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Jemand wird geimpft (Foto: pixabay.com)
Corona-Impfstoff: Wie sieht's aus?

Wie steht's um einen Impfstoff gegen das Coronavirus? Wie weit ist die Entwicklung und wieso gibt die Bundesregierung Geld dazu? UNSERDING-Reporter Uwe weiß Bescheid.

Update vom 12. August 2020: Als erstes Land der Welt hat Russland am 11. August einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Wie Präsident Putin im Staatsfernsehen mitgeteilt hat, hofft er, dass bald die Massenproduktion starten kann. Laut Putin wurde seine Tochter bereits geimpft. Der Impfstoff wurde allerdings nur knapp zwei Monate lang an Menschen getestet. Das widerspricht den internationalen Kriterien zur Zulassung eines Impfstoffs. Am Mittwoch meldet das Land, dass bereits mehr als 20 Länder den Impfstoff auch haben wollen, unter anderem wolle Brasilien nach eigenen Angaben einen Deal mit Russland schließen, um den Impfstoff selbst zu produzieren. In Deutschland allerdings warnt das Paul-Ehrlich-Institut vor dem russischen Corona-Impfstoff. Laut dem Institut wurde er weder genug getestet noch wurden die bisherigen Ergebnisse transparent gemacht.


Update vom 28. Juli 2020

Die Mainzer Firma BioNTech und der US-Pharmakonzern Pfizer starten heute eine Studie zu einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus. Mit weltweit bis zu 30.000 Teilnehmern ab 18 Jahren sollen die Wirksamkeit und die Sicherheit des Stoffs untersucht werden. Ist die Studie erfolgreich, soll im Oktober ein Zulassungsverfahren für den Impfstoff beantragt werden. Möglicherweise könnten dann schon Ende des Jahres bis zu 100 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen.


Stand: Juni 2020

Mehr als 130 Projekte, bei denen ein Impfstoff gefunden werden soll, laufen aktuell. 11 davon sind auch schon in der klinischen Studie, werden also an Menschen getetstet. Wieso sind das so viele verschiedene Projekte, wenn es doch um eine Krankheit geht?

Uwe: Es wird darauf hinauslaufen, dass es mehr als einen Impfstoff gibt. Weil vielleicht das eine Mittel sehr starke Nebenwirkungen hat, was ein junger Mensch vertragen kann, ein alter aber nicht. Dafür ist der Impfschutz dann wieder ein bisschen ein anderer und hat vielleicht weniger Prozent. Also da gibt es ganz viele Faktoren. Und wahrscheinlich wird es tatsächlich mehr als einen Impfstoff geben.  

Jetzt hat sich auch die Deutsche Bundesregierung an der Impfstoffforschung beteiligt und schießt 300 Millionen Euro zu - an eine Firma. Warum machen die das?

Uwe: Die machen das, weil es absehbar ist, dass sehr, sehr viele Impfstoffdosen gebraucht werden. Das ist ja längst nicht das einzige, also die Beteiligung des Bundeswirtschaftsministerium, (beziehungsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau) bei der Firma Curevac in Tübingen ist das eine. Aber auch das Bundesforschungsministerium gibt ja 750 Millionen Euro für die Corona-Impfstoff-Forschung aus. Und dann gibt es noch europäische Projekte. Da kommen richtige Milliardenbeträge zusammen.

Daran gibt es auch Kritik, unter anderem lautet ein Vorwurf, dass damit in die freie Marktwirtschaft eingegriffen wird...

Uwe: Ja, das ist die eine Seite! Auf der anderen Seite sieht natürlich auch die Bundesregierung die Notwendigkeiten eines Impfstoffes. Wir haben gesehen, wie schädlich ein Lockdown auch wirtschaftlich sein kann. Und es geht ja darum, mit diesem Impfstoff Leben zu schützen. Gerade von Hochrisikogruppen, wie alten Leuten und chronisch Kranken. Aber auch von Leuten, die im Krankenhaus arbeiten, also absolut systemrelevant sind. Und deswegen: Sich hier sehr stark zu engagieren ist,nicht unwichtig. Weil auch nichts gewonnen ist, wenn man am Ende leer ausgeht. Der Wettlauf ist da ja riesengroß, viele Nationen forschen und man will hier unter keinen Umständen leer ausgehen.

Impfstoff in einem Jahr?

Wie weit sind wir denn insgesamt in der Entwicklung eines Impfstoffs?

Uwe: Zumindest so weit, dass das Paul-Ehrlich-Institut, das sich in Deutschland um Impfstoffentwicklung kümmert, für Sommer 2021 Impfstoffe in Aussicht gestellt hat. Wie viele das dann sein werden und wo man anfängt, also mit welcher Bevölkerungsgruppe, muss man dann sehen. Aber wir sind – wenn man bedenkt, dass es normalerweise 10 bis 15 Jahre braucht bis ein Impfstoff einsatzbereit ist – relativ weit vorne. Aber eben noch nicht weit genug, um ihn jetzt schon zu haben.

Kann man denn dann sagen, dass wenn der Impfstoff kommt, das Thema Corona wirklich vorbei ist?

Uwe: Ich denke, das Thema wird uns weiter begleiten. Und eine Zielsetzung von dem 750-Millionen-Programm vom Bundesforschungsministerium ist, dass man generell Forschungs- und Produktionskapazitäten schafft. Weil man davon ausgeht, dass die nächste Pandemie bestimmt kommen kann. Damit man dann nicht wieder bei Null ist, dass man besser gewappnet ist. Weil Corona, wenn wir dann einen zuverlässigen Impfstoff hätten, sicher nicht die letzte Pandemie ist.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 25. Juni 2020 berichtet.