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Vornamen-Lexikons des Mannheimer Dudenverlags (Foto: picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Vornamen: Vorurteile und Regeln

Alle haben wir eine - den Vornamen. Die Spannweite ist dabei von altmodisch bis skuril ziemlich weit. Und auch die Vorurteile sind bei Vornamen nicht weit, denn allein bein Namen Kevin haben viele bereits Bilder im Kopf. Doch woher kommen diese Vorurteile und wie können wir sie abbauen. UNSERDING-Reporterin Celina hat sich für euch mal schlau gemacht.


"Eine Welt ohne Namen wäre eine gerechtere. Mit Namen verbinden wir Charakter, Herkunft oder soziale Schicht", denn Namen haben Macht. Eine Studie der Universität Chemnitz fand heraus, dass wir sogar Attraktivität und Intelligenz an Namen messen.

"Moderne Namen finden wir heiß, wie zum Beispiel nen Alex oder ne Sophie. Uwe oder Birgit wollen wir eher nicht daten". Liegt der Fokus auf der Intelligenz, dann ist es genau umgekehrt. Menschen mit älteren Vornamen, wie zum Beipsiel Jakob, empfinden wir generell als konservativer und gebildeter.

Ursprung der Vorurteile

Es gibt zwei Faktoren die Vorurteile maßgeblich prägen. Nämlich einmal unsere persönlichen Erfahrungen mit Personen die einen gewissen Vornamen haben. Lernen wir eine Person neu kennen, die den gleichen Namen hat, wie eine Person die schon länger Teil unseres Lebens ist, dann verbinden wir direkt positive oder negative Erfahrungen mit diesem Menschen, auch wenn wir ihn noch gar nicht wirklich kennen.

Der zweite wichtige Faktor ist unsere Gesellschaft. Eltern aus gebildeten Schichten geben ihren Kindern andere Namen, als Eltern aus bildungsärmeren Haushalten. Vorurteile die bereits aus dieser Schere zwischen den Bildungsschichten bestehen, projizieren wir, zum Teil auch unbewusst, auf Vornamen.

Der Kevin-Effekt

"Kevin sei kein Name, sondern eine Diagnose" soll eine Lehrerin einmal gesagt haben. Hinzu kommen Kevin-Witze, wie Sand am Meer und die Beleidigung als 'Alpha-Kevin'. Im übrigen hat 'Kevinismus' einen eigenen Wiki-Eintrag.

2009 schnitt der Name Kevin bei einer Studie an der Universität Oldenburg besonders schlecht ab. Mit ihm verbanden Leherende fast nur negative Assoziationen. Der Hype um den Namen entstand übrigens in den 90er Jahren durch den Film “Kevin – Allein zu Haus“. Jetzt ist es tendenziell so, dass Eltern mit geringerer Bildung gerne Namen aus Filmen für ihre Kinder wählen, während gebildete Eltern eher davon absehen. Nach dem Filmhit hatte jeder ein Bild vor Augen, wie so ein Kevin ist oder sein sollte und genau dadurch entstand der Kevin-Effekt.

Vorurteile abbauen

Ein Name sagt nichts über die Person aus, die ihn trägt. Immerhin hat sie ihn sich nicht ausgesucht und wird ihn auch den Rest ihres Lebens tragen müssen. Anstatt direkt mit Vorurteilen auf eine Personen mit dem Namen Kevin zuzugehen, sollten wir viel mehr den Menschen sehen. Denn seine eigenen Vorurteile zu erkennen, ist der erste Schritt um diese auch abzubauen.


Welche Namen sind erlaubt?

Lisa, Max, Jonas oder Anna – es gibt so Namen, die kennt man und bei denen ist auch ganz klar, dass einfach das sind: Vornamen. Wenn die Kinder aber Maserati und Lamborghini heißen sollen, wird’s schwierig. Diese Namen wurden vor dem Standesamt Saarbrücken abgelehnt. Wir checken, wieso.

Wenn jemand ein Kind bekommt, muss danach innerhalb eines Monats der Name des Kindes beim zuständigen Standesamt mitgeteilt werden. Dabei gibt es ein paar Regeln, zum Beispiel, wer den Namen aussuchen darf: Wenn nur ein Elternteil sorgeberechtigt ist, darf dieser den Namen aussuchen. Wenn beide Elternteile sorgeberechtigt sind, dürfen sie den Namen natürlich gemeinsam bestimmen.

Regeln für Vornamen

Beim Vornamen gibt es nicht besonders viele Regeln, die beachtet werden müssen, sagt Tanja vom Standesamt Saarbrücken. „Sehr eindeutig ist, dass ein Junge keinen Mädchennamen und ein Mädchen keinen Jungennamen haben darf“, erklärt sie. Eine Geschlechtsumwandlung zählt später vor Gericht übrigens als legitimer Grund dafür, den Vornamen zu ändern.

Bruder und Schwester liegen nebeneinander (Foto: pixabay.com)

„Außerdem sollte ein Vornamen nicht verunglimpfend sein und er sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden können“, sagt Tanja weiter. Der Name soll also keiner sein, der später das Wohl des Kindes beeinträchtigen könnte. „Aber sonst sind fast keine Grenzen gesetzt.“

Standesamt darf Namen ablehnen

Trotzdem können Namen vom Standesamt abgelehnt werden. Tanja hat ein Beispiel: „Abgelehnt haben wir schon die Namensgebung für Zwillinge, die ‚Maserati‘ und ‚Lamborghini‘ heißen sollten. Das ging und zu weit. Denn das war sicher nicht im Sinne des Erfinders und auch den Kindern hätte das im späteren Leben sicher nichts Gutes getan.“

Zugelassen wurde laut Tanja mal der Name ‚Winnetou‘ für ein Kind, das sei aber schon einige Jahre her. „Dass so ausgefallene Namen gewünscht werden, kommt aber selten vor, ist eher die Ausnahme.“ Übrigens haben Eltern noch nie versucht, Tanja zu bestechen. „Höchstens mich zu überreden, indem sie mich von der Schönheit des Namens überzeugen!“


Über dieses Thema wurde auch in der UNSERDING-Morningshow mit Thurie am 7. September 2020 berichtet.