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Ein rotes Licht als Warnsignal (Foto: unsplash.com)
Alarm in ganz Deutschland

Schlechte Nachrichten für alle Langschläfer: Am Donnerstag werdet ihr um Punkt 11 Uhr aus dem Bett geholt. Denn da gehen in ganz Deutschland die Sirenen los. Alle Sirenen. Grund ist der erste bundesweite Warntag. Was steckt dahinter?

Update vom 10. September: Eigentlich sollten alle 484 Sirenen im Saarland um 11 Uhr losheulen und Warnmeldungen an Smartphones rausgehen. Offenbar hat das vielerorts nicht geklappt, das berichten viele Nutzer dem Saarländischen Rundfunk und UNSERDING. Viele Sirenen seien nicht losgegangen, Warnemldungen ans Handy seien zu spät oder gar nicht angekommen. Das wurde viel bei Facebook und auch per Telefon an den SR rückgemeldet.

Auf Anfrage teilt das zuständige Innenministerium mit: Eine Verzögerung von etwa vier Minuten in Saarbrücken gab es, aber sowohl im Regionalverband als auch in St. Wendel habe die Alarmierung gut geklappt. Vielleicht an einigen Stellen etwas leise, räumte ein Sprecher ein.

Dass keine Warnung über die entsprechenden Apps aufs Smartphone gekommen sind liege in der Verantwortung des Bundes, werde nicht vom Land gesteuert.

Eine Auswertung über den gesamten Probe- Alarm, die Informationsketten und Meldewege soll es in den kommenden Tagen geben.


Sirenen, Warn-Apps und alle anderen Warnmittel die es in Deutschland gibt, werden am Donnerstag um 11 Uhr getestet. Also: Deutschlandweit ist Probealarm. Auch im Radio, Fernsehen und auf Social Media-Plattformen soll es Hinweise geben.

Alle Warnmultiplikatoren, die am Modularen Warnsystem des Bundes angeschlossen sind, werden geprüft. Das Modulare Warnsystem wird von vielen Behörden und Organisationen genutzt, damit schnell vor Gefahr gewarnt werden kann. Zum Beispiel die Leitstellen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, sie können Warnmeldungen darin eingeben. Dann werden die per Satellit an Presseredaktionen, Rundfunksender und zum Beispiel auch Smartphones (per Warn-App) verteilt. Auch der Deutsche Wetterdienst nutzt das System, um zum Beispiel vor Hochwasser oder Sturm zu warnen.

Sirene (Foto: pixabay.com)

Welche Warn-Apps gibt es?

  • NINA: Notfall-Informations und Nachrichten-App vom Bund. Hierüber empfangt ihr alle Warnmeldungen, die von Bund, Ländern oder Gemeinden über das Modulare Warnsystem herausgegeben werden. Warnmeldungen kommen per Push-Meldung rein. In der App gibt es auch Handlungsempfehlungen und Notfalltipps.
  • BIWAPP: Hier werden Meldungen direkt von Institutionen wie Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Städten und deren Leitstellen versendet. Nicht jede Kommune nutzt die App für Warnmeldungen. Ihr könnt auswählen, aus welchen Orten ihr Meldungen bekommen wollt und welche Informationen euch konkret erreichen sollen.
  • KATWARN: Auch KATWARN leitet offizielle Warnungen und gleichzeitig Handlungsempfehlungen an betroffene Menschen weiter. Behörden und Sicherheitsorganisationen entscheiden über die Inhalte.

Die Apps sind kostenlos in eure Play- oder Appstores erhältlich.

Eine Frau tippt eine Nummer in ihr Handy ein (Foto: unsplash.com)
Auch per App könnt ihr euch warnen lassen


Warum gibt es den Test?

Naturkatastrophen wie Hochwasser sind auch ein Grund für die Tests am Donnerstag. Denn in letzter Zeit wurde die häufiger, zum Beispiel Hitzewellen. Aber auch Terroranschläge wie in Hanau oder Halle machen den Test notwendig. Und ganz aktuell natürlich auch die Corona-Pandemie.

Diese Ereignisse haben nämlich gezeigt, dass ein gutes Warnsystem wichtig sein kann. Damit im Ernstfall alle reagieren können und sicher ist, dass die Technik auch funktioniert, wird es jetzt jedes Jahr einen Tag zum Proben geben. Und zwar immer den zweiten Donnerstag im September.

Wie klingen die Tests?

Die Sirenensignale sind in Deutschland laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nicht einheitlich geregelt. Die Kommunen entscheiden selbst, welches Signal wofür steht. Infos zu eurer Kommune findet ihr meist auf der Seite der zuständigen Feuerwehr.

Allerdings gibt es seit 2019 eine Empfehlung vom „Arbeitskreis Feuerwehrwesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung“ der Innenministerkonferenz. Darin heißt es, dass in ganz Deutschland diese Signale verwendet werden sollten:

  • 1 Minute lang auf- und abschwellender Heulton: Warnung der Bevölkerung. Früher bedeutete dieser Ton Luftalarm. Heute soll er beispielsweise zu Warnung vor einem Terroranschlag oder Amoklauf, Hochwasser, einem Großbrand, starkem Unwetter, gefährlichem Schadstoffaustritt oder einem Vorfall in Kraftwerken oder Fabriken genutzt werden.
--> Was tun, wenn ihr das Signal hört? Ihr solltet im Falle dieses Signals ein Gebäude aufsuchen und dort Fenster und Türen schließen. Außerdem solltet ihr versuchen euch zu informieren, zum Beispiel indem ihr Radio oder Fernsehen einschaltet. Klimaanlagen oder Lüftungen sollten ausgeschaltet werden. Versucht, eure Nachbarn zu informieren. Blockiert nicht die Notrufleitungen und befolgt weitere Anweisungen von Behörden.

  • 1 Minute lang gleichbleibender Dauerton, der in der Minute zwei Mal unterbrochen wird (12 Sekunden Ton, 12 Sekunden Pausen, 12 Sekunden Ton, 12 Sekunden Pause, 12 Sekunden Ton): Feueralarm. Dieses Signal alarmiert die Feuerwehr, für die Bevölkerung hat er keine Bedeutung. Allerdings solltet ihr, wenn ihr ihn hört, auf Einsatzfahrzeuge achten und entsprechend Platz machen, nicht zur Feuerwehrstelle gehen und auch nicht den Einsatzort aufsuchen.

  • 1 Minute lang gleichbleibender Dauerton: Entwarnung. Hebt alle Alarme auf, die Gefahr ist beendet. Was tun? Schutzräume dürfen verlassen werden, Geräte dürfen wieder eingeschaltet werden (zum Beispiel Klimaanlage), ihr solltet aber auf weitere Durchsagen achten.

Die Töne könnt ihr euch zum Beispiel hier, auf der Seite des Landkreis Neunkirchen, anhören.

Sirene (Foto: pixabay.com)


Der Test der Alarmsignale am Donnerstag soll 20 Minuten dauern. Um 11:20 Uhr gibt es also ein Abschluss-Signal. Und dann wird’s wieder ruhig.

Hier findet ihr übrigens eine Liste vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Darauf stehen Empfehlungen für Dinge, die man für eine Notfallsituation zuhause haben sollte - zum Beispiel wenn Strom- oder Wasserversorgung ausfallen.

Also: Nicht erschrecken, wenn ihr am Donnerstag aus dem Bett oder vom Schreibtischstuhl fallt – ist nur ein Test!


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Show mit Stephanie am 7. September 2020 berichtet.