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Heiraten (Foto: pixabay.com)
Hochzeit! Corona! Hilfe!

Laura will heiraten. Dominik auch. Das Hochzeitsdatum steht, die Ringe sind graviert, die Gäste haben zugesagt, die Hochzeitreise ist gebucht. Und dann kam Corona. Was machen die Paare jetzt? Wer storniert, wer zieht‘s trotzdem durch? Was bedeuten die Absagen auch für Weddingplaner und Fotografen? UNSERDING hat mit Menschen gesprochen, deren Hochzeitspläne von der Krise durchkreuzt wurden.

„Nach der Absage waren wir natürlich erstmal geschockt. Es sind auch ein paar Tränen geflossen.“

Dominik ist 27 Jahre alt und kommt aus Dudweiler, er und seine Freundin wollten Ende Juli vor dem Altar stehen. Dafür war auch schon alles durchgeplant: „Ich habe meiner Freundin letztes Jahr im August den Antrag gemacht. Dann haben wir direkt mit der Planung begonnen und waren Ende des Jahres auch quasi schon komplett fertig. Es hätte also eigentlich alles super stattfinden können.“

Das Paar hat das geplante Datum auch schon in ihre Ringe gravieren lassen. Aber nicht nur da: „Auf den ganzen Willkommensschildern, die wir schon gestaltet haben, oder auf den Einwegkameras, die hatten wir anfertigen lassen, auch da steht überall das Datum drauf!“

Heiraten (Foto: pixabay.com)
Viele Paare lassen das Hochzeitsdatum in die Ringe gravieren

Ein Datum, das jetzt nicht ihr Hochzeitstermin sein wird. Denn sie haben sich entschieden, abzusagen:

„Wir haben mit der Kirche telefoniert und erfahren, dass die Auflagen so hoch sind – Mundschutz tragen, alle im Abstand von zwei Metern voneinander wegsitzen, wir dürfen nicht singen – dann haben wir gesagt das Ganze macht so keinen Spaß und wir verschieben lieber auf nächstes Jahr.“

Diese Auflagen sind von Ort zu Ort und von Kirche zu Kirche verschieden. In der Basilika St. Johann in Saarbrücken dürfen zum Beispiel maximal 60 Leute in die Kirche, Singen ist verboten, Sicherheitsabstand muss eingehalten werden. Und alle Anwesenden müssen ihre Personalien hinterlegen, damit sie zurückverfolgt werden können, falls nach der Trauung jemand positiv auf das Coronavirus getestet wird.

Hochzeit mit Mundschutz

Dominik und seine Freundin hoffen also, dass sie bei ihrer Hochzeit keinen Mundschutz tragen müssen. Aber:

„Viele Paare sind total offen für Mundschutz!“

Das sagt Weddingplanerin Alicia aus Saarwellingen. „Die sagen, ‚Hey hör zu, das gab’s noch nie, niemand hat die Familienfotos wie ich, wo jeder Mundschutz trägt!‘ Und es wird auf jeden Fall die Option geben.“

Heiraten in Coronazeiten (Foto: dpa)
Heiraten mit Mundschutz - auch eine Option

Alicia hat gerade einen stressigen Job, es gibt viel zu tun: „Aktuell haben alle unsere Paare einen Ausweichtermin. Wir haben aber gleichzeitig noch einen Plan C, einen blockierten Termin für nächstes Jahr. Falls das Heiraten auch am Ausweichtermin noch nicht möglich ist. Da kann man sich bestimmt vorstellen, dass die Planung alles andere als einfach ist…“

Bei den Hochzeiten, die weiterhin stattfinden, treffen sie und ihr Team auch Maßnahmen. „Wir tauschen Buffet gegen Menü, vielleicht tauschen wir sogar die Tränentücher, also die Taschentücher für Freudentränen, gegen Hygienetücher aus. An den Tischen setzen wir Haushalte zusammen, statt Jung und Alt oder Freunde und Familie.“ Und auch die Sache mit dem Mundschutz wollen sie für die Paare umsetzen.

Fotos ohne Lächeln

Etwas Besonderes sind die Hochzeitsfotos mit Mundschutz mit Sicherheit – Christians Job wird dadurch erschwert. Er ist Fotograf.

„Fotografieren mit Maske geht, aber die Frage ist das Endergebnis. Wenn die Braut sich freut, ihren Bräutigam zu sehen und da die ersten Freudentränen kullern – das geht ja noch. Aber gerade die Gesichtsausdrücke über den Mund – Lachen, Lächeln – das ist ja aller verborgen hinter der Maske!“

Fotos, bei denen ein wichtiger Teil des Gesicht verloren geht – schwierig. Auf der anderen Seite sind aber auch Absagen ein Grund zur Sorge für Christian. „Alle Paare, deren Hochzeit ich im Juni oder Juli fotografieren sollte, haben auf nächstes Jahr geschoben. Für mich ist das eine blöde Situation, weil ich im Winter keine neuen Paare für diese Termine annehmen kann. Mir geht quasi eine Saison flöten.“

Deswegen erzählt er auch, dass bei Gesprächen mittlerweile immer ein bisschen Sorge mitschwingt. „Die letzten Wochen war es immer, wenn ich ans Telefon gegangen bin, mit einem schlechteren Bauchgefühl verbunden. Immer mit der Frage, ob da die nächste Absage kommt.“

Absagen aus vielen Gründen

Laura aus Heusweiler sagt klar, dass eine Hochzeit mit Mundschutz für sie und ihren Verlobten nicht in Frage kommt. Ihre Hochzeit ist zwar noch nicht abgesagt, sie hoffen bis zum letzten Moment, dass sie normal stattfinden kann.

Laura ist aber noch relativ entspannt, weil Alicia ihre Weddingplanerin ist: „Sie nimmt mir wirklich meine ganze Arbeit ab.“

Ein Problem, das ihr aber Sorgen macht, ist eine Freundin aus den USA. „Sie und ihr Mann wollten zur Hochzeit kommen… aktuell geht das nicht, und wenn es zur Hochzeit nicht klappt, wäre das sehr traurig, weil sie dazu gehört! Ich hoffe, dass der Flug umgebucht werden kann. Sonst bleibt sie auf den Kosten hocken und müsste für einen neuen Termin neu buchen – das würde mir auch unheimlich leidtun!“

Heiraten (Foto: pixabay.com)
Eine große Feier mit vielen Gästen ist gerade nicht drin

Das Geld und Gäste aus dem Ausland spielen auch bei einigen Hochzeitsabsagen eine Rolle, weiß Lena vom Forsthaus Neuhaus. Das Restaurant in Saarbrücken richtet viele Hochzeitsessen aus, vor Ort oder als Caterer. Für diesen Sommer wurden schon einige abgesagt:

„Das hat verschiedene Gründe. Da gibt es Schicksale, bei denen diejenigen es sich einfach nicht mehr leisten können. Aber natürlich gibt’s auch Krankheitsfälle in der Familie. Dann gibt’s Paare, die haben teilweise Familie aus Thailand oder aus Italien. Und es will auch keiner eine Hochzeit feiern mit so einem angespannten Gefühl.“

Lena bietet allen einen Alternativtermin an, viele Hochzeiten sind jetzt in den Winter verschoben worden. Auch die Planung für die Hochzeiten, die noch stattfinden, ist stressig. „Und fehlen sechs Wochen Zeit für Probeessen, die nachgeholt werden müssen. Das wird eine kleine Herausforderung. Tja, da müssen wir jetzt alle irgendwie ran.“

Gesundheit ist das wichtigste

Natürlich sind die Hochzeitspaare vor allem enttäuscht. Aber sie denken auch an die Zukunft. „Wir können es ja nicht beeinflussen und am Schluss müssen wir entscheiden, was das Beste für alle ist“, sagt Laura im Hinblick auf eine mögliche Absage ihrer Feier. Dominik plant, einfach am Ball zu bleiben: „Ich habe vor zwei, drei Monate wieder im Fitnessstudio angefangen – um an der Hochzeitsfigur zu arbeiten. Das möchte ich jetzt beibehalten, damit der Anzug auch nächstes Jahr passt!“

Und Alicia erzählt, dass viele Details für Paare durch die Krise unwichtiger werden, sie sich eher auf das Wesentliche besinnen: „Ich hatte eine Braut, die hat sich gewünscht, dass dieser ganz spezielle koreanische Seeadler die Ringe bringen soll. Was hatten wir einen Stress mit diesem Adler! Und dann kam Corona und es war noch nicht mal klar, ob Hochzeit überhaupt stattfinden kann."

"Und jetzt heißt es: Hauptsache, wir sind alle zusammen! Man kommt da ein bisschen auf den Ursprungsgedanken zurück.“

Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 13. Mai 2020 berichtet.