Bad-Neuenahr im Kreis Ahrweiler drei Monate nach der Flutkatastrophe (Foto: UNSERDING/Aaron Klein)
Ahrtal - Drei Monate danach

Die Flutkatastrophe Mitte Juli 2021 hat nicht nur die Eifel, sondern auch das Ahrtal schwer getroffen: Häuser wurden weggespült, Straßen aufgerissen, Brücken zerstört, viele Menschen kamen ums Leben. Wie ist die Lage heute, drei Monate danach? Wir haben mit THW-Helfer Aaron Klein darüber gesprochen.

SR-Moderator Aaron Klein gehört mit zu den Helfern. Er engagiert sich ehrenamtlich beim THW St. Ingbert und ist damals mit ins Ahrtal aufgebrochen, um dort schnell zu helfen. Er ist auch immer noch regelmäßig vor Ort und weiß, wie es nun, zwölf Wochen nach der Katastrophe, im Ahrtal aussieht. Auch wenn sich in der Zwischenzeit einiges getan hat, so gibt es doch immer noch viel zu tun, berichtet Klein.

Anwohner fürchten kommenden Winter

Die Ahr, normalerweise ein kleiner Fluss von etwa 80 Zentimeter Breite, hat jetzt ein Flussbett, das an manchen Stellen 10 bis 20 Meter breit und voller Schutt und Steine ist. Entlang der Ahr wurde alles mitgerissen. Der ganze Schutt und Müll kann nur nach und nach abgefahren werden.

Bad-Neuenahr im Kreis Ahrweiler drei Monate nach der Flutkatastrophe (Foto: UNSERDING/Aaron Klein)

Für etwa 42.000 Menschen ist die Welt seit der Katastrophe nicht mehr dieselbe. Rund 8.800 Häuser sind im Ahrtal nach offiziellen Angaben zerstört oder beschädigt. Viele Anwohner denken mit Sorge an den kommenden Winter. Bis zu 10.000 Menschen könnten im Ahrtal nicht rechtzeitig ans Gasnetz angeschlossen werden. Aber man arbeitet an verschiedenen technischen Zwischenlösungen, die gerade vor Ort getestet und überprüft werden.

Bis zu 300 Kräfte täglich im Einsatz

Denn noch immer sind Helfer des THW vor Ort. Rund 200 bis 300 Kräfte aus ganz Deutschland sind derzeit täglich im Einsatz, berichtet Klein. Zum einen sind Spezialisten damit beschäftigt, die Infrastruktur wiederherzustellen, Brücken zu bauen und so weiter, zum anderen sorgen viele Helfer im so genannten Bereitstellungsraum dafür, dass die Einsatzkräfte auch mit allem Nötigen versorgt werden.

Bad-Neuenahr im Kreis Ahrweiler drei Monate nach der Flutkatastrophe (Foto: UNSERDING/Aaron Klein)

Der Wiederaufbau geht kontinuierlich weiter. Das THW hat inzwischen auch Arbeiten, wie zum Beispiel Straßenbau, wieder an die Behörden abgegeben. Und im rheinland-pfälzischen Innenministerium wurde eigens eine Wiederaufbauorganisation eingesetzt, damit solche Arbeiten schneller umgesetzt werden können.

Nachmittags-Unterricht an Ausweich-Schule

Katja Scholl kommt aus Merzig-Silwingen und hat vor der Katastrophe am Are-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Schulgebäude wurde aber so stark beschädigt, dass es derzeit nicht genutzt werden. Deshalb sind Lehrkräfte und Schüler:innen auf eine andere Schule ausgewichen, die 15 Kilometer von Remagen entfernt steht. Die kann allerdings nur nachmittags und nur für vier Stunden genutzt werden. Deshalb wechseln sich Unterstufe und Oberstufe wochenweise ab.

Der Unterrricht fällt so natürlich schwerer, sagt die Lehrerin. Sie merke auch, dass die Schüler nicht so viel lernen, wie sie müssten. Leistungsnachweise gibt es im Moment auch nur für Abiturklassen. Nach den Herbstferien sollen aber alle wieder vorsichtig mit einbezogen werden.

Container und Zelte als Übergangslösung

Der Unterricht in Remagen ist nur für eine gewisse Zeit geplant - längerfristig soll er in Container verlagert werden. Im November soll es damit voraussichtlich soweit sein. Die Arbeiten dafür sind voll im Gange, das Containerdorf liegt rund zehn Minuten entfernt von Bad Neuenahr. Neben Containern als Klassenräumen sind aber auch ein Mensazelt und ein Sporthallenzelt geplant, weiß Katja Scholl.


Artikel vom 14.10.2021.