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Cheerleader Pablo mit seiner Vereinskollegin von den "Purple Diamonds Allstars" (Foto: UNSERDING)
"Wir tanzen nicht, wir machen Akrobatik."

Pablo ist Abteilungsleiter der Cheerleading-Gruppe beim TV St. Wendel - und ist auch aktiver Cheerleader bei den "Purple Diamonds Allstars". Wie ist er als Typ dazu gekommen, einen Sport zu machen, den sonst überwiegend Frauen machen? Bekommt er da oft blöde Sprüche zu hören? Und warum muss die Sportart gegen so viele Vorurteile kämpfen? Das hat uns Pablo im Interview erzählt.

UNSERDING: Warum hast du dir Cheerleading ausgesucht?

Pablo: So richtig ausgesucht habe ich mir das nicht. Eigentlich bin ich da über meine Ex-Freundin reingerutscht, das war ein Zufall. In der Gruppe, in der meine Ex getanzt hat, gab es eine Verletzte. Meine Freundin war deswegen super niedergeschlagen, also habe ich das mal ausprobiert, um ihr einen Gefallen zu tun. Dabei habe ich dann gemerkt, dass es verdammt cool ist, weil es auch herausfordernd ist. Und mittlerweile mache ich das seit ungefähr zwölf Jahren.

UNSERDING: Cheerleading wird von vielen Menschen eher als "Frauensport" gesehen. Wie siehst du das?

Pablo: Im Grunde genommen stimmt das schon. Obwohl Cheerleading früher ein reiner Männersport war – übrigens war George W. Bush früher Cheerleader. Aber bei uns ist es auch so, dass das hauptsächlich Mädels machen. In meiner Gruppe selbst nicht, wir haben 15 Jungs und sieben Mädels, aber von unseren knapp 180 Mitgliedern sind die meisten Mädchen.

UNSERDING: Warst du vorher schon in einem ähnlichen Bereich, wie zum Beispiel Turnen, sportlich aktiv?

Pablo: Eigentlich nicht, aber ich habe früher viele Sportarten gemacht, ich war im Karate, habe Fußball, Volleyball und Tennis gespielt – aber so richtig gefesselt hat mich da nichts.

UNSERDING: Hast du mit Vorurteilen zu kämpfen?

Pablo: Ja – die meisten Leute kennen es nur aus dem Fernsehen, wo beim Football-Spiel die Mädels an der Seitenlinie stehen und knapp bekleidet mit ihren Poms wedeln. Das ist aber nicht das, was wir machen. Wir tanzen nicht, wir machen Akrobatik. Und das machen wir auf Wettkampf-Basis, das heißt, wir machen das nicht für irgendein Team, sondern wir trainieren drei bis fünf Mal die Woche, um auf eine deutsche Meisterschaft zu fahren.

UNSERDING: Kriegst du auch mal blöde Sprüche zu hören?

Pablo: Das kann schon mal vorkommen. Es gibt dann solche Fragen, ob man auch einen Rock trägt und Puschel in der Hand hat. Das sind so die Sprüche, die ab und zu kommen.

UNSERDING: Wie siehst du denn? Ist es tatsächlich eher ein "Frauensport" oder doch eher gemischt?

Pablo: Der Sport ist tatsächlich frauendominiert. Weil es für die Jungs im ersten Schritt auch ein bisschen schwierig ist, einen Einblick oder auch Zugang zu bekommen. Das liegt auch daran, dass da gewisse Vorurteile herrschen und sie sich nicht vorstellen können, dass man da krasse Sachen können muss. Wir springen Flik Flaks, machen Saltos und heben die Mädels auf einer Hand hoch. Da kannst du dir das Fitness-Studio sparen.

Über dieses Thema wird auch in der Sendung UNSERDING mit Moritz vom 18.06.2019 berichtet.