadt Thessaloniki gebracht. Weitere Minderjährige sollen folgen. Die anderen obdachlos gewordenen Migranten sollen laut Griechenlands Minister für Migration (Notis Mitarakis) vorerst in Zelten oder auf Schiffen untergebracht werden. Die Nacht auf Mittwoch verbrachten viele von ihnen auf den Straßen um das Lager herum.

Die SPD fordert von ihrem Koalitionspartner, der CDU, dass der Weg für die Aufnahme von Betroffenen in Deutschland freigemacht werden solle. Auch einige Bundesländer möchten Menschen aus Moria aufnehmen. Armin Laschet, der Ministerpräsident von NRW, kündigte an, bis zu 1000 Geflüchtete aufnehmen zu wollen. Berlin möchte 300 Menschen aufnehmen, Thüringen schon seit längerem 500, aber das Land scheitert daran, dass der Bund Widerstand leistet.

In ganz Deutschland gab es am Mittwochabend spontane Demonstrationen für die Aufnahme von Geflüchteten aus Moria. Am Donnerstagabend ist eine Mahnwache in Saarbrücken geplant, um 18 Uhr auf dem Tbilisser Platz.

Saarland bereit, Geflüchtete aufzunehmen

Das Saarland ist bereit, Geflüchtete aus Moria aufzunehmen. Vor allem unbegleitete Kinder und Jugendliche. Das teilte Ministerpräsident Tobias Hans am Donnerstag mit. Das Saarland klärt aktuell mit der Bundesregierung ab, wie den Geflüchteten in Not geholfen werden kann. Neben dem Saarland haben auch andere Bundesländer sich bereit erklärt Geflüchtete aus dem ausgebrannten Lager Moria aufzunehmen. Allerdings liegt die Entscheidung beim Bund und nicht bei den Ländern.


Artikel: Die Brände im griechischen Geflüchtetenlager Moria brachen in der Nacht zu Mittwoch aus. Mittlerweile sind die Brände nach Regierungsangaben weitgehend unter Kontrolle gebracht worden.

Was war passiert?

In der Nacht stand fast das gesamte Lager in Flammen, es wurde so größtenteils verwüstet. Weil es sehr windig war, hatte die Feuerwehr es beim Löschen schwer. Weil auch Container, die zum Wohnen genutzt werden brannten, wurde von den Behörden angeordnet, das Lager zu evakuieren. Es gibt aktuell keine Informationen über Verletzte oder Tote. Der Regierungssprecher Stelios Petas sagte, dass vermutlich Brandstiftung der Grund der Feuer ist. Es wurde eine Krisensitzung von Mitgliedern der griechischen Regierung einberufen.

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brennt (Foto: picture alliance/Panagiotis Balaskas/AP/dpa)
Rauch steigt aus Moria auf, nachdem die Feuer unter Kontrolle gebracht wurden

Was passiert mit den Bewohnern?

Die über 12.000 in Moria lebenden Menschen befinden sich laut dem Bürgermeister der Stadt Mytilini, 15 Autominuten vom Lager Moria entfernt, aktuell auf einer Autobahn, wo sie von der Polizei überwacht werden. Auch die Corona-Pandemie macht die Lage nicht einfacher: Wegen mehrerer Fälle stand das Camp unter Quarantäne. Mit dem Einsatz der Polizei soll offenbar verhindert werden, dass die Migranten Mytilini erreichen. Die Stadt ist wirtschaftlich und kulturell das Zentrum der Insel Lesbos. Der Bürgermeister sagte weiter, man wissen nicht, wie es mit den Menschen weitergehen soll. Durch die Brände seinen Tausende obdachlos geworden. Moria selbst ist seit Jahren völlig überfüllt.

Brandstiftung?

Es gibt unterschiedliche Berichte darüber, wie die Feuer entstanden sein könnten. Einige der Bewohner des Lagers sprechen davon, dass Bewohner der Insel Lesbos die Feuer gelegt hätte. Andere Berichte geben an, dass die Lagerbewohner selbst für die Feuer verantwortlich sind und dann auch die Feuerwehr bei den Löscharbeiten belästigt hätten. Laut Regierungssprecher Petas wurden mindestesn 10 Feuer gleichzeitig gelegt, laut ihm offenbar von Lagerbewohnern selbst. Wahrscheinlich aus Protest oder Verzweiflung.

Es habe schon vorher Ausschreitungen im Lager gegeben, seit es dort Lockdown-Maßnahmen gab. Seit letzter Woche gilt die Quarantäne, mindestens 35 Bewohner wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die sollen dann am Dienstag in eine Isolierstation gebracht werde, wogegen sich manche geweigert hatten. Daraufhin gab es dann Proteste, weil viele Bewohner sich nicht mehr im Lager aufhalten wollten, auch aus Angst vor dem Virus.

Forderungen nach Hilfe

Verschiedene Organisationen sehen die Verantwortung für die Lage in Moria bei der EU. Die Tagesschau berichtet, dass die Referentin der Hilfsorganisation „medico“, Ramona Lenz, sagte:

„Man kann Menschen nicht jahrelang im Dreck leben lassen, ihnen Rechte vorenthalten, sie schließlich ungeschützt einer Pandemie aussetzen und dann überrascht sein, wenn sie gegen ihre Lebensbedingungen aufbegehren.“

Sie fordert, dass Europa Moria und ähnliche Lager evakuiert.

Auch der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“, Günter Burkhardt, sagte, dass die EU-Staaten die Flüchtlinge aufnehmen könnten.

Im Saarland wird von den Grünen gefordert, dass mindestens 50 der Geflüchteten, die bisher im Lager leben, im Saarland aufzunehmen. Dabei geht es ihnen vor allem um besonders schutzbedürftige Menschen wie Kinder, alte oder behinderte Menschen. Laut Grünen-Landeschef Tressel seien die Kapazitäten eindeutig vorhanden. Saarbrückens Bürgermeisterin Meyer-Gluche erklärte, auch in der Landeshauptstadt gebe es Möglichkeiten zur Aufnahme.

Ähnlich äußern sich die saarländischen Jusos. Laut ihrer Vorsitzenden Braun müssen Städte wie Saarbrücken, die zum sicheren Hafen erklärt wurden, Flüchtlinge aufnehmen können.


Niklas von Mission Lifeline (Foto: privat)
Niklas von Mission Lifeline

Niklas ist Teil der Organisation „Mission Lifeline“, die sich der Seenotrettung von Menschen im Mittelmeer verschrieben hat und auch in Griechenland aktiv ist. Er war in der Nacht auf den 9. September da und hat die Brände so miterlebt:

„Es war einfach nur schrecklich. Weil man gesehen hat, dass dort, wo man noch einige Tage vorher war - wo man Menschen getroffen hat, Leute, die einem auch ans Herz gewachsen sind, tolle Menschen - die haben einmal mehr alles verloren."

Auch er hofft, dass Deutschland und Europa nun Geflüchtete aufnehmen wird, auch wenn das "immer noch viel zu spät ist." Laut ihm ist in Deutschland Platz - 13.000 Menschen sind weniger als ein Prozent der deutschen Bevölkerung. "Und wenn man das auf Europ rechnet, ist es ein Witz."


Über dieses Thema wurde auch in den UNSERDING-Infos am 9. September 2020 berichtet.