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Symbolbild: Ein Junge sitzt an einem Laptop und spielt darauf ein Spiel. (Foto: dpa)
Wenn Gaming zur Sucht wird

Als Marco realisierte, dass er spielsüchtig ist, hatte er alles verloren: seine Freundin, seine Arbeit und seine Wohnung. Mittlerweile ist er seit einigen Monaten in Therapie, von Heilung spricht er aber nicht. Wie lange es gedauert hat, bis Marco sich seine Sucht eingestehen konnte und wie er dagegen kämpft, hat er uns im Interview verraten.

UNSERDING: Wie viel hast du denn gezockt?

Marco: Ich habe nach der Arbeit vier bis sechs Stunden World of Warcraft gezockt und habe eigentlich auch die Wochenenden bis auf das Schlafen durchgespielt.

UNSERDING: Warum hast du das Problem nicht selbst erkannt?

Marco: Ich habe gedacht, das wäre normal. Ich habe schon immer viel gespielt. Ich habe mit neun Jahren meinen ersten Computer bekommen und es hat für mich immer schon dazugehört. Problematisch wurde es erst ab 2005. Aber ich habe da kein Problem gesehen.

UNSERDING: Deine Freundin hat dich auf dein Spielproblem aufmerksam gemacht. Wie ist das gelaufen?

Marco: Zunächst hatten wir immer mehr Streit deswegen. Später habe ich wegen des Spielens aber meine Arbeit verloren und erst dann sind wir zusammen zu einem Arzt. Der hat mich zu einem Psychologen geschickt und so kam das nach und nach alles in die Gänge.

Wenn Gaming zur Sucht wird
Wenn Gaming zur Sucht wird

UNSERDING: Wann hast du selbst gemerkt, dass du ein Problem hast?

Marco: Das hat eigentlich so lange gedauert, bis meine Freundin gesagt hat, sie macht es nicht mehr mit und sich von mir getrennt hat. Das hat schon lange gedauert. Aber es hat schon die äußeren Reize gebraucht - dass sie sich getrennt hat und dass die Arbeit und die Wohnung weg waren.

UNSERDING: Wie sieht deine Therapie aus?

Marco: In erster Linie ist sie auf eine Gruppentherapie ausgelegt. In diesem Rahmen finden viermal in der Woche Gespräche mit Therapeuten statt. Es geht aber auch viel um Sport. Außerdem gibt es die Ergotherapie, über die ich lerne, mich wieder mit anderen Dingen als mit dem Spielen zu beschäftigen und daran wieder Spaß zu finden. Für mich ist auch soziale Interaktion ganz wichtig.

UNSERDING: Alkoholiker dürfen nie wieder in ihrem Leben etwas trinken – nicht mal ein Bier oder einen Sekt. Ist für dich auch ein Spiel wie Solitär auf dem Laptop schon tabu?

Marco: Bei mir würde ich definitiv ja sagen. Ich weiß nicht, ob das jeder für sich so festmachen kann, der da eine ähnliche Problematik hat. Aber ich würde es schon so sehen. Zumindest für die erste Zeit.

UNSERDING: Hast du einen Plan, wie du es verhindern willst, wieder rückfällig zu werden?

Marco: Ja – erst einmal ist es ganz wichtig, dass ich eine Struktur im Leben habe und einen geregelten Tagesablauf. Das heißt auf die Arbeit gehen, meinen Freundeskreis - so weit er noch da ist - wieder wahrnehmen. Und wieder in einen Verein zurückkehren, ich habe lange Handball gespielt. Das möchte ich weitermachen. Das sind erstmal die Grundpfeiler. Und dann auch weiter die Nachsorge, wenn ich rauskomme.

UNSERDING: Warum musst du den Tag so durchstrukturieren?

Marco: Mir fällt es schwer, mit Langeweile umzugehen. Deswegen ist der geregelte Tagesablauf so wichtig. Ich halte es unheimlich schwer mit mir selbst aus. Was auch ein Grund ist, weshalb ich weiter an mir arbeiten muss, wenn ich hier raus bin. Deswegen ist die Strukturierung für mich die Basis, so dass ich immer weiß, was ich mache. Dass ich den Tag für mich sinnvoll gestalte, das ist der erste Schritt.

Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING Morning-Show mit Thurie und Jonas am 23.01.2019 berichtet.