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Am Werk der Neuen Halberg Guss hängen Schilder mit dem Namen des Unternehmens (Foto: picture alliance/Oliver Dietze/dpa)
Gusswerke Saarbrücken: Was jetzt?

600 von 1000 Stellen werden bei den insolventen Gusswerken Saarbrücken gestrichen. Am Mittwochnachmittag wurden die Mitarbeiter von Insolvenzverwalter Franz Abel darüber informiert. Doch was genau passiert eigentlich in den Gusswerken? Und wie geht es für die Mitarbeiter weiter? Das hat uns Wolfgang Wirtz-Nentwig aus der SR-Wirtschaftsredaktion beantwortet.

„Das ist eine ganz schwierige Situation“, sagt Wolfgang. Die 600 Mitarbeiter, die von den abgebauten Stellen betroffen sind, wurden am Mittwoch mit sofortiger Wirkung freigestellt. Einige Betroffene waren erst Donnerstag zur Frühschicht vor Ort und erfuhren dort, dass sie ebenfalls dazu gehören.

Ab Freitagmorgen können sie in der Turnhalle in Brebach Arbeitslosengeld beantragen, die Bundesagentur für Arbeit richtet dort ein Büro ein. Das ist jetzt ihr erster nächster Schritt.

„Dann können die Menschen sich auf die Suche nach einem neuen Job machen, denn noch ist die Situation relativ günstig“, so Wolfgang weiter. Wenn es aber weiterhin bei mehr Betrieben eng wird, , dann trauen sich möglicherweise auch weniger Betriebe, neue Leute zu beschäftigen.

„Dann muss man überlegen, ob man in der Branche bleiben kann. Oder ob man sich beruflich umorientieren muss.“

Was passiert in den Gusswerken?

In den Gusswerken Saarbrücken werden wichtige Teile für Automotoren hergestellt. Beispielsweise gegossene Kurbelwellen und Gehäuse, in denen diese dann untergebracht sind. Eine Kurbelwelle ist Teil einer Kolbenmaschine, wo die Energie aus einem Verbrennungsmotor nutzbar gemacht wird. Laut Wolfgang ein schwieriger Markt mit hohem Preisdruck.

Blick unter die Motorhaube (Foto: Pixabay/emkanicepic)
Der Motor eines Autos

Ausbildung im Bereich noch sinnvoll?

Wolfgang erklärt, dass Konjunkturschwankungen im Saarland oft als erstes sichtbar werden. Trotzdem sagt er:

„Eine gute Ausbildung ist immer ein wichtiger Grundstock, um später ein erfolgreiches Leben zu führen. Die Chance auf einen guten Ausbildungsplatz sollte man deswegen immer nutzen. Ob man dann im Saarland bleibt oder vielleicht auch mal woanders hingeht, das muss jeder individuell entscheiden.“

Laut Wolfgang ist die Lage für junge Menschen jedoch immer noch gut, weil die Jahrgänge kleiner sind als früher. Der Markt im Ausbildungssektor biete immer noch recht viel Auswahl. Und Unternehmen brauchen junge Leute, denn bald gehen viele Mitarbeiter in Rente.

Schwierige Situation auch für Betriebe

Für viele Betriebe sei gerade schwer zu sagen, wo sie in einigen Jahren stehen. Denn es verändert sich aktuell vieles, zum Beispiel durch neue Umweltauflagen. Als Beispiel nennt Wolfgang die Autoindustrie:

„Niemand kann sagen, ob dort in einigen Jahren zur Hälfte oder komplett elektrisch gefahren wird oder ob das nur ein Hype ist. Diese Unsicherheit belastet Unternehmen, die langfristig planen müssen.“
Eine Elektroauto-Ladestation (Foto: picture alliance/dpa/Kay Nietfeld)
Eine Elektroauto-Ladestation

Wolfgang ist aber der Meinung, dass man die Hoffnung nicht aufgeben sollte. Denn viele Firmen werden sich an veränderte Wünsche der Kunden anpassen müssen. Auch hier nennt er wieder die Autozulieferer als Beispiel und das Stichwort Elektroautos:

"Bestimmte Teile werden dann nicht mehr gebraucht. Firmen müssen sich umorientieren. Sie müssen in alternative Produkte investieren oder die Produktion umstellen. Dann können sich Betriebe auch in einer veränderten Welt halten."

Über diese Sendung wurde auch am 28.11.2019 bei UNSERDING mit Valentina berichtet.