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Ein Screenshot aus dem Video "Volksfest in Sachsen" des Bohemian Browser Balletts (Foto: Bohemian Browser Ballett)
Morddrohung wegen Satire-Video    

Der Videodreh eines Satrie-Stücks rund um die Vorfälle in Chemnitz hat zu einer Morddrohung gegen Comedian und Blogger Schlecky Silberstein geführt. Zunächst hatte die AfD den Dreh selbst gefilmt und später gepostet – mit dem Hinweis, dass es ein Fake-Video sei, das die AfD schlecht machen wolle. Zudem wurde die Adresse von Schleckys Produktionsfirma veröffentlicht. Jetzt muss die Produktion umziehen.

Angefangen hat alles mit dem Video-Dreh des Bohemian Browser-Balletts für "funk", ein junges YouTube-Format, produziert für den SWR. Das satirische Video drehte sich rund um die Vorfälle in Chemnitz – unter anderem wurde ein AfD-Stand nachgestellt und Schauspieler jagten als verkleidete Skinheads einen dunkelhäutigen Menschen. Um Missverständnissen vorzubeugen, war das Set mit Hinweisen auf einen Satire-Dreh gekennzeichnet.

Brandbrief auf Schleckys Website

Die AfD filmte den Dreh ihrerseits und postete ihre Aufnahme dann auf Facebook mit dem Hinweis, dass es ein Video sei, das produziert würde, um die Partei in Verruf zu bringen. Außerdem zeigte ein Facebook-Video, wie ein AfD-Politiker bei dem Geschäftspartner von Schlecky Silbersteins Geschäftspartner an der Tür klingelte und veröffentlichte dessen Adresse. Den Facebook-Post und das Verhalten der AfD bezeichnet Silberstein als bewusstes Nichtverstehen. Denn das komplette Film-Set für den Videodreh sei mit entsprechneden Hinweisen bestückt gewesen. Das erklärt er unter anderem in einem Brandbrief auf seiner Website, den er auch auf Twitter postete.

Screenshot vom Twitter-Account von Schlecky Silberstein (Foto: Twitter.com/Schlecky Silberstein)
Website von Schlecky Silberstein
In seinem Brandbrief wendet sich Christian Brandes an seine Leser. Er beschreibt alles was passiert ist aus seiner Perspektive.

Am 16. September erhielt Christian dann eine antisemitische Morddrohung. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte er, dass die Produktionsfirma wegen der Morddrohung jetzt umziehen wolle. Außerdem erklärte die Firma, dass sie rechtliche Schritte eingeleitet habe. Auch der Südwestrundfunk, für den die Comedy-Show Bohemian Browser Ballett produziert wird, will diese Drohung nicht einfach hinnehmen. Der Sender werde die Angelegenheit prüfen und, wo erforderlich, die notwendigen Maßnahmen einleiten.

"Gesellschaftliche Zustände, die Anlass zur Besorgnis geben"

Der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski verteidigt das Vorgehen seiner Partei. Für die AfD seien antisemitische Kommentare kein Thema. Ihr gehe es ausschließlich um die Aufdeckung unlauterer Propaganda mit Geldern des öffentlich-rechtlichen SWR. "Die AfD soll mit allen erdenklichen Methoden mundtot gemacht werden", erklärte er.

Gerold Hug, SWR-Programmdirektor Kultur, erklärte: "Man kann immer darüber streiten, ob man eine Satire gelungen findet oder nicht. Aber wenn Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Künstler, Produzenten oder andere Medienschaffende erfolgen, zeigen sich gesellschaftliche Zustände, die Anlass zu Besorgnis geben." Die Freiheit der Kunst, der Presse und der Meinungsäußerung seien für den SWR nicht verhandelbare hohe Güter.

Ein Screenshot aus dem Video "Volksfest in Sachsen" des Bohemian Browser Balletts (Foto: Bohemian Browser Ballett)
"Volkfest in Sachsen" - Bohemian Browser Ballett
Der Dreh dieses Videos wurde von der AfD gefilmt und später ins Netz gestellt. In dem Post wurde es als Fake-Video bezeichnet, mit dem die AfD absichtlich in Verruf gebracht werden solle.

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Über dieses Thema wird auch in "UNSERDING mit Christian" vom 19.09.2018 berichtet.