UnserDing Scratch Logo
Ein Mann liegt auf einer Wiese unter blauem Himmel (Foto: pixabay.com/Pexels)
Früher Feierabend für gleiches Geld?

Was würdet ihr mit zwei Stunden mehr Freizeit am Tag machen? Oder mit einem dritten Tag Wochenende? Weniger Arbeitszeit, mehr Freizeit, gleiches Gehalt – das klingt verlockend! Das Konzept der 30-Stunden-Woche könnte das möglich machen. Wie das funktioniert und welche Vor- und Nachteile es gibt, haben wir gecheckt.

Die 40 Stunden-Woche ist Standard in den meisten Jobs. Immer öfter gibt es aber die Idee, jede Woche zehn Stunden weniger zu arbeiten und trotzdem noch das gleiche Gehalt zu bekommen. In vielen Ländern gab es dafür schon Tests, zum Beispiel in Schweden oder Österreich. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sagt außerdem, dass die 30-Stunden-Woche für viele Arbeitnehmer perfekt wäre.

In einer 30-Stunden-Woche wäre die Aufteilung zum Beispiel so, dass man an fünf Tagen der Woche jeweils sechs Stunden lang arbeitet, statt wie aktuell üblich acht Stunden. Auch in Deutschland gibt es erste Versuche, bisher sollen die Experimente gut funktionieren.

Und auch die Wissenschaft liefert Argumente für kürzere Arbeitszeiten. Australische Forscher haben herausgefunden, dass Mitarbeiter, vor allem wenn sie über 40 sind, bei einer Wochenarbeitszeit von weniger als 25 Stunden am leistungsfähigsten sind.

Zwei Personen arbeiten vor Laptops (Foto: Pixabay/Free Photos)
Weniger Arbeitszeit und trotzdem das gleiche Gehalt bekommen: Das ist die Idee der 30-Stunden-Woche

30-Stunden-Woche: Vor- und Nachteile

Bei der 30-Stunden-Woche arbeiten Mitarbeiter wöchentlich nur 30 Stunden, werden aber für 40 Stunden bezahlt. Wie kann das funktionieren? Hier haben wir einmal die Vor- und Nachteile für euch aufgelistet. Dabei müssen verschiedene Seiten berücksichtigt werden: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Staat.

Für Arbeitnehmer bedeuten kürzere Arbeitszeiten bei gleichbleibendem Gehalt eigentlich nur Vorteile:

  • Mehr Zeit für Privatleben: Familie, Freunde, Hobbies
  • Mehr Gleichberechtigung: Aktuell sind mehr Mütter als Väter in Teilzeitjobs beschäftigt, das würde sich angleichen
  • Beruf und Familie sind besser vereinbar
  • Zeit für neue Hobbies oder Weiterbildung
  • In Test haben sich die Arbeitnehmer gesünder ernährt, weil mehr Zeit zum Einkaufen und Kochen war

Für Arbeitgeber gibt es Vorteile, aber auch viel Aufwand:

  • Angestellte sind laut Studien bei kürzerer Arbeitszeit ausgeglichener, ausgeruhter und leistungsfähiger
  • Angestellte lassen sich seltener krankschreiben
  • Angestellte sind deswegen auch motivierter und loyaler
  • Aber: Für die Umstellung müssen Arbeitsprozesse angepasst und verändert werden, das ist aufwendig und kostet Zeit
  • Eventuell muss mehr Personal eingestellt werden, denn es muss ja weiterhin die gleiche Menge an Arbeit geleistet werden
  • Kürzere Arbeitszeiten könnte Leute zum Bewerben motivieren

Auch für den Staat gibt es Vorteile:

  • Arbeitslosigkeit könnte sinken, wenn neue Leute eingestellt werden
  • Das würde den Staatshaushalt entlasten, denn es muss weniger Arbeitslosengeld gezahlt werden
  • Ältere Arbeitnehmer könnten länger gesund bleiben und deswegen länger arbeiten
  • Auch das könnte Renten-, Kranken- und Pflegekassen entlasten

Wie wahrscheinlich ist das?

UNSERDING-Reporterin Vera sagt, dass die 30-Studnden-Woche in der Politik aktuell nicht unbedingt das wichtigste Thema ist. Aber es ist auch eher eine Entscheidung, die Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaften gemeinsam treffen müssten. Da hält sie es für wahrscheinlich, dass viele Unternehmen darüber nachdenken, auch, um als Arbeitsplatz attraktiv zu sein.

Pinsel in einem Glas (Foto: pixabay.com/Skitterphoto)
Bei 10 Stunden weniger Arbeitszeit in der Woche wäre zum Beispiel Zeit für neuen Hobbys

Allerdings glaubt sie auch, dass sich das je nach Arbeitsplatz unterscheidet. „Wenn ich kreativ sein muss, hilft mir mehr Freizeit vielleicht gut weiter. Aber wenn ich wirklich viel schaffen muss, zum Beispiel Menschen pflegen oder Autos reparieren, dann macht es das schwieriger“.

Mehr zu 30-Stunden-Woche könnt ihr auch im neuen Podcast der Tagesschau, „Mal Angenommen…“ hören.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie und Jonas am 7. Februar 2020 berichtet.