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Laptop (Foto: fotolia)
Home Office: Was darf ich?

Arbeiten im Home Office: In Jogginghose am eigenen Schreibtisch hängen und alle drei Minuten zum Kühlschrank spazieren? Solange ihr keine Videokonferenzen habt und trotzdem eure Arbeitszeit erfüllt, geht das. Anwalt Christian Solmecke erklärt uns im Interview, was wir beim Arbeiten von zuhause aus sonst noch für Rechte und Pflichten haben.

Kann ich selbst bestimmen, dass ich Home Office mache?

Nur aus Angst vor Corona gibt einem das nicht das Recht, selbst zu bestimmen, aus Home Office zu arbeiten. Muss mit Arbeitgeber gemeinsam abgestimmt werden. Heißt: Arbeitgeber kann nicht einfach Home Office anordnen. Arbeitnehmer und –geber sollten da im Gespräch bleiben.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Arbeitgeber mir kein Home Office anbietet?

Zunächst sollte man in den Arbeitsvertrag schauen. Gibt es da irgendwelche Regelungen zum Arbeitsort? In der Regel wird das der Ort des Unternehmens sein. Solange es keine Warnungen der Behörden für einen konkreten Betrieb oder ein konkretes Gebiet gibt, muss ich momentan noch normal zur Arbeit gehen. Ansonsten muss man sich eben mit dem Arbeitgeber abstimmen.

Wie sieht es mit dem Lohn aus? Kann es Nachteile geben? Muss Arbeitgeber mir zum Beispiel den Strom bezahlen?

Wenn mit dem Arbeitgeber Home Office vereinbart wurde, bekommt man natürlich auch seinen Lohn. Wenn ich aber einfach so ins Home Office gehe, muss ich schauen, ob der Arbeitgeber das akzeptiert. Wenn ja, wird es wohl eine Annahme sein, dass Lohn gezahlt wird.

Beim Verbrauch von Strom durch Laptop oder Kaffeemaschine: Da muss ich genau in die Regelung zum Home Office schauen. Falls nichts anderes vereinbart wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer bereit ist, diese Kosten zu tragen. Wenn der Arbeitgeber zugesagt hat, diese Kosten zu tragen, kann man ihm das in Rechnung stellen. Letztlich wird es hier meistens nicht um riesige Beträge gehen. Klar ist aber, dass nicht erstattet werden muss, wenn der Arbeitnehmer aus Vorsicht zuhause geblieben ist und dann selbstständig im Home Office arbeitet.

Gelten meine normalen Arbeitszeiten?

Wenn nichts anderes vereinbart wurde, gelten die normalen Arbeitszeiten. Es ist aber oft so, dass Vertrauens-Arbeitszeit vereinbart wurde. Das heißt, ich muss irgendwann meinen Dienst beginnen und beenden, manchmal gibt es eine Kernarbeitszeit, die vereinbart wurde. Und letztlich muss es dann in der Summe passen. Wichtig ist auch, dass alle Arbeitszeitgesetze zum Schutz der Arbeitnehmer auch im Home Office weiter gelten. Also nicht mehr als 10 Stunden arbeiten und was noch im normalen Betrieb gilt, gilt dann auch im Home Office.

Funfact: Der Chef darf vorbeikommen und sich das "Büro" anschauen. Das hat nichts mit Kontrollen zu tun, sondern damit, dass der Chef eine Verantwortung hat, einen sicheren Arbeitsplatz zu garantieren. Er muss sich aber vorher anmelden.

Home Office hat Vorteile

Das Home Office ist beliebt, sagt UNSERDING-Reporter Marcus Schuler. Ein kalifornisches Softwareunternehmen hat dazu mehr als 3000 Leute befragt, die alle von zuhause aus arbeiten. Laut Marcus sind sie zufriedener, denn sie können ihre Zeit ganz flexibel einteilen. Besonders für Eltern oder Menschen mit Eltern, die Pflege brauchen, ist das cool.

Eine Webcam klemmt auf einem Computerbildschirm (Foto: pixabay.com/Vitamin)

Er weist aber darauf hin, dass viele der Befragten angaben, ein bisschen zu vereinsamen. Denn ihnen fehlt der Austausch mit den Kollegen, auch zu Themen, die mal nichts mit der Arbeit zu tun haben. Deswegen empfiehlt Marcus Videochats. Dann fühlen sich die Kaffeepausen fast wie im Büro an!


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Jonas am 16. März 2020 berichtet.