Ford-Mitarbeiter demonstrieren auf der Straße (Foto: IMAGO / BeckerBredel)
Demo der Ford-Mitarbeiter

In Saarlouis haben am Mittwochnachmittag rund 2500 Menschen gegen die Entscheidung des Ford-Konzerns, seine neuen Elektro-Modelle in Valencia zu bauen, demonstriert. Die Demonstranten zogen von den Werkstoren zur B51 und zum Saarlouiser Röderberg.

In Saarlouis herrscht nach der Entscheidung für das spanische Ford-Werk in Valencia Sprachlosigkeit. Es gibt viele offene Fragen, die beteiligten Gewerkschaftsmitglieder kritisieren das Ford-Management scharf. Es habe keinen fairen Prozess gegeben.

Die Ford-Angestellten hatten viele Zugeständnisse gemacht, um die Zukunft des Standorts zu sichern. Nun herrschen Trauer, Wut und Frustration. Am Mittwoch demonstrierten deswegen rund 2500 der Saarlouiser Ford-Mitarbeiter - und auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) war mit dabei.

Harte Worte der Kritik gab es auch seitens Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen: "Es gab hier nie einen fairen Bieterprozess zwischen den beiden Standorten. Es war von Anfang an ein abgekartetes Spiel." Die Annahmen seien immer wieder so verändert worden, dass es am Ende nur Valencia werden konnte. Die IG-Metall werde nun die Situation öffentlich machen.

Zugeständnisse in Valencia

Zwei Dinge habe Ford mit dem Bieterprozess vermutlich erreichen wollen: Zum einen darzulegen, dass es einen enorm hohen Abstand zwischen den Kosten in Saarlouis und in Valencia gibt. Das sei Ford jedoch nicht gelungen - aufgrund des hervorragenden Angebots des Werks in Saarlouis. Zum anderen um die Kollegen in Valenica "zu drücken". Diese hätten enorme Zugeständnisse gemacht, die der Konzern gerne mitnehme, so Desgranges.

"Und deswegen ist das, was Ford hier gemacht hat, einfach nur bieder, an Dreistigkeit nicht zu überbieten und hat in einem demokratischen Rechtsstaat und in einer sozialen Marktwirtschaft nichts zu suchen", so Desgranges.

Friedliche Demo

Die A8 Pirmasens - Saarlouis in Höhe Dillingen war wegen der Demonstration in beiden Richtungen rund um die Ford-Werke gesperrt. Aus demselben Grund war auch die Henry-Ford-Straße zwischen Dillingen und Roden gesperrt.

Laut Polizei kam es jedoch nicht zu gravierenden Verkehrsbehinderungen. Der Demonstrationszug endete mit einer Abschlusskundgebung an der Anschlussstelle Dillingen. Diese war nach Polizeiangaben gegen 17.00 Uhr beendet.

Betriebsrat und Gewerkschaften wollen weiter kämpfen

Bei der Kundgebung war auch UNSERDING-Reporterin Yvonne Schleinhege vor Ort. Dort wurden weitere Demonstrationen angekündigt, so Yvonne: "Bei der Kundgebung fiel das Zitat 'Das war keine Beerdigung, das war eine Kampfansage'." Am Donnerstagmorgen gab es im Saarlouiser Ford-Werk dann erneut eine Betriebsversammlung. "Das macht man natürlich auch so ein bisschen, um die Arbeit niederzulegen – denn offiziell ist Arbeitskampf in dieser Situation nicht möglich", so Yvonne. Laut Betriebsrat wird die Versammlung bis rund 14.00 dauern, dem regulären Ende der üblichen Frühschicht.

Zudem sind aber auch weitere Maßnahmen geplant. Am Mittwoch hatte der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal angekündigt, dass sie nun alles tun werden, "dass es Ford auch ein bisschen wehtut. Wir werden alle Register ziehen." Und auch die IG Metall will kämpfen - sie hat bekanntgegeben, dass es über den Sommer große Aktionen im Saarland geben wird.