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Eine Moschee am Abend (Foto: dpa)
Interview zum Fastenmonat Ramadan
"Ich faste aus Gewohnheit."

Am 6. Mai ist für gläubige Muslime der Fastenmonat Ramadan gestartet. Das bedeutet auch für den 31-jährigen Tarek aus Saarbrücken: tagsüber kein Essen und keine Getränke. Für ihn ist der Beweggrund für das Fasten aber nicht in erster Linie seine Religion, sondern die Atmosphäre. Ob es ihm schwerfällt und was er am meisten vermisst, hat er uns im Interview erzählt.

Der Fastenmonat Ramadan hat begonnen - für gläubige Muslime ist das der heiligste Monat im Jahr. Das Fasten beginnt bei Sonnenaufgang und endet nach Sonnenuntergang. Am Abend wird dann zunächst gebetet und erst dann wieder gegessen. Der Beginn des Ramadan selbst richtet sich nach dem Mondkalender - da das Mondjahr aber kürzer ist als das Sonnenjahr, verschiebt sich die Fastenzeit immer um einige Tage und kann deshalb zu jeder Zeit im Jahr stattfinden.

Übrigens werden nicht nur Essen und Getränke gefastet - für Muslime ist tagsüber auch das Rauchen und Sex verboten. Das Fasten ist für alle gläubigen Muslime Pflicht, ausgenommen sind allerdings Kinder, Kranke, Schwangere, Reisende und Menschen, die harter körperlicher Arbeit nachgehen. Nach dem Ramadan gibt es dann das Fastenbrechfest, das auch Zuckerfest genannt wird.

Auch der 31-jährige Tarek aus Saarbrücken fastet seit mehr als 20 Jahren während des Ramadans - Für ihn steht beim Ramadan aber nicht seine Religion im Vordergrund.


UNSERDING: Wie sieht dein Tag im Ramadan aus?

Tarek: Wir stellen uns ungefähr eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang einen Wecker und essen noch was, dann legen wir uns wieder hin. Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, das ist so circa von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends. Abends kommt dann die Familie zusammen oder man wird von Freunden zum Essen eingeladen und dann isst man gemeinsam.

"Ich faste aus Gewohnheit."
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"Ich faste aus Gewohnheit."

UNSERDING: Warum fastest du?

Tarek: Irgendwie ist es mittlerweile auch aus Gewohnheit, denn ich mache das schon, seit ich sieben Jahre alt bin. Außerdem finde ich das Zusammensein ganz schön. Man unternimmt mehr mit der Familie oder wird auch abends zu Freunden eingeladen.

UNSERDING: Wie hart ist der Verzicht?

Tarek: Die ersten paar Tage sind schon anstrengend, weil sich der Körper immer erst daran gewöhnen muss. Aber dadurch, dass ich das wirklich jedes Jahr mache, geht das relativ schnell. Ich glaube für jemanden, der das noch nie gemacht hat, für den wäre es anstrengender in den Ramadan reinzukommen. Da ich vor lauter Arbeit aber immer vergesse zu essen und zu trinken, ist das für mich eigentlich überhaupt kein Problem. Aber ich muss gestehen, dass es mir im Sommer manchmal echt schwerfällt, nichts zu trinken. Vor allem dann, wenn ich Sport mache wird es grenzwertig.

Ramadan: Ist das Fasten schädlich für den Körper?
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Ramadan: Ist das Fasten schädlich für den Körper?
Während des Ramadans dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Wie wirkt sich das auf den Körper aus? Ist es vielleicht sogar schädlich? "Ungesund ist das auf keinen Fall, denn unser Körper ist so konstruiert", sagt Dr. Florian Schumacher. Für Leute mit Diabetes kann es allerdings schwierig werden - und auch die Stimmung kann unter dem Fasten leiden.

UNSERDING: Du boxt in deiner Freizeit. Wie ist es denn, wenn du Sport machst?

Tarek: Ich mache alles wie sonst auch, nur dass ich nichts trinke. Mir ist es aber noch nie passiert, dass ich irgendwie Probleme mit dem Kreislauf hatte. Aber wenn ich merke, dass es zu heftig wird, dann höre ich auch auf mit dem Sport und lege mich ins Bett und chille.

UNSERDING: Welcher Verzicht fällt dir denn besonders schwer?

Tarek: Pizza – ich bin doch so ein Pizza-Suchti.

UNSERDING: Wie ist es, mit Kumpels unterwegs zu sein, die nicht fasten?

Tarek: Für mich ist das gar kein Problem, weil ich mich darauf eingestellt habe. Ich kenne das auch schon, wenn ich der einzige bin, der fastet und alle Freunde um einen rum eben nicht. Die essen und versuchen manchmal auch mich zu ärgern oder mit Süßigkeiten zu locken, so aus Spaß. Aber ich lache einfach darüber.

UNSERDING: Bist du auch sonst gläubig?

Tarek: Ich bin nicht soooo gläubig. Ich bete nicht fünfmal am Tag. Ehrlich gesagt mache ich Ramadan auch nur deshalb, weil ich die Atmosphäre genieße und das Zusammensein einfach schön finde.


Über dieses Thema wird auch in der UNSERDING-Radiosendung "UNSERDING mit Michi" am 08.05.2018 berichtet.