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Eine Moschee in Köln (Foto: dpa)
"An den Durst kann ich micht nicht gewöhnen."
Muslim Hassan spricht über den Ramadan

Am 16. Mai ist für gläubige Muslime der Fastenmonat Ramadan gestartet. Das bedeutet auch für den 25-jährigen Hassan aus Fuhrpach: tagsüber kein Essen, keine Getränke und keinen Sex. Ob ihm das schwerfällt, wie seine Freunde damit umgehen und wie es läuft, wenn er Prüfungen schreiben muss, hat er UNSERDING im Interview verraten.

Am 16. Mai hat für Muslime in Deutschland der Fastenmonat Ramadan begonnen - für gläubige Muslime ist das der heiligste Monat im Jahr. Das Fasten beginnt bei Sonnenaufgang und endet nach Sonnenuntergang. Am Abend wird dann zunächst gebetet und erst dann wieder gegessen. Der Beginn des Ramadan selbst richtet sich nach dem Mondkalender - da das Mondjahr aber kürzer ist als das Sonnenjahr, verschiebt sich die Fastenzeit immer um einige Tage und kann deshalb zu jeder Zeit im Jahr stattfinden.

Übrigens werden nicht nur Essen und Getränke gefastet - für Muslime ist tagsüber auch das Rauchen und Sex verboten. Das Fasten ist für alle gläubigen Muslime Pflicht, ausgenommen sind allerdings Kinder, Kranke, Schwangere, Reisende und Menschen, die harter körperlicher Arbeit nachgehen. Nach dem Ramadan gibt es dann das Fastenbrechfest, das auch Zuckerfest genannt wird.

Auch der 25-jährige Hassan aus Fuhrpach fastet seit mittlerweile rund zehn Jahren während des Ramadan - und hat uns davon erzählt.


UNSERDING: "Wie wichtig ist Ramadan für dich?"

Hassan: "Sehr wichtig, weil es eine der fünf Säulen der Religion ist. Außerdem bringt Ramadan auch mehr mit, als nur auf essen und trinken zu verzichten. Man sagt immer, man soll mit den Ohren, den Augen und dem Mund fasten – sprich man soll auch den ganzen Tag ein bisschen umstellen."

UNSERDING: "Was fällt jetzt alles unter das Fasten?"

Hassan: "Konkret ist wirklich nur das Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang festgesetzt – oder besser gesagt vom Morgengebet bis zum Abendgebet. Bei den anderen Sachen richtet es sich danach, wie man es selbst für sich auslegt. In dem Monat soll man sich wirklich mit seiner Religion befassen – auch spirituell. Bei Fasten mit dem Mund ist zum Beispiel auch gemeint, dass man nicht so viel fluchen soll, nicht über andere Menschen lästern soll oder sich anderem Gossip widmet."

UNSERDING: "Zum wievielten Mal fastest du jetzt?"

Hassan: "Ich kann es jetzt nicht genau sagen. Man fängt eigentlich an, wenn man geschlechtsreif wird. Ich glaube ich habe mit dreizehn Jahren angefangen. Aber der Ramadan verschiebt sich aber auch immer, weil das Mondjahr kürzer ist als das normale Jahr. Und als ich damals in das Alter gekommen bin, war es Winter. Da war der Tag noch nicht so lang und es fiel mir daher leichter zu fasten."

UNSERDING: "Wie sieht es mit Sex aus?"

Hassan: "Das ist auch eine der Sachen, auf die man verzichten soll."

UNSERDING: "Warum fastest du?"

Hassan: "Ich finde, über die Tatsache hinaus, dass es eine der Säulen des Islam ist, dass mir die Fastenzeit gut tut. Vor allem in dem Sinne, dass es mich ein bisschen erdet und Demut lehrt. Wenn man den ganzen Tag auf Essen und Trinken verzichtet, wird einem vielleicht auch eher bewusst, was man im Leben hat und wie gut es einem geht. Denn die Fastenzeit fällt mir – obwohl ich es seit rund zehn Jahren mache – immer noch nicht so leicht.

UNSERDING: "Kann man gläubiger Muslim sein und beim Fasten nicht mitmachen?"

Hassan: "Da spreche ich jetzt nur von mir, denn da muss jeder seinen Glauben selbst auslegen, gerade im Islam gibt es so viele Diskussionen darüber, wie man die Religion auslegt. Man muss wirklich sagen: Der Glaube ist für einen selbst. Das mache ich ja nicht für meine Eltern oder meine Mitmenschen, sondern für mich. Deshalb finde ich, obliegt es mir auch nicht, dass ich darüber urteilen kann, dass jemand der nicht fastet, kein gläubiger Muslim ist."

UNSERDING: "Es gibt ja auch Ausnahmen - wie ist es, wenn du krank wirst?"

Hassan: "Man muss sagen, dass Ramadan auch nur dann durchgeführt werden soll, wenn man körperlich oder auch geistig dazu fähig ist. Gerade wenn man in ein bestimmtes Alter kommt, wie zum Beispiel meine Großeltern, oder man irgendwelche chronischen Krankheiten hat, bei denen man viel trinken und Tabletten nehmen muss, dann ist es nicht nur so, dass man Ramadan nicht machen soll, sondern so, dass man es tatsächlich nicht darf. Denn man soll seinem Körper nie schaden."

UNSERDING: "Wie ist das bei wichtigen Schulprüfungen oder Sportveranstaltungen?"

Hassan: "Es gibt definitiv auch Tage oder Ereignisse, an denen man legitimieren kann nicht zu fasten. Was das ist, das muss jeder für sich selbst wissen und seine Prioritäten setzen. Bei normalem Sportunterricht könnte man sagen, das ist eher nicht so wichtig. In zwei Wochen stehen beim Championsleague-Finale aber zwei Muslime für Liverpool auf dem Platz, da geht es ja schon um etwas. Da gibt es immer die Möglichkeit zu sagen, ich faste an dem Tag nicht und man kann den Tag dann nachholen.

Bei wichtigen Klausuren habe ich zum Beispiel auch nicht gefastet. Die Tage darf man dann bis zum nächsten Jahr, wenn Ramadan wieder anfängt, nachholen. Man ist daher auch frei, wann man es macht. Wenn man schlau ist, macht man es im Winter, dann ist der Tag kürzer."

UNSERDING: "Führen dich Freunde in Versuchung?"

Hassan: "In einem gewissen Alter verführt das einen schon, aber aus dem Alter ist man dann auch irgendwann raus. Bei meinem Freundeskreis ist es immer so, dass die Bescheid wissen, wann die Fastenzeit ist, und die nehmen da eigentlich auch ziemlich gut Rücksicht auf mich.

Natürlich trinken die was, wenn sie tagsüber Durst haben oder gehen zur Mittagszeit in die Kantine, aber es ist jetzt nicht so, dass sie mir das unter die Nase reiben. Aber zum Verführen braucht es auch nicht die Freunde. Essen und Trinken sieht man den ganzen Tag überall – da muss man selbst mental stark sein."

UNSERDING: "Was fällt dir am schwersten?"

Hassan: "Tatsächlich der Verzicht auf die Flüssigkeit. Den Hunger vergisst man, der Körper gewöhnt sich dran, der Magen gewöhnt sich nach ein paar Tagen daran, aber das Durstgefühl, daran kann ich mich nicht gewöhnen. Das ist auch wirklich schwer. Ramadan verschiebt sich ja auch jedes Jahr und daher hatten wir in den letzten Jahren auch wirklich im Hochsommer Ramadan, da ist es mir schon sehr schwergefallen."

UNSERDING: "Wie ist das abends, wenn ihr wieder was essen dürft?"

Hassan: "Normalerweise müsste man ein bisschen intelligenter sein und sich gezielt ernähren, aber meistens ist es bei arabischen Familien so, dass abends direkt ein Festmahl serviert wird. Es wird dann angefangen zu essen und zu trinken und das auch in großen Mengen. Aber so tut man sich eigentlich die komplette Ramadan-Zeit keinen Gefallen, weil man sich so viel schwieriger dran gewöhnt mit weniger Essen klarzukommen."

UNSERDING: "Das heißt, man nimmt in der Fastenzeit auch nicht ab?"

Hassan: "Nein. In der Fastenzeit nimmt man tatsächlich eher zu, weil man es falsch macht. Fasten ist eigentlich, wenn man mit Spitzensportlern redet, eine wirklich sehr sehr gute Methode, um in Form zu kommen, aber da ist die Ernährung auch angepasst. Wenn man jetzt wirklich den ganzen Tag nichts isst, dann geht der Körper ein bisschen auf Reserve und wenn man dann abends Süßigkeiten reinstopft, dann nimmt es der Körper auf und setzt es direkt als Fett an. Deshalb nehmen viel in der Fastenzeit eher zwei oder drei Kilo zu."

UNSERDING: "Zum Abschluss gibt es dann das Zuckerfest - wie sieht das denn aus?"

Hassan: "Das geht zwei bis drei Tage und man kann es mit den Festen hier in Deutschland vergleichen. Wir gehen die Familie besuchen, es gibt Essen und Getränke und es wird groß zelebriert. Der Name kommt auch nicht von ungefähr, da gibt es auch wirklich eine große Variation von Süßigkeiten der arabischen Küche. Zum Beispiel Baklava – ein Blätterteig-Teilchen mit Pistazien und sehr sehr viel Zuckerguss."


Über dieses Thema wird auch in der UNSERDING-Radiosendung "UNSERDING mit Stephanie" am 16.05.2018 berichtet.