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Demonstranten stehen hinter Polizisten, um gegen Racial Profiling zu protestieren (Foto: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)
Studie zu Rassismus bei der Polizei

Ein Forschungsteam um den Kriminologen Prof. Dr. Tobias Singelnstein hat über 3.000 Befragte zu mutmaßlich rechtswidriger Polizeigewalt befragt. Die Studie zeigt, dass People of Color (PoC) deutlich schlechtere Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben, als weiße Menschen. UNSERDING hat sich für euch die Ergebnisse der Studie angeschaut.


Die nichtrepräsentative Studie des Kriminologen Tobias Singelnstein der Ruhr-Universität Bochum wurde heute in Berlin vorgestellt. Untersucht wurden dabei die Erfahrungen von drei unterschiedlichen Gruppen mit der Polizei. Zum einen People of Color (PoC), Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen ohne Migrationshintergrund.

Für die Studie wurden online 3.373 Personen befragt, die körperliche Gewalt durch die Polizei erlebt haben und diese als rechtswidrig einstufen. Zudem führte das Forscherteam 63 Einzelinterviews mit Vertretern von Polizei, Opferberatungsstellen und Zivilgesellschaft.

Deutliche Wahrnehmungsunterschiede

Die Erfahrungen von People of Color unterschieden sich deutlich von denen weißer Personen, heißt es in der Studie. 62 Prozent der befragten PoC gaben an, sich bereits von der Polizei diskriminiert gefühlt zu haben. Auch 42 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund sagten, dass sie die Erfahrung bereits gemacht hätten. Bei Personen ohne Migrationshintergrund sind es 31 Prozent.

Polizeibeamte dagegen nehmen ihr Verhalten häufig als nicht diskriminierend wahr, sagt der Bochumer Kriminologe Singelnstein. Diese Wahrnehmungsunterschiede machen eine Verständigung im Konfliktfall sehr schwierig.

Ethnische Zugehörigkeit als Auslöser

Aus der Studie geht auch hervor, dass People of Color vermuten, dass sie wegen ihrer vermeintlichen «ethnischen» oder kulturellen Zugehörigkeit diskriminiert werden. Unter den Personen ohne Migrationshintergrund schätzten das nur drei Prozent so ein. Auch außerhalb von Großveranstaltungen werden PoC häufg für Personenkontrollen herausgezogen.

Das Forscherteam kommt in seiner Studie zum Ergebnis, dass nicht allein einzelne Polizistinnen und Polizisten für die Einschätzung und Wahrnehmung der PoC verantwortlich sind. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich um ein strukturelles Problem polizeilicher Praxis handelt.

Die vollständige nichtrepäsentiative Studie könnt ihr hier nachlesen.


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Nachmittag mit Moritz am 11. November 2020 berichtet