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FSK ab 18 (Foto: Pixabay/SR)
Interview mit Stefan Linz
FSK - Wie läuft das?

Ob ein Film eine Altersfreigabe bekommt – und wenn ja, welche, das entscheidet in Deutschland die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK). Aber was sind dafür eigentlich die Kriterien? Und kann jeder Filmprüfer werden? Ist es der Traumjob, den man sich vorstellt? Das hat uns Stefan Linz, Leiter im Prüfbereich bei der FSK, im Interview verraten.

UNSERDING: Wer entscheidet, welche Altersfreigabe ein Film bekommt?

Stefan Linz: Es sind fünf Prüferinnen und Prüfer, die zusammen in einem Prüfausschuss sitzen und sich einen Kinofilm von Anfang bis Ende anschauen. Im Anschluss führen sie eine Wirkungsdiskussion – überlegen also, wie der Film auf Kinder und Jugendliche wirkt – und entscheiden dann mit einfacher Mehrheit über die FSK-Freigabe. Unsere Ausschüsse sind immer mit einer ungeraden Anzahl von Personen besetzt. Eine Enthaltung ist nicht möglich, sodass immer eine Mehrheitsentscheidung zustande kommt.

UNSERDING: Wer sitzt in diesen Ausschüssen? Kann ich auch Prüfer werden?

Stefan: Im Prinzip kann tatsächlich jeder als FSK-Prüferin oder -Prüfer bestellt werden. Wir haben insgesamt 226 Prüferinnen und Prüfer, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen. Dabei gibt es drei Gruppen. Da ist zum einen die öffentliche Hand vertreten durch u.a. Bundesjugendring, katholische und evangelische Kirche, Zentralrat der Juden, Kultusministerkonferenz, Bundesfamilienministerium und Bundesbeauftragte für Kultur und Medien. All diese Stellen dürfen Prüferinnen und Prüfer entsenden. Wenn man Interesse hat, in dieser Gruppe tätig zu werden, dann müsste man sich an eine dieser Stellen wenden.

Die zweite Gruppe sind die staatlichen Vertreter. Hier muss man in einer entsprechenden Funktion tätig sein. Oft sind das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Obersten Landesjugendbehörden oder Jugendämtern.

Auf die Auswahl der Prüferinnen und Prüfer dieser zwei Gruppen hat die FSK überhaupt keinen Einfluss.

Die dritte und letzte Gruppe sind Prüferinnen und Prüfer, die von der FSK selbst benannt werden. Es sind derzeit knapp 50 Personen, die sich die FSK selbst ausgewählt hat. Die einzige Einschränkung hierbei ist, dass die Prüferinnen und Prüfer nicht hauptamtlich im Bereich der Film- und Videowirtschaft arbeiten dürfen. Sonst könnten Firmen, Regisseurinnen und Regisseure bzw. Schauspielerinnen und Schauspieler ihre eigenen Filme prüfen und wären befangen.

UNSERDING: Gibt es einen Eignungstest für Prüfer?

Stefan: Vorgesehen ist bei allen Prüferinnen und Prüfern eine Einarbeitungszeit von drei Prüftagen, an denen die Einzelnen an Ausschusssitzungen teilnehmen. Sie sind dann noch nicht stimmberechtigt, aber sie erhalten einen Eindruck von der Wirkungsdiskussion und davon, welche Inhalte geprüft werden. So können sie für sich selbst entscheiden, ob ihnen die Tätigkeit liegt. Es gibt ja auch Personen, die sich bestimmte Filme nicht anschauen wollen. Diese wären dann nicht als Prüferin oder Prüfer geeignet.

Welche Filme man prüft, kann man sich vorher nicht aussuchen. Das ist völlig zufällig gesteuert. Bei den Prüferinnen und Prüfern, die von der FSK ausgewählt werden, achten wir darauf, dass sie einen direkten Bezug zum Thema haben. Das heißt, dass sie entweder Erfahrungen im Bereich der Medienwirkungsforschung oder in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben.

UNSERDING: Bekommen die Prüfer für ihre Arbeit Geld?

Stefan: Ja, es gibt eine Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt. Diese ist aber nicht so hoch, dass man davon leben könnte. Das ist kein Zufall, sondern so gewollt, damit die Prüferinnen und Prüfer nicht finanziell abhängig sind von der FSK und wirklich frei entscheiden können.

UNSERDING: Wie viele Termine gibt es?

Stefan: Wir prüfen täglich – auch in mehreren Ausschüssen parallel. Wir haben jährlich über 12.000 Entscheidungen, wobei sich diese Zahl nicht nur auf Langfilme bezieht. Auch Werbefilme und Trailer und alles, was noch auf Bildträgern veröffentlicht wird, zählt dazu. Es werden jährlich etwa 500 Kinofilme und circa 1500 Filme, die als Video on Demand, auf DVD oder Blu-Ray veröffentlicht werden, geprüft.

Wie lange uns die Filme vor der Veröffentlichung vorliegen, ist sehr unterschiedlich. Das hängt beispielsweise auch damit zusammen, wie schnell die Firmen die Synchronfassungen erstellen können. Im Extremfall prüfen wir ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung. Im anderen Extrem ist eine Prüfung einen Tag vor dem Kinostart möglich.

UNSERDING: Was sind die Prüfkriterien?

Stefan: Es gibt in Deutschland keinen festen Kriterienkatalog, nach dem entschieden wird. Es gibt zwar Maßstäbe, aber jeder Film wird individuell eingeschätzt. Das hat den Hintergrund, dass man so auch verstärkende und relativierende Faktoren berücksichtigen kann. Eine Gewaltszene in einem Selbstjustiz-Thriller beispielsweise kann ganz anders bewertet werden – nämlich wahrscheinlich strenger – als in einem Sozialdrama, welches die Gewaltanwendung hinterfragt.