Foto: IMAGO / Bernd Friedel
Corona-Pandemie verändert Schönheits-OPs

In Corona-Zeiten die Lippen aufspritzen lassen, weil der Mund-Nasen-Schutz die Schwellung verdeckt. Oder eine Brust-OP machen lassen und dann im Homeoffice aus dem Bett arbeiten. Die Nachfrage nach bestimmten Schönheits-OPs steigt. Grund dafür scheinen auch Alltagsmasken und Homeoffice zu sein.

Beauty-Eingriffe boomen in der Pandemie

In den USA steigt die Nachfrage nach chirurgischen Eingriffen in der Corona-Pandemie im Vergleich zu den letzten Jahren enorm. Das zeigt eine neue US-Studie der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgeons (AAFPRS). In Deutschland sind chirurgische Eingriffe jedoch leicht gesunken, um zwei Prozent. Was auch daran liegt, das viele Eingriffe verschoben wurden. Das teilt die Vereinigung der deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen (VDÄPC) mit. Doch auch hier in Deutschland verändert die Pandemie die Nachfrage nach Schönheits-OPs.

Gesichts-OPs im Trend

Laut der VDÄPC-Statistik 2021 sind vor allem Gesichts-Behandlungen gefragt. Insbesondere Botoxbehandlungen. Doch es gibt auch neue Trends, die 2020 deutlich gewünschter sind: Augenliedstraffungen.

Doch warum boomen ausgerechnet Gesichts-OPs? Bei ihrer Studie hat die VDÄPC auch die Motivation von Patienten befragt:

  • 15,6 Prozent der Patient nennen die Maskenpflicht
  • 14,5 Prozent das Homeoffice
  • und 3,9 Prozent die Videokonferenzen als auslösende Faktoren für einen ästhetischen Eingriff.

Dr. med. Karl Schuhmann, Ästhetisch-Plastischer Chirurg und Mitglied der VDÄPC sagt:

Die Maskenpflicht verändert den Blick in den Spiegel. Lidstraffungen erleben durch Corona einen Boom

Laut Schuhmann liegt das daran, dass sich die Aufmerksamkeit durch die Maske nun auf die Augenpartie konzentriert. Er beobachtet noch einen weiteren Effekt durch die Maskenpflicht: „Lippenkorrekturen können kurzfristig zu blauen Flecken, Rötungen oder Schwellungen führen. Eine Maske verdeckt Schwellungen nach einer Lippenkorrektur“. Schuhmann erklärt so auch die stärkere Nachfrage nach Lippenkorrekturen. 

Dr. Eva Lang ist Schönheitschirurgin in Zweibrücken. Sie berichtet ähnliche Erfahrungen. Auch in ihrer Praxis lassen Patienten beispielsweise Eingriffe an ihren Lippen vornehmen, weil die Alltagsmasken mögliche blaue Flecken verdecken.

Aussehen wie ein Snapchat-Filter

Schon seit 2016 beobachtet die AAFPRS einen Trend, der als "selfie-awareness" oder auch "Snapchat-Dysmorphia" bekannt ist: Patienten lassen sich operieren, um für ihre Selfies besser auszusehen. Social Media spielt also eine große Rolle wenn es um Schönheits-Ops geht.

Kylie Jenner und Kim Kardashian sind in den USA 2019 die großen Vorbilder. Laut AAFPRS haben sie 2019 die Anfragen für Schönheits-OPs bei Frauen am meisten beeinflusst.

Kim Kardashian (Foto: dpa)
Reality-Star Kim Kardashian

Auch in Deutschland ist dieses Phänomen immer öfter zu beobachten, erklärt Dr. Alexander Hilpert:

Social Media verleitet zu Schönheits-OPs. Immer häufiger kommen junge Patienten zu uns, die uns Instagram-Fotos als Vorlage zeigen. Heutzutage macht man viel mehr Fotos von sich als früher. Dadurch beurteilt man sich auch viel öfter und kritischer
 (Foto: Dr. Alexander Hilpert)
Dr. Alexander Hilpert ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Neuer Trend: Der Zoom-Effect

Die Corona-Pandemie hat dieses Selfie-Phänomen weiterentwickelt und den sogenannten "Zoom-Effect" herbeigebracht: Der Wunsch, in Videokonferenzen besser auszusehen.

Echtzeit-Videos können nicht mit FaceTuning oder Photoshop bearbeitet werden, um einen Hügel auf der Nase, Krähenfüße oder Falten am Hals zu glätten. Im Gegensatz zu Selfies und Apps wie TikTok oder Instagram bieten Videokonferenzen, die für die Schule, die Arbeit und das ZOOMing mit Familie und Freunden verwendet werden, keine Filtermöglichkeiten

erklärt AAFPRS-Präsident Dr. Carniol. Das stundenlange Betrachten in Videokonferenzen könne so auch Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung haben und uns unzufriedener werden lassen. 16 Prozent der befragten Schönheitschirurgen berichten in den USA von diesem Zoom-Effect bei ihren Patienten. Aber auch in Deutschland ist er längst angekommen der Trend: 3,9 Prozent der Patienten in Deutschland gaben gegenüber der VDÄPC Videokonferenzen als Grund für die gewünschte Beauty-OP an.


Alle Ergebnisse und weitere Infos der Umfrage findet ihr hier.

Weitere Infos zum Zoom-Effect gibt es in der Fachzeitschrift Facial Plastic Surgery & Aesthetic Medicine


Artikel vom 23. April 2021