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Fotos von Menschen in einer Ausstellung (Foto: pixabay.com/geralt)
Diversität: "Normal wäre, dass die Hautfarbe egal ist."

„Diversity“: Den Begriff kennt man vielleicht von „Germany’s Next Topmodel“, da fällt er ja sehr oft. Aber was heißt denn „Diversität“ eigentlich? Das klären wir hier. Grundidee ist, dass es kein „anders“gibt, weil alles „normal“ ist. Wir haben auch mit Menschen gesprochen, die  das auch aus ihrer Sicht beschreiben, weil sie aus ganz unterschiedlichen Gründen vielleicht immer noch als „anders“ gelten.

„Es sollte nicht mehr normal sein, dass sich Menschen gezwungen sehen, zwischen zwei Sachen zu wählen, die ihnen gleich wichtig sind.“

- Lasse

„Normal müsste sein, dass ich mir wegen sowas überhaupt keine Gedanken machen müsste.“

– Donald

Diese beiden Zitate stammen von Menschen, die aus verschiedenen Gründen von anderen nicht immer als „normal“ angesehen werden. Lasse ist homosexuell. Donald ist schwarz. Hier erzählen die beiden von Dingen, die sie erlebt haben. Und von Dingen, die sie sich wünschen.

Für Lasse ist das Gefühl, als „anders“ wahrgenommen zu werden, fast alltäglich.Es gibt aber Situationen, in denen dieses Gefühl stärker ist als in anderen: „Diskriminiert gefühlt habe ich mich zum Beispiel in dieser Situation:

"Ich habe zu einer Religionsgemeinschaft der Bahai gehört. Allerdings wollten die, dass ich Gespräche führe wo es darum geht, dass ich meine Sexualität überwinde und wieder ein ‚normaler Heterosexueller‘ werde. Das fand ich eine ziemlich krasse Ausgrenzung. Als Folge habe ich dann leider die Glaubensgemeinschaft verlassen müssen.“

Auch im Alltag spürt er, dass manche Menschen ihn nicht völlig akzeptieren.

„Wenn mein Partner und ich unterwegs sind, dann  kriegen wir schon manchmal komische Blicke und ab und an einen dummen Spruch. Ich persönlich finde das eigentlich okay, ich hab mich daran gewöhnt.“

Lasse kann aber vielen solcher Situationen noch etwas Positives abgewinnen:

„Anders zu sein ist ja nicht grundlegend was Schlechtes. Es ist so, dass ich auf meinem Lebensweg schon Situationen gewählt habe, wo andere sagen, ich würde es mit meiner Andersartigkeit provozieren. Mein Schwerpunkt im Studium ist zum Beispiel Theologie. Aber dementgegen ist es eher so, dass ich mich in meinen Lebensentscheidungen nicht davon beeinflussen lassen habe, dass ich vielleicht anders bin.“
Eine wehende Regenbogenfahne (Foto: pixabay.com/SatyaPrem)
Die Regenbogenfahne ist seit den 1970er-Jahren ein internationales schwul-lesbisches Symbol

Lasse wünscht sich, dass Menschen sich nicht gezwungen sehen müssen, zwischen zwei Sachen zu wählen, die ihnen beide wichtig sind. Zum Beispiel sollte niemand entschieden müssen, ob er seine Sportlerkarriere verfolgt oder seine Transsecxualität. Oder ob jemand Muslima oder lesbisch ist.

"Menschen sollte es eher möglich sein, ihre Identitäten in Einklang zu bringen.“

Donald arbeitet als DJ. Er ist schwarz. Und auch er fühlt sich manchmal anders, schon wegen seiner Hautfarbe.

„Es gab einen Moment, in dem mir das sehr bewusst geworden ist. Da war ich bei meinen Eltern und bin einkaufen gegangen. Und kurz vorher war wohl etwas geklaut worden in dem Geschäft. Ich habe davon nichts mitbekommen und bin ganz normal in den Laden rein. Dann hab ich nur mitgekriegt, wie ein Typ meinte, ‚Das ist er, der hat auch was geklaut.‘ Und ich hab mich gefragt was abgeht, weil ich da ja nix mit zu tun hatte. Da hab ich schon gemerkt, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe in eine Schublade gesteckt werde.“

Zwar sagt er, dass es Glück hat und selten mit offenem Rassismus konfrontiert wird. Allerdings erzählt er auch:

„Klar, es gibt immer und wahrscheinlich überall so unterschwelligen Rassismus. Dass Leute bewusst nicht mit mir sprechen oder so.“

So auffällig wie die Situation im Supermarkt sei das aber selten.

Ein rotes Gummibärchen zwischen weißen (Foto: pixabay.com/Ronile)
Donald hat schon erlebt, dass er nur wegen seines Aussehens in eine Schublade gesteckt wurde

Donald findet, dass die Gesellschaft eigentlich schon sehr offen ist. Eigentlich. Aber:

„Diese Offenheit wird in gewissen Situationen sehr flexibel genutzt. Wenn mal was nicht so gut läuft, dann ist die Gesellschaft direkt geschlossener. Das ist situationsabhängig. Wenn man einen Sündenbock braucht, ist die Gesellschaft noch nicht offen genug.“

Als Normalität wünscht er sich, „dass ich mir wegen sowas überhaupt keine Gedanken machen müsste. Dass sich überhaupt  Menschen mit anderen Hautfarben oder anderem Aussehen gar keine Gedanken deswegen machen müssten!“


Diversität beschreibt die Vielfalt der Menschen in einer Gesellschaft. Zum Beispiel in Bezug auf das Geschlecht, das Alter, die sexuelle Orientierung, Religion, ethnische Herkunft oder Behinderungen. Dabei sollen die Unterschiede als Chance aufgefasst werden! Ziel ist die Herstellung von Chancengleichheit für alle. Die Grundannahme ist, dass es nicht nicht „normal“ und „anders“ gibt, sondern einfach verschiedene Formen von „normal“ existieren. Alle sollten die gleichen Chancen haben und jeder kann und hat etwas, was ein anderer nicht hat. So kann jeder etwas Wichtiges beitragen.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 26. Mai 2020 berichtet.