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Schweine im Stall (Foto: pixabay.com)
Corona in der Fleischindustrie - neue Regelungen

Immer wieder kamen Meldungen auf, dass es in Schlachtbetrieben vermehrt Corona-Infektionen gibt. Jetzt wird über die Arbeitsbedingungen in der Branche diskutiert. Und das bringt auch die Frage nach dem Preis für Fleisch auf den Tisch und welcher Preis fair ist. 

Am Mittwoch beschloss die Bundesregierung, dass die Vorschriften zum Arbeitsschutz in der Fleischindustrie verbessert werden sollen. Deshalb sollen auch die Werkverträge verboten werden, ab nächsten Jahr. Viele Arbeiter in Schlachtbetrieben sind bisher über solche Verträge angestellt.

Aber was ist ein Werkvertrag?

UNSERDING-Reporter Kai erklärt: „‚Werkvertrag‘ heißt, dass die Beschäftigten nicht direkt vom Schlachthof angestellt werden, sondern dann Subunternehmen dazwischengeschaltet sind. Oder, wie der Arbeitsminister sagt, ganze Ketten: Sub-Sub-Subunternehmer. Das macht die Kontrolle dann so schwierig. Und über diese zwischengeschalteten Subunternehmer kaufe ich eine Leistung ein. Das Schlachten oder das Zerlegen der Tiere. Habe aber, als Schlachthof selbst, mit den Menschen die da arbeiten, gar nichts mehr zu tun. Und das ist das Problem, sagen die Kritiker. Man kann nicht mehr kontrollieren, was geschieht, die Verantwortung wird abgeschoben, die Ketten sind einfach zu lang.“

Bei kleineren Betrieben ist das nicht so, die werden deswegen von der Regelung ausgenommen. Sie sind aber auch viel weniger betroffen. Biobauer Daniel arbeitet zum Beispiel mit solchen kleinen Betrieben zusammen und sagt: „Ich fahre meine Tiere meistens selbst zum Metzger, das sind alles kleine Handwerksbetriebe, Familienbetriebe mit 3 oder 4 Angestellten. Ich bin dabei, wenn die Tiere geschlachtet werden, ich kenne die Leute persönlich, da ist ein ganz anderes Verhältnis da.“ Ab Januar 2021 sollen nur noch Mitarbeiter des eigenen Betriebes Tiere schlachten und das Fleisch verarbeiten dürfen. Biobauer Daniel findet das gut: „Ich find’s gut, wenn da die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Und die Arbeiter entsprechend auch ordentlich bezahlt werden, ordentlich für Sicherheit gesorgt wird, da einfach ordentlich Arbeitsbedingungen herrschen.“

Schweine auf einer Wiese (Foto: pixabay.com)
Beim Biobauern leben die Schweine draußen

Neben dem Verbot dieser Werkverträge sollen zum Beispiel auch die Bußgelder bei Verstößen gegen Vorschriften zur Arbeitszeit erhöht werden. Und Unternehmen sollen gezwungen sein, die Gesundheitsstandards einzuhalten. Hierfür soll es stärkere Kontrollen geben. In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt über 370 größere (ab 20 Mitarbeitern) Schlachtbetriebe. Außerdem noch über 1000 Betriebe zur Verarbeitung. 

Kann sich das auf den Preis für Fleisch auswirken?

„Ja“, sagt UNSERDING-Reporter Kai. „Das wird ja schon lange diskutiert: Sind die Lebensmittelpreise in Deutschland überhaupt angemessen, damit alle, die damit zu tun haben in der Verarbeitung und im Verkauf angemessen bezahlt werden?“ Deutschland bewegt sich da eher im niedrigen Bereich. Aber ob die Veränderung im nächsten Jahr wirklich etwas am Preis ändern, ist schwierig zu berechnen. „Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hat das mal probiert, und sagt es könnte so 10 Cent pro Kilogramm ausmachen. Andere sagen man kann das schlecht berechnen, weil die Kette so lang ist. Vom Bauern über die Transportunternehmen, über die Schlachthöfe bis hin zum Supermarkt.“ Klar sei aber: Wer faire Arbeitsbedingungen will muss bereit sein, mehr für Fleisch zu zahlen. Aber ebenfalls klar ist: Nicht jeder kann sich das leisten.

Hackfleisch (Foto: pixabay.com)
Gutes Fleisch hat seinen Preis

Biobauer Daniel schätzt, dass beispielsweise ein Kilogramm Schweinehackfleisch mindestens 9 Euro kosten sollte, damit die Qualität gut sein kann. „Bei allem darunter würde ich persönlich stutzig werden.“ Sein Fleisch ist teurer, für ihn ist das aber auch gerechtfertigt: „Die Schweine werden im Freien gehalten, draußen auf einer Wiese. Die können alles machen, was so ein Schwein natürlicherweise gerne tut. Also eine sehr artgerechte Haltung, die aber natürlich aufwendig und arbeitsintensiv ist. Die Schweine wachsen dann auch langsamer, bei uns braucht ein Schwein  ein gutes Jahr, bis es schlachtreif ist. Das ist die doppelte Zeit zu dem, was in der konventionellen, intensiven Mast gebraucht wird.“ Somit sei das Fleisch aber auch natürlicher und die Qualität um einiges besser. Sein Ratschlag: „Weniger Fleisch essen, aber dafür auf die entsprechende Qualität achten.“

Fleischindustrie im Saarland

Im Saarland gibt es laut Sebastian Thul, Staatssekretär im Umweltministerium, keine solchen Probleme in der Fleischindustrie. Denn die Betriebe seien hier einfach kleiner. Laut ihm schichtet der größte Betrieb im Saarland etwa 2500 Tiere pro Jahr, in manchen Betrieben in anderen Bundesländern sei das jeden Tag die Anzahl der Schlachtungen. 

Zahlen für’s Saarland:

Im Saarland gibt es insgesamt 151 Fleischbetriebe. Bei 42 davon handelt es sich um Schlachtbetriebe. In drei von ihnen werden mehr als 1000 Tiere pro Jahr geschlachtet. Fünf Betriebe kommen auf 200 bis 800 Schlachtungen pro Jahr. Sie beschäftigten nach Regierungsangaben keine Leiharbeiter. 34 saarländische Schlachtbetriebe seien Kleinstbetriebe. Sie schlachteten nur vereinzelt, z.B. für die eigene Metzgerei. Fleisch werde im Saarland von 80 Metzgereien ohne eigene Schlachtung und 29 Betrieben der Fleischwarenindustrie verarbeitet. 


Worauf achten beim Kauf von Fleisch?

Die Verbrauchzentrale gibt Tipps dazu, wie sich gutes Fleisch erkennen lässt.

Schweinefleisch:

Meistens stammt Schweinefleisch von Tieren, die zwischen sechs und zehn Monate alt sind. Wenn sie geschlachtet werden wiegen sie um die 110 Kilogramm. Spanferkel sind nur etwa drei bis fünf Wochen alt.

Beim Kauf von Schweinefleisch solltet ihr auf die Farbe achten. Gutes Fleisch vom Schwein ist hell- bis zartrosa und zartfaserig. Außerdem sollte eine leichte Marmorierung zu erkennen sein, das Fleisch sollte also mit Fettadern durchzogen sein. Das ist wichtig für den Geschmack.

Rindfleisch:

Kalbsfleisch kommt von Rindern, die maximal acht Monate alt sind. Rindfleisch kann auch von jungen oder von älteren Tieren stammen. Im Handel wird zwischen verschiedenen Arten unterschieden: Jungbullenfleisch, Kuhfleisch, Färsenfleisch, Ochsenfleisch und Jungrindfleisch. Je nachdem wie alt das Tier bei der Schlachtung war, macht das starke Unterschiede im Fleisch aus.

Beim Kauf solltet ihr je nach Art des Fleischs auf Verschiedenes achten.

  • Beim Kalbfleisch: hell (rosa bis hellrot), sehr zart (feinfaserig). Weißes Fleisch lieber nicht kaufen, hier haben die Tiere beim Füttern wenig Eisen bekommen.

  • Beim Kuhfleisch: bräunlich bis dunkelrot, grobfaserig, mittlere bis starke Verfettung, gut marmoriert.

  • Beim Jungbullenfleisch: hell- bis mittelrot, grobfaserig, geringer Fettansatz mit weißen Fettadern

  • Beim Färsen- und Ochsenfleisch: hell- bis mittelrot, sehr feine bis mittelfeine Fasern, helle Fettmaserung mit Fettadern.

In der EU ist übrigens über jedes Tier bekannt, wo es geboren und aufgezogen wurde, und wo es geschlachtet und zerlegt wurde. Dafür gibt es ein System. Hierfür werden die Tiere einerseits gekennzeichnet, andererseits werden auch Unterlagen dokumentiert. So könnt ihr beim Kauf zum Beispiel sehen, aus welchem Land das Tier kam. Beim Rindfleisch ist diese „Herkunftskennzeichnung“ Pflicht. Sie entfällt aber, wenn das Fleisch verarbeitet ist, also zum Beispiel mariniert.

Bio und Siegel

Außerfdem könnt ihr natürlich darauf achten, wie die Tiere, deren Fleisch ihr kauft, ernährt und gehalten werden.

Wenn ihr zum Beispiel sicher gehen wollt, dass die Tiere nicht auf engstem Raum im Stall stehen, dann könntet ihr Biofleisch kaufen. Oder auch auf das Neuland oder das Tierwohl-Siegel achten. Da ist überall vorgeschrieben, wieviel Platz die Tiere haben müssen - und, dass sie genug Licht abbekommen.

Damit ein Bauer "Bio" auf sein Fleisch schreiben darf, ist Tageslicht ein Muss und der notwendige Platz ist vorgeschrieben. Das Futter muss ohne Gentechnik sein und die Tiere bekommen weniger Medikamente. Biofleisch ist in der Regel aber auch teurer.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Show mit Moritz am 20. Mai 2020 berichtet.