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Jemand bekommt ein Paket (Foto: unsplash.com)
Ungewollte Pakete: Behalten? Bezahlen?

Vor eurer Tür steht ein Paket, darauf stehen euer Name und eure Adresse. Bestellt habt ihr aber nix. Wie kann das sein? Und dürft ihr die Sachen behalten oder müsst sogar bezahlen? Das checken wir hier.

„Brushing“ heißt es, wenn ein Shop euch etwas liefert, was ihr nie bestellt habt. Esther ist Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Saarbrücken. Sie erklärt, warum die Händler einfach so ihre Produkte verschicken:

„Die Verkäufer wollen ihre Verkaufszahlen pushen. Dadurch, dass sie in den Verkaufsrängen nach oben steigen.“

Dafür, so Esther, legen sie sich Fake-Accounts bei Amazon oder Alibaba, den großen Versandhändlern zu. Und dann behaupten sie viele Verkäufe und geben sich selbst gute Bewertungen und viele Sterne dafür.

„Damit das aber passieren kann, muss ein Versandvorgang stattfinden. Und deshalb versenden die Händler lieber ganz viel und bewerten die Artikel über ihren eigenen Fake-Account“, erklärt Esther das Prozedere, „und so rutschen sie in den Verkaufsrängen nach oben.“

Der Fake-Account läuft dabei nicht unter dem Namen, an den das Brushing-Paket versendet wurde. Sondern unter einem anderen, aber die Adresse, an die das Paket versendet wird, kann ja auch eine andere sein. Sprich: Wenn ihr so ein Paket bekommt, gibt es trotzdem nicht unbedingt einen gefälschten Account, der unter eurem Namen Bewertungen abgibt.

Jemand öffnet ein Paket (Foto: unsplash.com)

Behalten und Bezahlen?

Was macht ihr aber jetzt mit dem Kram, den ihr da einfach zugeschickt bekommen habt? „Behalten darf man es“, sagt Esther. Seit 2014 gebe es per Gesetz eine Regelung dafür. Bezahlen müsst ihr die Sachen natürlich nicht.

Allerdings warnt Esther vor zwei Ausnahmen:

  • Wenn eine „irrige Annahme“ einer Bestellung vorliegt. Wenn ihr zum Beispiel bei einer Bestellung per Telefon zwischen zwei Farben bei einem T-Shirt hin- und herüberlegt habt und es dann in beiden Farben erhaltet – aber eigentlich doch nur eins bestellt hattet. Dann ist davon auszugehen, dass das falsch verstanden wurde und ihr solltet das falsche zurückschicken.
  • Das Paket war gar nicht für euch bestimmt. Wenn also der Postbote einen Fehler macht und euch ein Paket gibt, dass für jemand anderen bestimmt ist. Das erkennt ihr natürlich auch dem Versand-Label.

Also: Wenn ihr ganz überraschend ein Paket bekommt, checkt erstmal, ob es wirklich für euch ist – und falls da, kann es sich um „Brushing“ handeln und die Sachen sind quasi geschenkt.  

Was sagt Amazon dazu?

Thurie aus dem UNSERDING-Team hat bei Amazon nachgefragt, wie sie zu "Brushing" stehen. Zurück kam eine Email, in der es heißt: "„Wir gehen jedem Hinweis von Kunden nach, die unaufgefordert ein Paket erhalten haben, da dies gegen unsere Richtlinien verstößt. Verkaufspartner haben in diesem Zusammenhang weder Namen noch Adressen von Amazon erhalten. Verkaufspartner, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, werden gesperrt.“

Amazon sagt also, dass sie keine Namen und Adressen weitergegeben haben und somit nichts dafür können, wenn ihr ungewollt Pakete geschickt bekommt. Möglicherweise habt ihr bei dem jeweiligen Shop einfach schon mal was bestellt - und deswegen haben die eure Adresse.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 13. Oktober 2020 berichtet.