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Chiara Klein - Spielerin beim 1. FCS (Foto: UNSERDING)
"Fast keiner weiß, dass WM ist."

Seit sieben Jahren spielt die 21-jährige Chiara aus Lebach bei den Frauen vom 1. FCS. Sie spielen in der zweiten Bundesliga. Anders als bei den Männern muss Chiara aber trotz ihrer Fußballkarierre arbeiten, sie macht eine Ausbildung zur Polizistin. Das alles unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach, und die ganze Arbeit wird nur mit mäßigem Interesse am Frauenfußball honoriert. Eigentlich traurig, sagt Chiara. Wir haben mit ihr über Frauenfußball und ihre Pläne für die Zukunft gesprochen.

UNSERDING: Wie oft bist du im Training?

Chiara: Wir trainieren unter der Woche meist vier bis fünfmal. Dann kommt sonntags noch das Spiel dazu. Da muss man aber auch immer wieder beachten, wo wir spielen – auswärts oder zuhause. Gerade in der zweiten Bundesliga gibt es viele weite Auswärtsfahrten. Deshalb sind es in der Woche eigentlich so rund sechs Trainingseinheiten.

UNSERDING: Wie sieht dein Alltag aus?

Chiara: Ich gehe morgens arbeiten, meistens so acht Stunden. Danach fahre ich nach Hause und gucke, dass ich die ganzen Lernsachen vom Schultag in meinen Tagesplan einbinde und dann fahre ich ins Training. Wenn ich danach heimkomme, gehe ich dann auch direkt ins Bett. Es ist eigentlich jeden Tag das gleiche, viel Freizeit oder Zeit mit der Familie ist leider nicht drin. Aber solange es Spaß macht, nehme ich das gerne in Kauf – und irgendwann kommt die Zeit, in der es anders ist.

UNSERDING: Ist es nicht schwierig, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen?

Chiara: Ich habe das große Los erwischt, dass ich es geschafft habe, in die Sportfördergruppe der Polizei zu kommen. Das heißt, ich werde von meinem Arbeitgeber für Training, Spiele und alles, was mit meinem Sport zu tun hat, freigestellt. Das ist schon eine Erleichterung, weil es anders gerade auch mit Klausuren und allem schwer unter einen Hut zu bringen wäre.

UNSERDING: Viele Leute interessieren sich für Männerfußball, Frauenfußball bekommt nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Wie gehst du damit um?

Chiara: Also es ist schon manchmal traurig anzusehen, weil bei Herren und Frauen der Aufwand tatsächlich der Gleiche ist. Es bringt mir nichts, mich darüber aufzuregen, weil ich ja nichts daran ändern kann. Deshalb genieße ich die Zeit und mache es solange, wie es mir Spaß macht.

UNSERDING: Weißt du, warum Frauenfußball so viel weniger populär ist?

Chiara: Die Frage wurde mir schon oft gestellt, aber ich weiß einfach keine Antwort darauf, weil es für mich eigentlich das Gleiche ist. Ich spiele ja auch in einer Frauenmannschaft und kann es deswegen noch weniger verstehen und finde es traurig.

UNSERDING: Warum ist Frauenfußball aber eigentlich genauso interessant, wie wenn die Männer spielen?

Chiara: Tempomäßig sind die Frauen dann doch etwas schlechter als die Männer, aber ich denke das ist halt auch viel genetisch bedingt. Aber technisch und taktisch sind die Frauen mindestens genauso gut ausgestattet – spielmäßig auch. Und ich finde, dass es auf dem Platz genauso super aussehen kann, wie bei den Herren. Es ist einfach schön, es anzusehen.

UNSERDING: Merkst du, dass das Interesse an Frauenfußball gestiegen ist?

Chiara: Rein theoretisch schon, aber noch lange nicht so viel, wie bei der Herren-WM. Da gibt es dann auch das Public Viewing, das wird bei den Frauen eigentlich gar nicht so in Betracht gezogen. Von daher ist das auch immer noch so ein Punkt, der im Hintergrund landet. Ich selbst gucke die Spiele natürlich und fiebere auch mit. Aber leider gibt es viele, die gar nicht wissen, dass derzeit die Frauen-WM stattfindet.

UNSERDING: Wie geht es für dich denn beruflich und sportlich weiter?

Chiara: Oberste Priorität ist jetzt erstmal meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, weil mein Beruf mir sehr wichtig ist. Außerdem muss man auch immer daran denken, dass es noch ein Leben nach dem Fußball gibt. Gerade bei mir, mit meiner Vorgeschichte mit zwei Kreuzbandrissen, wer weiß, was in Zukunft passiert. Deshalb peile ich jetzt erstmal meine Ausbildung an und werde dann abwarten, wie weit ich fußballmäßig noch aufsteige oder einfach so weiterspiele, wie es gerade ist.

Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING Morning-Show am 18.06.2019 berichtet.