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Geldbeutel in einer Hosentasche (Foto: pixabay.com/stevepb)
Weniger Mehrwertsteuer: Bringt's uns was?

Ab dem 1. Juli tritt das Corona-Konjunkturpaket in Kraft. Bedeutet für uns vor allem: Weniger Mehrwertsteuer! Ein halbes Jahr lang, bis Ende Dezember, soll sie um drei Prozent gesenkt werden. Aber heißt das auch, dass für uns jetzt alles günstiger wird?

16 statt 19 Prozent, 5 statt 7 Prozent bei Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln (oder auch Büchern) – so wird die Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli gesenkt.

Grund dafür: Der Konsum soll angeregt werden, denn durch die Coronakrise war er zurückgegangen. Schließlich waren viele Geschäfte ganz zu und konnten gar nichts verkaufen, während viele Arbeitnehmer auf Kurzarbeitergeld umstellen mussten und eher weniger große Anschaffungen gemacht haben. Durch das Corona-Konjunkturpaket, zu dem auch die Mehrwertsteuersenkung gehört, soll die Wirtschaft jetzt wieder angekurbelt werden. Aber wie viel bekommen wir als Verbraucher davon mit?

UNSRERDING-Moderator Jonas hat mit Martin Nicolai, dem Geschäftsführer der Verbraucherzentrale, gesprochen.

Verbraucher profitieren nicht unbedingt

Er erklärt, dass die Kunden nicht automatisch von der Senkung der Mehrwertsteuer profitieren. „Die Läden müssen diese Senkung nicht an ihre Kundschaft weitergeben. Natürlich wäre es schön, wenn sie das tun, verpflichtet sind sie aber nicht dazu. Wir müssen uns da überraschen lassen.“

Gedacht sei es von der Politik sicher so, dass letztlich die Verbraucher von der Maßnahme profitieren. Schließlich soll die Senkung dazu anregen, dass wieder mehr gekauft wird.

„Die Leute sollen sagen, ‚okay, das kostet mich jetzt nicht mehr so viel, ich kann jetzt Geld ausgeben.‘“
Jemand hält eine Kreditkarte in der Hand (Foto: pixabay.com/jarmoluk)
Die Wirtschaft soll angekurbelt werden

Martin denkt, dass alle davon profitieren, wenn das auch wirklich so realisiert wird. „Aber ob einzelne Händler oder Unternehmer dann sagen, die streichen das Geld für sich ein und lassen ihre Produkte genauso teuer wie vorher, das ist möglich. Wir können da nur hoffen, dass die Politik mit ihrem Plan Recht hat.“

Wo lohnt sich die Senkung?

Die Senkung lohnt sich, sagt Martin, vor allem bei größeren Anschaffungen:

„Haushaltsgeräte zum Beispiel, Waschmaschine, Spülmaschine. Da sollte man den Unterschied schon spüren. Beim Päckchen Kaugummi nicht, da machen die paar Prozentpunkte quasi nichts aus.“

Eine Beispielrechnung: Das Paket Butter im Supermarkt, das regulär 1,70 Euro kostet, wird drei Cent billiger. Bei einem Smartphone für 500 Euro werden knappe 13 Euro gespart, 12,61 Euro um genau zu sein. Ein Auto für 30.000 Euro kostet immerhin 750 Euro weniger.

Ein Taschenrechner und Geld (Foto: pixabay.com/Bru-nO)
Je nach ursprünglichem Preis spart man mehr oder weniger

Generell bezieht sich die Senkung auf den Netto-Preis, das heißt es kommen auch nicht die vollen drei Prozent beim Käufer an, selbst wenn das Geschäft sie an ihn weitergibt.

Als Tipp gibt Martin uns noch mit: „Einfach immer vergleichen, gucken, wo hab ich das Gefühl, dass fair mit mir umgegangen wird, dass die Preise transparent sind?“ Dann könne man auch von der Mehrwertsteuersenkung profitieren.

Mehrarbeit für Geschäfte

Für die Geschäfte bedeutet die Umstellung außerdem einiges an Aufwand: Preise müssen neu ausgezeichnet, Kassensysteme umgestellt werden. Deswegen kann es teilweise sein, dass erst an der Kasse der neue Preis klar wird, der alte aber noch auf dem Artikel steht. Und manche Experten warnen davor, dass die Preise im Januar, wenn die Mehrwertsteuer wieder auf den normalen Satz angehoben wird, insgesamt nochmal teurer werden. Denn Läden könnten das zum Anlass nehmen, die Normalpreise zu erhöhen – schließlich fällt es dann gar nicht so sehr auf.

Die Mehrwertsteuersenkung kostet den Staat laut Tagesschau rund 20 Milliarden Euro. Auch weitere Maßnahmen treten zeitgleich in Kraft: Unter anderem ein Familienbonus von 300 Euro pro Kind, sowie Milliardenhilfen für Unternehmen und Kommunen. Weitere Informationen dazu findet ihr hier bei der Tagesschau.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Jonas am 30. Juni 2020 berichtet.