Werk von SVolt (Foto: SR)
SVolt: Bürgerdialog & erste Bewerbungen

SVolt Energy, der chinesische Batteriehersteller für Elektro-Auto will im Saarland bis zu zwei Milliarden Euro investieren und zwei Werke bauen. Bis zu 2000 neue Jobs sollen dadurch entstehen und das Saarland somit als Wirtschaftsstandort stärken. Jetzt hat das chinesische Unternehmen konkretere Planungen bekanntgegeben.


SVolt Energy ist ein chinesischer Batteriehersteller für Elektro-Autos. Seit einem Jahr war das Unternehmen auf der Suche nach einem Standort in Europa. Dabei setzte sich das Saarland gegen 31 Mitbewerber durch und wird der erste SVolt-Produktionsstandort in Europa.

"Das Auto von morgen wird im Saarland gebaut."

SVolt ist im Vergleich zu den asiatischen Marktführern im Bereich Akku-Herstellung noch ein Neuling – das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 3000 Mitarbeiter, davon nach eigenen Angaben rund die Hälfte im Bereich Forschung und Entwicklung. Erst seit 2018 ist SVolt ein eigenständiges Unternehmen. Vorher bildete es den Batteriegeschäftsteil des chinesischen Autobauers Great Wall Motors.

Die Entscheidung für das Saarland sei unter anderem wegen der zentralen geografischen Lage gefallen, denn so wird der neue Standort mitten in Europa gebaut. Außerdem gibt es im Saarland schon viel Erfahrung im Bereich Automobilbau.

Geringerer Wasserverbrauch als in China

Das Werk in Überherrn wird einen deutlich geringeren Wasserverbrauch haben, als das Vergleichswerk in China. Nach den neusten Planungen wird der Wasserverbrauch 75 Prozent geringer ausfallen. Das Werk in Überherrn liegt 2000 Kilometer nördlicher, weshalb aus klimatischen Gründen weniger gekühlt werden muss. Außerdem sollen geschlossene Kreisläufe und die Nutzung von Brauchwasser den Wasserbedarf reduzieren. SVolt betonte außerdem, dass in Überherrn ein emissionsfreies Werk entstehen wird.

Planungen für die Bebauung der Grundstücke sind gestartet

In Heusweiler ist die Strukturholdung Saar in den Verhandlungen mit dem Grundstücksbesitzer. Geschäftsführer Thomas Schuck ist allerdings zuversichtlich, dass man sich bald einig wird. SVolt plant seine Ansiedlung auf dem Gelände des stillgelegten Laminatepark. Teile der bestehenden Gebäude sollen weiter genutzt werden, andere werden abgerissen. Erste Ausschreibungen für die Baumaßnahmen sollen bereits im Frühjahr folgen.

Luftbild der geplanten Modul- und Pack-Montage von SVOLT in Heusweiler derzeit (Foto: SVOLT Energy Technology)
Luftbild der geplanten Modul- und Pack-Montage von SVOLT in Heusweiler derzeit

Umweltgutachten in Auftrag

Für den Standort in Überherrn, auf der Industriefläche Linslerfeld, hat SVolt die nötigen Umweltgutachten in Auftrag gegeben - Wasser, Verkehr, Naturschutz. Zusätzlich wurde ein Gutachten zum Thema Nachhaltigkeit eingereicht. Ein entsprechendes Konzept ist in Bearbeitung. Es geht dabei um die Auswirkungen der Batteriefabrik. Denn der Standort in Überherrn wird in einem Wasserschutzgebiet gebaut. Die Themen und erste Bausteine des Konzeptes wurden in einer digitalen Bürgerveranstaltung am 15. März vorgestellt und diskutiert. Grundsätzlich möchte das chinesische Unternehmen, die Strukturholding Saar und die Landesregierung auf Transparenz im gesamten Prozess setzen.

Kritik an den Planungen gibt es bereits jetzt. Eine Bürgerinitiative fürchtet, dass die Fabrik bis zu 150 Meter an das Wohngebiet des angrenzenden Ortes Friedrichweiler rückt. Thomas Schuck von der Strukturholding Saar (SHS) bestätigte, dass das Grundstück so nah an das Wohngebiet reicht. Es ist jedoch noch nicht klar, ob auch das Fabrikgebäude bis dorthin bebaut wird. Nach neusten Planungen geht die SHS jedoch von einem Abstand der Produktionsgebäude, von den Orten Friedrichweiler und Überherrn, von 500 Metern aus.

Visualisierung der geplanten Batterie-Zellfabrik in Überherrn (Foto: SVOLT Energy Technology)
Visualisierung der geplanten Batterie-Zellfabrik in Überherrn

Start für Produktion steht fest und Bewerbungen werden eingereicht

Am Standort in Heusweiler soll die Produktion bereits im Mai 2022 beginnen. In Überherrn wird es bis zum Produktionsstart noch länger dauern. Obwohl noch kein Gebäude steht, erreichen den Batteriehersteller bereits erste Bewerbungen aus der Region. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) hofft auf einen anhaltenden Jobeffekt in der Region.

SVolt Europachef Kai-Uwe Wollenhaupt sagte bereits, dass Ende 2025 2000 Mitarbeiter oder mehr an den beiden SVolt-Standort im Saarland beschäftigt sein sollen.

Zusammenarbeit mit den saarländischen Hochschulen

In Zukunft soll daher auch mit den saarländischen Hochschulen kooperiert werden. Der Vizepräsident Sales und Marketing von SVolt, Maxim Hantsch-Kramskoj, betonte, dass die Zusammenarbeit mit den Hochschulen sehr wichtig sein wird. "Ich glaube wir werden erleben, dass hier im Saarland ein Netzwerk entsteht, von Zulieferern welche wir auf der chemischen Seite und auf der Maschinenbau-Seite benötigen werden". Da SVolt bereits einen Schwerpunkt auf die Forschung und Entwicklung gelegt hat, erhofft man sich auch im Saarland eine gute Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Maxim Hantsch-Kramskoj hat selbst an der HTW in Saarbrücken Maschinenbau und Prozesstechnik studiert.

Wir werden von einem Professor der Chemie bis zu einem Hilfsarbeiter, das gesamte Spektrum benötigen.

Mehr Infos dazu gibt es hier im Interview mit Maxim

Maxim zu Jobs bei SVolt
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Maxim zu Jobs bei SVolt
Maxim, Vizepräsident Sales und Marketing von SVolt, im Interview zu zukünftig geplanten Jobs bei SVolt.

Welche Jobs werden gebraucht?

"Wir werden von einem Professor der Chemie bis zu einem Hilfsarbeiter, das gesamte Spektrum benötigen", so Maxim Hantsch-Kramskoj. Bereits jetzt plant das Unternehmen die Einstellung der Mitarbeiter. Zuerst sollen dazu die Senior Management Positionen besetzt werden, damit der Standort langfristig wachsen kann und erfolgreich sein wird.

Lichtblick für die saarländische Wirtschaft

Bei Bekanntgabe der Ansiedlung sprach Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) von einem "einzigartigen Ansiedlungserfolg" für das Saarland: "Es ist eine Ankerinvestition in die Zukunft der saarländischen Automobilwirtschaft", sagte Hans bei der ersten Pressekonferenz. Es sei ein Signal, auf das viele Menschen gewartet hätten. Denn seit Jahren bestimmen Meldungen über Stellenabbau und Schließungen die Nachrichten der saarländischen Wirtschaft.

Auch Anke Rehlinger bezeichnete die Ansiedlung von SVolt als einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Industrie aber auch der Mobilität im Saarland. Die saarländische Wirtschaftsministerin ergänzte dazu:

Das Auto von morgen wird im Saarland gebaut.

Für den saarländischen Autostandort könnte die SVolt-Ansiedlung eine wegweisende und zukunftssichernde Entscheidung sein. Vor allem der Autobauer Ford, dessen Zukunft in Saarlouis weiter ungewiss ist, könnte von einer Batterieherstellung in unmittelbarer Nähe profitieren.

Karin, Wirtschaftsredakteurin beim SR, über die wichtige Ansiedlung von SVolt im Saarland
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Karin, Wirtschaftsredakteurin beim SR, über die wichtige Ansiedlung von SVolt im Saarland

Chinesisches Unternehmen setzt auf Nachhaltigkeit

In Überherrn auf der bereits ausgewiesenen Industriefläche Linslerfeld soll die Batterie-Produktion gebaut werden. Im ehemaligen Laminatepark in Heusweiler soll ein großes Verpackungs- und Versandzentrum entstehen.

Das chinesische Unternehmen setzt dabei auch auf nachhaltige Produktionsprozesse. Noch vor Tesla veröffentlichte der Batteriehersteller eine Autobatterie ohne das Metall Cobalt. In den meisten Lithium-Ionen-Akkus für E-Autos steckt noch Cobalt drin. Das ist einerseits relativ teuer, andererseits ist vor allem der Abbau problematisch. Denn Cobalt kommt vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo in Afrika, dort gibt es Vorwürfe, dass die Arbeitsbedingungen für den Abbau schlecht sind.

Die von SVolt gebaute Batterie befindet sich derzeit schon in Fahrzeugtests auf der Straße und soll bereits 2021 verkauft werden. Sie hat eine höhere Energiedichte, eine bessere Sicherheit und eine längere Lebensdauer als bisherige Batterien.


Artikel vom 9. Februar 2021 - Update vom 16. März 2021.