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Facebook (Foto: dpa)
Kein Gifs und Memes mehr im Netz?

Im Europaparlament wird in Brüssel über den Artikel 13 abgestimmt - der soll unter anderem die Urheberrechte von Verlagen, Musikern und Fotografen besser schützen. Das heißt Facebook, Insta und Co. müssten dann gegebenenfalls Filter installieren, die verhindern, dass wir Memes oder GIFs hochladen könnten. Aber wie wahrscheinlich ist das? Und wie wird sich das Netz dadurch verändern? Darüber haben wir mit Brüssel-Korrespondent Samuel Jackisch gesprochen.

UNSERDING: Wie genau sieht das denn aus mit dem Artikel 13?

Samuel Jackisch: Wenn wir auf Facebook, Instagram oder Twitter unterwegs sind, benutzen wir oft Dinge, die urheberrechtlich geschützt sind. Mit diesen Inhalten verdienen Google, Facebook und Twitter viel Geld. Deshalb haben sie wenig Interesse daran, solche Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren und ihnen nachzugehen.

Vor diesem Hintergrund gibt es jetzt diese Urheberrechtsreform. Sie soll nicht nur europaweit das Recht im besten Falle gleich machen, sondern auch diese Plattformen verpflichten, selber auf die Suche zu gehen und illegales, urheberrechtlich geschütztes Material vom Netz zu nehmen.

UNSERDING: Um welche Inhalte geht es denn?

Samuel: GIFs und Memes zum Beispiel, oder Songs, die jemand hochlädt. Sie haben zur Grundlage häufig urheberrechtlich geschütztes Material, wie zum Beispiel eine Szene aus Herr der Ringe oder ähnliches. Das wissen viele Nutzer häufig gar nicht. Was die EU will, ist das Facebook, WhatsApp, Instagram, Snapchat und Co. verklagt werden können, wenn wir gegen Urheberrecht verstoßen.

UNSERDING: Die Reform hat im Netz für Aufruhr gesorgt. Wieso?

Samuel: Die Angst, die viele haben, ist das Facebook und Co. Gifs und Memes komplett aussperren könnten, weil sie im Zweifelsfall lieber gar kein Risiko eingehen wollen. Deshalb gab es ja im letzten Jahr einen riesen Aufschrei aus der Netzgemeinde, die ihre Meinungsfreiheit eingeschränkt sieht.

UNSERDING: Nach der Diskussion vergangenes Jahr im September sah es ja zunächst erst einmal so aus, als wäre die Reform erst einmal vom Tisch, aber das scheint ja nicht der Fall zu sein.

Samuel: Nein, das ist sie nicht. Aber in der Tat haben 4,5 Millionen Menschen eine Online-Petition unterschrieben – so etwas gab es in so einer Dimension vorher nicht. Und was es vor allem auf gar keinen Fall gegeben hat, ist, dass viele den Abgeordneten im Europaparlament Emails geschrieben und auch angerufen haben. Das hat die Abgeordneten sehr überrascht. Trotzdem gab es im September, als sich das große Plenum im Europaparlament nochmal damit beschäftigt hat, eine sehr knappe Mehrheit für die Reform.

UNSERDING: Betrifft das nur Posts, die nach diesem Gesetz online gehen – oder geht das auch in die Vergangenheit zurück?

Samuel: Wir als Nutzer müssen uns gar keine Sorgen mehr machen. Das ist ja der Sinn dieser Reform. Es soll jetzt nicht der Einzelne verantwortlich sein, sondern die Anbieter der Plattformen. Deshalb müssten sie dann sicherstellen, dass nichts gegen Urheberrecht verstößt, egal wann es hochgeladen wurde.

Übrigens kann es dir auch jetzt schon passieren, dass ein Video, das du bei YouTube hochlädst, gelöscht wird. Wenn du zum Beispiel ein Video von einer Party hochlädst bei der im Hintergrund geschütztes Material zu hören ist. In Zukunft kann das aber schon vor dem Hochladen passieren, weil es während des Hochladens technisch geprüft wird und möglicherweise abgelehnt wird.

UNSERDING: Wie realistisch ist es, dass der Artikel 13 tatsächlich umgesetzt wird?

Samuel: Ich finde es ziemlich realistisch, so idiotisch er auch ist, wenn man ihn sich genauer anguckt. Momentan sieht es so aus, dass das noch vor der Europawahl am 26. Mai passieren könnte. Das Problem an diesem ganzen Gesetz ist, dass nicht drinsteht, dass alle Plattformen Upload-Filter installieren müssen. Im Grunde genommen ist es so ein bisschen eine Wette auf die Zukunft.

UNSERDING: Wie wird sich das Ganze auswirken?

Samuel: Die Frage ist: Wie reagieren die Plattformen, wenn dieses Gesetz kommt? Bauen die Filter ein oder lassen die es darauf ankommen? Die Großen sagen, 'Das bisschen Risiko gehen wir ein. Gifs sind so integraler Bestandteil bei uns, es ist wichtig, dass unsere User sie nutzen können.' Die kleinen könnten Angst kriegen.

Ein Teil des Parlaments ist der Meinung, dass die Plattformen dann alle brav ihre Lizenzen zahlen. Weil es aber so ungewiss ist, ist es schwierig zu sagen, wie sich das tatsächlich auf unsere liebgewonnen Inhalte auf Instagram und Co. auswirkt.