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Aufnahmen von der Wohnsiedlung "Folsterhöhe" in Saarbrücken (Foto: UNSERDING/Florian Rahbari)
Folsterhöhe - echt asozial?

In der Spiegel TV-Reportage zu Saarbrücken wird auch die Folsterhöhe gezeigt: Eine tote Katze im Garten, verkritzelte Aufzüge die nach Urin riechen, Blut im Eingang, Dreck und Ratten. Ein Symbolbild für die schlimmen Zustände, die im Saarland und Saarbrücken herrschen.

Pascal wohnt seit seiner Kindheit auf der Folsterhöhe. Früher – in den 60er Jahren, als seine Oma dort einzog – war die Siedlung sehr beliebt. Es gab schon überall Heizungen und auch Aufzüge. Heute ist die Folster, wie das Viertel auch genannt wird, aber nicht als eine der besten Wohngegenden bekannt. Vollkommen zu Unrecht, findet Pascal: "Ich habe eine super Jugend gehabt. Auf der Folsterhöhe gefällt es mir gut, dass wir so nah an Frankreich wohnen und direkt den Deutsch-Französischen Garten vor der Tür haben. Schöner geht es praktisch gar nicht." Außerdem schwört Pascal auch auf die Ehrlichkeit und den Zusammenhalt der Folsteraner.

Die Folsterhöhe in Saarbrücken

In Spiegel TV ging es unter anderem um die Folsterhöhe in Saarbrücken. Das Wohngebiet, was im Film aber ganz eindeutig als dreckiges Ghetto gezeigt wird, hat aber auch schöne Seiten. Die Folsterhöhe liegt mitten im Grünen, ist sehr nah an Frankreich und noch näher am Deutsch-Französischen Garten. Wir waren dort mal unterwegs, um auch die schönen Ecken zu zeigen.

Zu wenig Putzkräfte

Aber es ist eben auch nicht alles schön. Die Bilder von der Spiegel-Reportage sind vor Ort entstanden. Allerdings nur in einem Gebäude der Wohnsiedlung: "Es gibt noch einen Problemblock, da sieht es aus, wie es aussieht. Ich kenne den auch nicht anders. Ich bin da großgeworden. Wenn da Kot, Urin oder Erbrochenes im Hausgang liegt, gehört das da dazu." Es gebe zwar auch Putzfrauen, die würden es aber speziell dort einfach nicht mehr schaffen, alles in Schuss zu halten. Dass in dem Block so schlimme Zustände herrschen, kann auch daran liegen, dass es der einzige ist, der noch nicht renoviert wurde. Seit 60 Jahren wurde da nichts gemacht, sagt Pascal.

"Ich habe eine super Jugend gehabt."
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"Ich habe eine super Jugend gehabt."

Adresse kann Jobsuche erschweren

Das Image von der Folster ist aber auch im Saarland tatsächlich nicht unbelastet. So hat Pascal auch schon Erfahrungen damit gemacht, dass seine Adresse für Diskussionen oder Schwierigkeiten sorgt. Bei der Jobsuche kann es auch problematisch sein: "Ich will nicht sagen, dass niemand einen Job findet, wegen der Adresse. Es gibt aber natürlich Sonderfälle, in denen man es schwierig hat. Es kann schonmal vorkommen, dass im Bewerbungsgespräch der Kommentar fällt: 'Du kommst ja von der Folsterhöhe'. Da sind Vorurteile im Spiel und dann ist es schwer, denjenigen zu überzeugen. Aber da habe ich auch keine Motivation mehr, mich zu rechtfertigen und zeige kein Interesse mehr." Dass man aber keinen Job findet, nur weil man von der Folsterhöhe kommt, hält Pascal für Schwachsinn.

Foto von der Berliner Promenade in Saarbrücken (Foto: Instagram/kevin.is.not.here)
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#besseralsdudenkst
Bürgerpark, Alpaka-Farm, Ludwigskirche, St. Johanner Markt...Saarbrücken hat viele schöne Orte. Welche das sind, findet ihr aktuell auf Instagram, unter dem Hashtag #besseralsdudenkst.

Bester Ausblick in Saarbrücken

Pascal ist also happy in seinem Wohnviertel. Aber er sieht auch, dass es noch Verbesserungsbedarf gibt: "Ich würde mehr für die Jugend tun. Es gibt zwar Spielplätze und das Freizeitzentrum, aber zu wenig Angebote. Man hat halt nicht so viel auf der Folsterhöhe." Leuten, die eine Wohnung suchen, kann er sein zuhause aber immer nur weiterempfehlen: "Kommt hoch. Schaut euch die Wohnung an. Wir haben den besten Ausblick in ganz Saarbrücken, da kann uns kein Stadtteil das Wasser reichen."

Doku von Jugendlichen über ihren Block

"Das, was im Spiegel-Beitrag gezeigt wurde, sieht man in jeder Stadt."
Filmemacher Dilnas über die Spiegel TV-Reportage zu Saarbrücken
"Das, was im Spiegel-Beitrag gezeigt wurde, sieht man in jeder Stadt."
Dilnas ist ein junger Filmemacher aus dem Saarland und er hat schon vergangenes Jahr eine Doku über die Folsterhöhe gemacht. Für ihn war es wichtig, in seinem Film zu zeigen, dass die Siedlung viele Gesichter hat. In der Reportage vom Spiegel findet er, werden Dinge gezeigt, die in jeder Stadt irgendwo existieren: "Ich fand es ein bisschen komisch, dass genau diese Sachen so hochgepusht wurden."

In der Doku "Crossover Folster 117" geht es um die Folsterhöhe - Ein Film von jungen Leuten, die sich und ihren Block zeigen.

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I Love SB startet Charity-Aktion

Saarbrooklyn Buttons von der Initiative "I Love SB" (Foto: I Love SB)
Saarbrooklyn-Buttons für den guten Zweck
Eine Spiegel TV-Reportage über Saarbrücken erhitzt derzeit die Gemüter im Saarland. Als Reaktion darauf hat eine Saarbrücker Gruppe eine Charity-Aktion gestartet. Buttons mit der Aufschrift "Saarbrooklyn" werden für einen guten Zweck verkauft. Der Erlös kommt den Tafeln und einem Obdachlosenprojekt zugute


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Sendung "UNSERDING mit Moritz" vom 17.07.2019 berichtet.